Im Rahmen der Reihe „Große jüdische Denker“ hielt Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski am 6. Mai 2019 einen Vortrag über den jüdischen Aufklärer Moses Mendelssohn (1729-1786). Mit Professor Zaborowski, dem Rektor der Philosophisch Theologischen Hochschule Vallendar und Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte der Philosophie und philosophische Ethik, konnte ein ausgezeichneter Kenner jüdischer Religionsphilosophie gewonnen werden.
In seinem Vortrag führte Professor Zaborowski in Mendelssohns Buch “Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum” ein, in dem sich dieser nachdrücklich für Religionsfreiheit einsetzt. Wie begründet Mendelssohn seine Forderungen? Worin liegt die Radikalität seines Denkens? Und welche Bedeutung hat diese Schrift des berühmten Aufklärungsphilosophen für die Gegenwart?
Mit der Aufklärung rückt, anders als noch im Denken englischer Philosophen des 17. Jahrhunderts, die Mendelssohn kritisch würdigt, das Individuum in das Zentrum des Interesses. Professor Zaborowski führte einem hochinteressierten Publikum aus, dass und wie Mendelssohn als Aufklärer und Jude die Themen „Verhältnis von Staat und Religion“ sowie „Vernunft und Religion“ angeht. Geprägt durch eigene Erlebnisse (Aufforderung zum Übertritt zum Christentum durch Lavater, 1769, und die Verweigerung der Aufnahme in die Königliche Akademie, 1771) kommt Mendelssohn in seiner Jerusalemschrift von 1783 zur Forderung nach Religionsfreiheit für alle Menschen ohne Ausnahme.
Wenn uns der Fortschrittsglaube der Aufklärung auch abhandengekommen ist, so bleiben Mendelssohns Fragen aktuell: Ist der Anspruch auf Vernunft bei gleichzeitiger religiöser Identität einlösbar? Gehört Religion in den öffentlichen Raum? Ist die jeweils eigene Identität in Differenz zu der anderer im selben Gemeinwesen lebbar? Kann / sollte Religion etwas dazu beitragen, dass der Staat seine Aufgaben gut erfüllt? Moses Mendelssohn hat diese Fragen mit „Ja“ beantwortet. Gotthold Ephraim Lessing hat ihm für seinen philosophischen Ansatz mit „Nathan der Weise“ ein Denkmal gesetzt – aus gutem Grund.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Paul-Eisenkopf-Preis

eisenkopfklein Zur bundesweiten Woche der Brüderlichkeit im März lobt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit in allen ungeraden Jahren den mit 1000 EUR dotierten Paul-Eisenkopf-Preis aus. Mit dem Preis sollen Personen, Schulklassen oder andere Gruppen ausgezeichnet werden, die sich im Bewusstsein der deutschen Vergangenheit um das Gelingen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft, Nationalität, Kultur und Weltanschauung bemüht haben beziehungsweise bemühen.

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Stolpersteine

steineAuf Bitten des Kulturausschusses der Stadt Koblenz hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft die Recherche, Koordination und Finanzierung des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ übernommen. Dabei werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Nazi-Opfer Messingplaketten verlegt, auf denen Name, Vorname, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person doku­mentiert sind.

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