„Wie schaffen wir es, dass nie wieder so etwas passiert“ fragte jemand am 9. November 2018 nach dem Gedenkgang in Erinnerung an die Schändung der Koblenzer Synagoge im Jahr 1938 und an die brutale Judenverfolgung auch in Koblenz. Mit meiner Antwort „indem jede und jeder vor Ort seinem Mitmenschen achtsam begegnet“ war er sichtlich nicht zufrieden. Damit mache ich es mir zu leicht, entgegnete er. Dass ich es für das Schwerste überhaupt hielt, blieb im Raume stehen.
Im Gemeindesaal der Koblenzer Jüdischen Kultusgemeinde war die Frage am 11. November wieder da. Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde wiesen auf einen erstarkenden, beunruhigenden Antisemitismus hin. Der Koblenzer Oberbürgermeister rief entschieden dazu auf, vorsichtig sowie wachsam zu sein und antisemitisch eingestellten Kräften entgegenzuhalten: „Halt! Wir wissen aus der Geschichte, wohin das führen kann.“
Woraus nährt sich die Hoffnung, dass wir zu diesem „Halt!“ tatsächlich fähig sein könnten? Erik Riechers erzählte in seiner Ansprache als Antwort auf diese Frage eine Geschichte, die Juden und Christen gut kennen, neu: die uralte Geschichte von den Söhnen Jakobs, die ihren Bruder Josef in die Sklaverei verkaufen. Riechers erzählte sie als sehr lange dauernde, äußerst schmerzhafte Umkehrgeschichte. Josef lässt seine Brüder in die Situation zurückkehren, in der sie ihn zum Opfer, zum Sklaven, gemacht haben. Er gibt ihnen die Chance, diesmal anders zu reagieren. Noch einmal vor die Frage gestellt, ob sie erneut einen vom Vater besonders geliebten Bruder, jetzt Benjamin, in die Sklaverei schicken, bietet sich Juda statt Benjamin als Sklave an. Er wird diesmal zum Hüter des Bruders. Nun und erst jetzt ist die Versöhnung der Brüder möglich.
Nicht die Opfer, sondern die Täter sind es, die sich ihrem Schatten und ihrer Schuld stellen müssen, hatte Wolfgang Hüllstrung in seinem Grußwort betont. Die Tatsache, dass die Koblenzer Jüdische Kultusgemeinde den Nachfahren der Täter einen Raum gebe, um sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen, biete eine große Chance.
Die gut 150 Menschen, die an der Gedenkfeier teilnahmen, ergriffen die Chance der Vergegenwärtigung der Geschichte von Josef und seinen Brüdern.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Paul-Eisenkopf-Preis

eisenkopfklein Zur bundesweiten Woche der Brüderlichkeit im März lobt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit in allen ungeraden Jahren den mit 1000 EUR dotierten Paul-Eisenkopf-Preis aus. Mit dem Preis sollen Personen, Schulklassen oder andere Gruppen ausgezeichnet werden, die sich im Bewusstsein der deutschen Vergangenheit um das Gelingen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft, Nationalität, Kultur und Weltanschauung bemüht haben beziehungsweise bemühen.

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Stolpersteine

steineAuf Bitten des Kulturausschusses der Stadt Koblenz hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft die Recherche, Koordination und Finanzierung des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ übernommen. Dabei werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Nazi-Opfer Messingplaketten verlegt, auf denen Name, Vorname, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person doku­mentiert sind.

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der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit.

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