Der Name „Martin Buber“ hat eine große Strahlkraft, Und so kamen am 23. September 2019 viele Interessierte zu einem Vortrag über den jüdischen Religionsphilosophen in den Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde. In Prof. Dr. Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur an der Universität Frankfurt, fanden sie einen souveränen, gefragten Kenner Bubers. Am Tag zuvor war er noch Festredner beim 30jährigen Jubiläum der Buber-Rosenzweig-Stiftung.
Der Titel des Vortrags lautete: "Biblischer Humanismus in dunkler Zeit: Martin Bubers Denken während der Zeit des Nationalsozialismus". Wiese führte in die Biographie und zentrale Aspekte des Denkens Bubers ein. Der Schwerpunkt des Vortrags lag dabei auf dessen Deutung des Judentums und der jüdisch-christlichen Beziehungen während der Zeit des Nationalsozialismus, in welcher der Philosoph der Inhumanität der Nazi-Ideologie seine Vision einer biblisch begründeten Humanität entgegenhielt. Dabei kamen insbesondere Bubers Bibelkommentare, die „Verdeutschung der Schrift“ und seine Vision eines Dialogs in wechselseitiger Achtung vor dem Andersseins des Anderen zur Sprache.
Mit kundig ausgewählten Zitaten aus dem Werk Bubers veranschaulichte Wiese dessen tiefe, poetische Sprache und seinen Denk-Kosmos. Er stellte Ansätze vor, die uns heute noch auf Anhieb überzeugen: So wünscht er sich für den Dialog zwischen Juden und Christen Partner, die in der „Gewissheit der Gültigkeit des eigenen“ und der „Achtung vor der Wahrheit des fremden, dem eigenen widersprechenden Glaubensgeheimnisses“ offen miteinander reden.
Bubers Gewissheit, dass trotz Ausschwitz ein Leben mit Gott möglich bleibt, speise sich, so Wiese, allem aktuellen Leiden zum Trotz aus der Vergegenwärtigung der Erfahrung von Hiob: „wir rechnen auch jetzt, auch wir noch, mit Gott“.
Nach der Begegnung mit einem der Großen der Religionsphilosophie fiel es fast schwer, einen Abstand zum Gehörten, dem in sich schlüssig Scheinenden, zu finden. Es bedurfte schon eines profunden fachwissenschaftlichen Wissens, um anmerken zu können, dass Buber bedauerlicherweise ohne die Integration der rabbinischen Tradition auskomme und seine Vision eines Kulturzionismus durchaus kritisch zu hinterfragen sei.
Für alle war und bleibt es ein ausgesprochen gelungener Vortrags- und Diskussionsabend, ein 'Highlight' unserer bisherigen Vortragsreihe.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick / Wolfgang Hüllstrung)

 

Paul-Eisenkopf-Preis

eisenkopfklein Zur bundesweiten Woche der Brüderlichkeit im März lobt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit in allen ungeraden Jahren den mit 1000 EUR dotierten Paul-Eisenkopf-Preis aus. Mit dem Preis sollen Personen, Schulklassen oder andere Gruppen ausgezeichnet werden, die sich im Bewusstsein der deutschen Vergangenheit um das Gelingen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft, Nationalität, Kultur und Weltanschauung bemüht haben beziehungsweise bemühen.

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Stolpersteine

steineAuf Bitten des Kulturausschusses der Stadt Koblenz hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft die Recherche, Koordination und Finanzierung des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ übernommen. Dabei werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Nazi-Opfer Messingplaketten verlegt, auf denen Name, Vorname, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person doku­mentiert sind.

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