„Jüdische Perspektiven auf Demokratie – Zwischen Minderheitenerfahrung, Verantwortung und Vertrauen in den Rechtsstaat“ vom 10. November 2025
Der Vortrag fand im Rahmen der „Wochen der Demokratie Koblenz 2025“ in Kooperation mit der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz statt.
Ein wesentlicher Teil der Arbeit unseres Vereins besteht darin, allen Formen von Antisemitismus und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten und entsprechende Vorurteile aufzudecken. Wir tun dies aus der Position der Mehrheitsgesellschaft heraus, auch um jüdische Menschen zu unterstützen und zu schützen. Das ist und bleibt wichtig. Gleichzeitig tun wir gut daran, Minderheiten als Bürgerinnen und Bürger unseres Landes nach ihren Erfahrungen zu fragen und sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Was können wir von ihnen in Zeiten wachsen-der Polarisierung, in denen viel auf dem Spiel steht, lernen?
Dem ging der Vortrag des Landesrabbiners nach. Er beleuchtete, wie sich ab den Tagen Abrahams durch die biblische Geschichte hindurch Impulse und Momente eines demokratischen Miteinanders finden. So war zum Beispiel sogar am Sinai beim Bundesschluss das „Ja“ des Volkes zum Bund unbedingt notwendig (vgl. Schemoth (2. Mose/ Exodus) 24,8/2).
Eine solche Tradition zieht sich auch durch die rabbinische Geschichte. Wenn Rabbiner bspw. über die kultische Reinheit eines zerbrochenen Ofens zu befinden hatten, galten selbst Wunder, um die ein Diskutant gebeten hatte und die ihm vom Himmel sogar gewährt wurden, nicht wirklich als Argument. So in einer wunderbaren Geschichte im Trakta Bawa Mezia 59 a/b. Denn: „Die Tora ist nicht im Himmel“ (Dewarim (5. Mose/Deuteronomium)30,12), argumentieren andere Rabbiner. Das heißt, Menschen müssen und dürfen sich auf der Grundlage des göttlichen Wortes mittels ihres Verstandes entscheiden.
Und überhaupt: Die Bedeutung von „Recht und Gerechtigkeit“ – ein Wortpaar längs durch die hebräische Bibel - dürfte in keiner Religion und Kultur von so ho-her, das Leben prägender Bedeutung sein. Auf dem Hintergrund der Erfahrung in Deutschland ist eigentlich offensichtlich, wie wichtig für Demokratie, Rechtssicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt gerade Minderheiten sind – alle-mal die jüdische Gemeinde - , da sie ein Frühwarnsystem für Gefährdungen demokratischer Strukturen sein kann.
Reuven Konnik betonte, „Aus der Erinnerung an Verfolgung und Zerstörung er-wächst der Auftrag, für eine Gesellschaft einzutreten, die auf Respekt, Vielfalt und gegenseitiger Verantwortung gründet.“
(Wilma Rademacher-Braick / Paul Petzel)

Zur bundesweiten Woche der Brüderlichkeit im März lobt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit in allen ungeraden Jahren den mit 1000 EUR dotierten Paul-Eisenkopf-Preis aus. Mit dem Preis sollen Personen, Schulklassen oder andere Gruppen ausgezeichnet werden, die sich im Bewusstsein der deutschen Vergangenheit um das Gelingen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft, Nationalität, Kultur und Weltanschauung bemüht haben beziehungsweise bemühen.
Auf Bitten des Kulturausschusses der Stadt Koblenz hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft die Recherche, Koordination und Finanzierung des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ übernommen. Dabei werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Nazi-Opfer Messingplaketten verlegt, auf denen Name, Vorname, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person dokumentiert sind.
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