Aktuelles
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Vortrag des Landesrabbiners von Rheinland-Pfalz, Reuven Konnik
„Jüdische Perspektiven auf Demokratie – Zwischen Minderheitenerfahrung, Verantwortung und Vertrauen in den Rechtsstaat“ vom 10. November 2025
Der Vortrag fand im Rahmen der „Wochen der Demokratie Koblenz 2025“ in Kooperation mit der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz statt.
Ein wesentlicher Teil der Arbeit unseres Vereins besteht darin, allen Formen von Antisemitismus und Diskriminierung entschieden entgegenzutreten und entsprechende Vorurteile aufzudecken. Wir tun dies aus der Position der Mehrheitsgesellschaft heraus, auch um jüdische Menschen zu unterstützen und zu schützen. Das ist und bleibt wichtig. Gleichzeitig tun wir gut daran, Minderheiten als Bürgerinnen und Bürger unseres Landes nach ihren Erfahrungen zu fragen und sie selbst zu Wort kommen zu lassen. Was können wir von ihnen in Zeiten wachsen-der Polarisierung, in denen viel auf dem Spiel steht, lernen?
Dem ging der Vortrag des Landesrabbiners nach. Er beleuchtete, wie sich ab den Tagen Abrahams durch die biblische Geschichte hindurch Impulse und Momente eines demokratischen Miteinanders finden. So war zum Beispiel sogar am Sinai beim Bundesschluss das „Ja“ des Volkes zum Bund unbedingt notwendig (vgl. Schemoth (2. Mose/ Exodus) 24,8/2).
Eine solche Tradition zieht sich auch durch die rabbinische Geschichte. Wenn Rabbiner bspw. über die kultische Reinheit eines zerbrochenen Ofens zu befinden hatten, galten selbst Wunder, um die ein Diskutant gebeten hatte und die ihm vom Himmel sogar gewährt wurden, nicht wirklich als Argument. So in einer wunderbaren Geschichte im Trakta Bawa Mezia 59 a/b. Denn: „Die Tora ist nicht im Himmel“ (Dewarim (5. Mose/Deuteronomium)30,12), argumentieren andere Rabbiner. Das heißt, Menschen müssen und dürfen sich auf der Grundlage des göttlichen Wortes mittels ihres Verstandes entscheiden.
Und überhaupt: Die Bedeutung von „Recht und Gerechtigkeit“ – ein Wortpaar längs durch die hebräische Bibel - dürfte in keiner Religion und Kultur von so ho-her, das Leben prägender Bedeutung sein. Auf dem Hintergrund der Erfahrung in Deutschland ist eigentlich offensichtlich, wie wichtig für Demokratie, Rechtssicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt gerade Minderheiten sind – alle-mal die jüdische Gemeinde - , da sie ein Frühwarnsystem für Gefährdungen demokratischer Strukturen sein kann.
Reuven Konnik betonte, „Aus der Erinnerung an Verfolgung und Zerstörung er-wächst der Auftrag, für eine Gesellschaft einzutreten, die auf Respekt, Vielfalt und gegenseitiger Verantwortung gründet.“
(Wilma Rademacher-Braick / Paul Petzel)
Zeitzeugenschaft der besonderen Art
Gedenken an die Reichspogromnacht am 9. Nov. 2025 im Gemeindesaal der JKG
Angesichts zunehmendem Antisemitismus, Diffamierungen und Attacken bleiben einem nach der Gedenkstunde wohlgesetzte Worte im Hals stecken. Sie werden zu einem Klumpen, der auf Auflösung durch uns wartet:
nie wieder!
bald wieder?
schon wieder?
mal wieder.
jetzt wieder.
doch wieder!
nie wieder!

Für sein Grußwort zum diesjährigen Pogromgedenken hatte der Vorsitzende der JKG Avadislav Avadiev eine bemerkenswerte „Zeitzeugin“ im Gepäck: ein zur Seite geschobenes Tuch enthüllte den erstaunten Blicken der Anwesenden eine Tora Rolle: dieselbe Tora-Rolle aus der Koblenzer Synagoge, die in der Schoah vor den Händen der Nazischergen gerettet werden konnte. Das wurde vor allem durch den unerschrockenen Einsatz eines deutschen Christen möglich, der dafür sein Leben aufs Spiel setzte. Herr Avadiev redete der deutschen Gesellschaft schwer ins Gewissen wegen der zaghaften oder ganz ausbleibenden Solidaritätsbezeigungen für die jüdischen Gemeinden und das in einem Umfeld demokratischer Freiheit und Rechtsordnung. Haltung bewiesen hätten nur die maßgeblichen deutschen Politiker, aber nicht die allgemeine Zivilbevölkerung.
Die strenge Mahnung fand einen guten Widerhall in den anderen Redebeiträgen, wenn er OB Herr David Langner einer zunehmend polarisierten Gesellschaft die Idee eines Zusammenhaltes entgegenstellte, durch den man sich bei aller notwendigen gegenseitigen Kritik niemals auseinander bringen lassen würde, wenn Frau Prof. Dr. Michaela Bauks von der Uni Koblenz in der Vernachlässigung des jüdisch-christlichen Liebesgebotes eine Hauptursache für den schlimmsten „Tiefpunkt“ in der deutschen Geschichte ausmachte, und Landesrabbiner Reuven Konnik zuletzt in dem „Mut aufzustehen“ das entscheidende Heilmittel dagegen erkannte.
All diese Gedanken konnten in den Anwesenden nur das Gefühl jenes inneren Brennens verstärken, zum dem bereits zu Beginn das eigens zum Anlass von der anwesenden Komponistin Tamilla Mikailov-Avadiev verfasste und vom Duo Renate und Emanuel Horn zur Aufführung gebrachte Stück mit dem Titel „Flamme der Stille“ eingestimmt hatte, und das hoffentlich noch lange in allen Anwesenden nachwirken wird.
gez. Wilma Rademacher-Braick / Alban Rüttenauer
Fotos: Christoph Simonis
„Ritualmordlüge und Märtyrerkult links und rechts des Rheins“
Vortrag von Dr. Walter Karbach, Trier, mit dem Thema „Antijüdischer Märtyrerkult links und rechts des Rheins“ vom 9. September 2025
Der Vortrag bildete den Auftakt einer neuen Kooperation mit der Volkshochschule Koblenz. Künftig sollen nach Möglichkeit jährlich zwei Veranstaltungen gemeinsam angeboten werden.
Karbach, der sich als Regionalforscher intensiv mit dem Wernerkult im In- und Ausland beschäftigt hat, führte einem höchst interessierten Publikum mit Worten und Bildern die Auswirkungen des Kultes um den „Guten Werner“ vor Augen.
„Bis heute, so Karbach, finden sich die Spuren christlicher Verblendung in Darstellungen des einstigen Trierer Bistumsheiligen Werner. Die Oberweseler Juden sollen den Christenjungen im Jahre 1287 grausam ermordet haben. In seinem Namen kam es an Rhein und Mosel zu heftigen Pogromen. Während die Reformation den Kult am Märtyrergrab in Bacharach unterband, blühte er in Oberwesel auf und hält sich in der Region (und in Frankreich) bis in unsere Tage.“
Wie gehen wir mit Spuren dieses Märtyrerkultes in unserer Region um? Das ist eine spannende Frage, der wir nachgehen wollen. Die im Jahr 2025 erschienenen ökumenischen "Leitlinien zum Umgang mit antijüdischen Bildwerken in und an Kirchenräumen", siehe hier >>> PDF >>>, geben dazu Anregungen.
(Wilma Rademacher-Braick)
Sommerfahrt 2025
Wittlich überrascht und beeindruckt
Als kurz vor den Sommerferien die Nachricht aus Frankfurt kam, dass unser seit einem halben Jahr geplanter Besuch wegen einer Großveranstaltung in der Stadt nicht möglich sei, musste kurzfristig ein neues Ziel gefunden werden. Mit der Kreisstadt Wittlich in der Eifel fand sich ein nicht minder lohnendes Ziel.
Von der breiteren Öffentlichkeit eher unbeachtet gibt es hier bemerkenswerte Spuren jüdischen Lebens und mehrere Einrichtungen, die sich um die Vermittlung historischen, religiösen und kulturellen Wissens verdient machen.
Die 26 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der christlich-jüdischen Gesellschaft Koblenz e.V. sowie der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz wurden zunächst im Emil-Frank-Haus begrüßt. Dieses leistet seit dreißig Jahren eine umfassende Bildungsarbeit über jüdische Geschichte und jüdisches Leben in Vergangenheit und Gegenwart. Vorträge mit teils prominenten Gästen, Seminare, Gedenk- und künstlerische Veranstaltungen sowie Vortragsreisen sprechen Teilnehmer aus der ganzen Umgebung an. Regelmäßig besuchen Schulen und Gäste aus dem In- und Ausland das Institut. Lokale oder regionale Arbeitsgruppen und Initiativen, die sich der Erforschung der jüdischen Geschichte widmen, werden unterstützt. Das Emil-Frank-Institut hilft dabei, die Archivarbeit zu koordinieren, Kontakte herzustellen, in finanziellen Fragen zu beraten und verschiedene Formen der Gedenkarbeit zu fördern. Außerdem veröffentlicht das Institut mehrere eigene Schriftenreihen und verfügt über eine umfangreiche Bibliothek zur Ausleihe und zum Selbststudium. Im gleichen Gebäude wie die Stadtbücherei und die Medienstelle gelegen, wird deutlich, dass es hier nicht um ein abseitiges Sonderthema geht, sondern um stadthistorisch und gegenwartsbezogene Inhalte.
In der anschließenden Stadtführung wurden unter anderem ehemals jüdische Kauf- und Wohnhäuser gezeigt sowie der Platz der alten Synagoge, bei der es nur noch den Zugang zur Mikwe gibt. Die „neue“, 1910 eingeweihte Synagoge ist außen vollständig erhalten und zeigt die zeitgenössische Architektur des frühen 20. Jahrhunderts. Der Innenraum, durch SA- und NSDAP-Mitglieder aus Wittlich am 10. November 1938 schwer beschädigt, wurde zu einem Kulturraum mit angrenzenden Museumsräumen umgestaltet. Hier informiert die Dauerausstellung „Jüdisches Leben in Wittlich“ über die Geschichte der Juden in Wittlich, die bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht.
Die ehemalige Synagoge und das Museum sind täglich außer montags für einige Stunden geöffnet. Auch hier sind es engagierte Ehrenamtliche, die das ermöglichen.
Den Abschluss bildeten der Besuch und die Führung auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof. Er wurde von 1672 bis 1941 zur Grablege genutzt. Etwas außerhalb der Stadt gelegen, ist er heute einer der größeren erhaltenen jüdischen Friedhofsdenkmäler des Landes.
Wir wurden fachkundig von Ehrenamtlichen des Emi-Frank-instituts und des Arbeitskreises „Jüdische Gemeinde Wittlich“ begleitet. Wo nötig, hat Renata Horn aus Andernach ins Russische übersetzt, wofür wir ihr sehr dankbar sind. In der vielfältigen Gastronomie der Kleinstadt von 20.000 Einwohnern fand jeder ein geeignetes Mittagessen oder einen Ort zum Ausruhen am Flüsschen Lieser.
Die Sommerfahrt nach Wittlich war ein mehr als lohnender Ausflug mit überraschenden und inspirierenden Eindrücken und Gesprächen. Es muss nicht immer ein berühmtes Ziel sein!
(Text und Bildrechte: Margit Büttner)
Kooperationsveranstaltung mit den Evangelischen Kirchengemeinden Andernach und Winningen
In Kooperation mit zwei Evangelischen Kirchengemeinden wurde die Wanderausstellung „HerStories. Geschichten jüdischer Frauen des 20. Jahrhunderts“, mit einem Begleitprogramm präsentiert in Andernach (15. - 21. Juni 2025) und in Winningen (22 - 29. Juni 2025)
„Die Ausstellung“, so der Initiator Centropa, „beleuchtet die europäisch-jüdische Geschichte des 20. Jahrhunderts aus dem Blickwinkel von sieben jüdischen Frauen aus Deutschland, Polen, Griechenland, Spanien, Ungarn, der Slowakei und Tschechien. […]
Die gesammelten (Über-)Lebensgeschichten offenbaren nicht nur individuelle Schicksale, sondern erläutern auch ihre Rollen als Frauen in der Gesellschaft und ihre Überlebensstrategien während des Kriegs. Sie illustrieren, wie diese Frauen nach dem Holocaust ihr Leben wieder aufbauten. Die Ausstellung verknüpft die sieben Biographien miteinander und vermittelt somit ein vielschichtiges Bild der europäisch-jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts aus weiblicher Perspektive.“
Ergänzt wurde die Ausstellung durch ein ortsspezifisch begleitendes Programm. Dieses findet sich hier >>> im Detail abgebildet.
Über dreißig Menschen waren ehrenamtlich an der Vorbereitung und Umsetzung der Ausstellung beteiligt. Ihnen allen sei herzlich gedankt!
Vera Szekeres-Varsa (geb. 1933), eine der in der Wanderausstellung zu Worte kommenden Frauen, bringt das Ziel der Ausstellung, ohne von ihr gewusst zu haben, auf den Punkt: Es „sollte die nächste Generation von der Verfolgung wissen, weil sie lernen sollte, dass jede Verfolgung im allerersten Moment mit den stärksten Mitteln beendet werden sollte.“
Foto Ev. Christuskirche Andernach, Bildrechte: Lisa Schroeder
Verleihung des Paul-Eisenkopf-Preises an Gernot Jonas vom 25. Mai 2025
Ein Übersetzer als Brückenbauer
Eine stattliche Zahl von Gästen konnte Alban Rüttenauer im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz zur diesjährigen Preisverleihung begrüßen, die auch diesmal dank der Großzügigkeit der Stadt und des Einsatzes der Geschäftsführung unserer Gesellschaft hervorragend organisiert war. Bezugnehmend auf das Duo Hans und Daniel Bollinger, das die Gäste mit den ersten jiddischen Liedern gleich passend eingestimmt hatte, konnte der Kulturdezernent der Stadt Ingo Schneider in seinem Grußwort feststellen, um wieviel schöner der historische Saal bei solcher Musik zum Klingen gebracht werde, als bei den gewohnten hitzigen Diskussionen von Ratsversammlungen.

Foto v.l.n.r.: Prof. Dr. Alban Rüttenauer SAC (Vorsitzender der CJG), Michail Aranovski (Preisträger 2023), Gernot Jonas, Prof. Dr. Simon Neuberg (Laudator), Doris Jonas, Ingo Schneider (Dezernent für Bildung und Kultur der Stadt Koblenz), Avadiev Avadiev (Landesvorsitzender der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz und Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz)
Besser konnte kaum ins Bild gebracht werden, was wir als CJG mit diesem Preis eigentlich beabsichtigen: Gegenüber den vielen rauen Tönen, die sonst unser Leben bestimmen, einmal einen anderen, ermutigenden Ton anzuschlagen, den besonderen Ton von Dialog und Verständigung. Für diesen Ton ist der Preisträger Gernot Jonas vor allem durch die Übersetzungen der Werke des jiddischen Autors Scholem Alejchem aus dem Gebiet der heute so bedrängten Ukraine eingetreten. Durch diese Übersetzungen wurden zahlreichen Leser:innen jüdische Lebenswelten nahegebracht.
Darum lobte auch der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde A. Avadiev das so frühzeitig geäußerte Bemühen des Preisträgers um Verständigung und bedankte sich bei der CJG für das unkomplizierte Zusammenwirken, wie es bei einer Gelegenheit wie dieser zum Neuen zum Ausdruck käme.
Die Laudatio von Prof. Dr. Simon Neuberg gewährte Einblicke darin, mit welchen besonderen Schwierigkeiten Übersetzungen auch aus einer so verwandten Sprache wie dem Jiddischen zu kämpfen haben, zumal jiddische Literatur meistens in Hebräischer Schrift veröffentlicht vorliegt. Um solchen und anderen Schwierigkeiten standzuhalten, die den Preisträger und Laudator bei mancher „Eisenbahngeschichte“ (so der Titel einer von Jonas übersetzten Sammlung von Erzählungen von Scholem Alejchem) begleitet haben, benötigt man immer wieder eine gute Prise Humor, eine Eigenschaft, die den diesjährigen Preisträger mit dem Namensgeber des Preises verbindet, dem Pallottinerpater Paul Eisenkopf, der unsere Gesellschaft zu Lebzeiten jahrzehntelang geprägt hat.
Mögen solche Veranstaltungen wie diese, die beim anschließenden gemütlichen Empfang bei persönlichen Gesprächen noch vertieft werden konnte, uns allen helfen, den Humor in der gegenwärtigen Weltlage nicht zu verlieren!
(Alban Rüttenauer)
Mehr über den Paul-Eisenkopf-Preis >>>
Veranstaltung zum Gedenken
Am 8.Mai fand in Bendorf im Gebäude der ehemaligen „Israelitischen Heil- und Pflegeanstalt für Nerven- und Gemütskranke Sayn (Jacoby’sche Anstalt)“ eine Veranstaltung zum Gedenken an die beiden jüdischen Intellektuellen Dr. Hanna Hellmann (Schriftstellerin, Kleist-Forscherin) und Jacob van Hoddis, (Lyriker, Schriftsteller) statt. Die CJG hat diesen Abend neben anderen finanziell unterstützt.
Die Veranstaltung war Teil einer Reihe des „Verbandes Deutscher Schriftsteller*innen [VS} in ver.di in Köln und Rheinland-Pfalz-Saar“. Dieser erinnerte im Kontext des 8. Mai 1945 an Intellektuelle sowie künstlerisch Tätige, die aus dem Rheinland stammten bzw. hier eine gewisse Zeit lebten und durch die Nationalsozialisten entrechtet und zumeist ermordet wurden. Details zu Bendorf-Sayn entnehmen Sie bitte der Presseankündigung des Veranstalters!
Der gut besuchte Abend führte in erschreckender Weise vor Augen, wohin Stigmatisierung und Ausgrenzung führen können und geführt haben: Circa 1.000 Menschen aus der Bendorf-Sayner Pflegeeinrichtung bzw. ehemalige Patientinnen und Patienten wurden nach und nach deportiert und ermordet. Hanna Hellmann und Jakob von Hoddis waren zwei von ihnen.
Dass der Abend niemanden unberührt ließ, ist Hermann Spix, Joachim Kubowitz, Dr. Eva Weissweiler, Dr. Gudrun Jäger und auch Renate Rosenau (Tochter des letzten Leiters der Jacoby’schen Anstalt) zu verdanken.
(Wilma Rademacher-Braick)
80 Jahre Kriegsende und Befreiung
Kooperationsveranstaltung am 7. Mai 2025 im Rahmen der Reihe "Koblenz erinnert:
‚80 Jahre Kriegsende und Befreiung‘“.
Veranstalter: Jüdische Kultusgemeinde Koblenz, Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz e. V. und Stadtarchiv Koblenz
"Die Familie Mayer-Alberti und die 'M. Mayer Papierwarenfabrik' - eine Koblenzer Familien- und Unternehmensgeschichte". Vortrag von Judith Höhn-Engers (Stadtarchiv Koblenz) und anschließende Diskussion
Judith Höhn-Engers gewährte, ihren eigenen Worten nach „einen Einblick in die Ergebnisse ihrer langjährigen Forschungsarbeit zum Unternehmen und zu den Mitgliedern dieser weit verzweigten Fabrikantenfamilie, die das wirtschaftliche, politische, soziale und gesellschaftliche Leben ihrer Heimatstadt über mehr als drei Generationen entscheidend mitgeprägt hat, bis sie im Jahr 1938 nur durch die Flucht aus Deutschland der Deportation und Ermordung durch die Nationalsozialisten entgehen konnte. Das Gedenken an diejenigen Koblenzerinnen und Koblenzer, die durch das nationalsozialistische Terrorregime nicht nur entrechtet, enteignet und entmenschlicht wurden und schließlich ihre Heimat sowie ihre nationale und religiöse Identität unwiederbringlich verloren haben, muss ebenso integraler Bestandteil des Erinnerns an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 80 Jahren sein wie die Verneigung vor den Millionen Toten und die Würdigung der Wiederaufbauleistung der Kriegs- und Nachkriegsgenerationen vor Ort.“
Dazu leistete dieser ausgesprochen gut besuchte Vortrag im Saal der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz einen Beitrag. In der sich anschließenden regen Diskussion kamen unter anderem einige zu Wort, deren Vorfahren einen persönlichen Bezug zur 'M. Mayer Papierwarenfabrik' hatten.
(Wilma Rademacher-Braick)
Mitgliederversammlung vom 25.03.2025
Die Mitgliederversammlung fand wie in den Jahren zuvor in den Räumen der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz statt. Neben den formal stets notwendigen Tagesordnungspunkten erfolgte die Wahl der Geschäftsführung. Dr. Wilma Rademacher-Braick wurde im Amt bestätigt.
Im Anschluss nahm der Vorsitzende Prof. Dr. Rüttenauer SAC mit auf eine Entdeckungsreise zu jüdischen Komponistinnen und Komponisten. Bewegte man sich mit Fanny und Felix Mendelssohn noch auf durchaus vertrauten Wegen, so gelangte man mit Ferdinand Hiller und Friedrich Gernsheim auf unbekanntes Terrain. Beide waren zu ihrer Zeit, 19. Jahrhundert, hoch angesehene Komponisten. Der kleine Vortrag, verbunden mit einigen wenigen Motiven aus Kompositionen, endete bei Maria Herz. Sie steht mit ihrem Werk am Übergang von der Spätromantik zur Moderne.
Allen jüdischen Komponisten und Komponistinnen ist gemeinsam, dass ihre Werke durch die Nationalsozialisten Aufführungsverbot erhielten und ihre Schöpfer in Vergessenheit gerieten.
Der Vortrag vor einem erlesen kleinen Publikum trug dazu bei, das Vergessen zu durchbrechen und Lust auf weitere Entdeckungen zu machen.
(Wilma Rademacher-Braick)
Vortrag von Prof. Dr. Marie-Theres Wacker am 11. März 2025
„Vergiftetes Erbe. Judenfeindliche Darstellungen an und in Kirchen des 19. und 20. Jahrhunderts“
Zur Vertiefung des mit der Ausstellung "Von christlicher Judenfeindschaft" im Jahr 2024 gesetzten Schwerpunkts lud die Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz zu einem Vortrag ins Bischöfliche Cusanus-Gymnasium Koblenz ein.
Im sogenannten kulturellen Gedächtnis, an dem wir alle teilhaben – bewusst , oft unbewusst – geistern seit Jahrhunderten die Figuren von Ecclesia / Kirche und Synagoga / Judentum herum: mit eindeutiger Abwertung der Synagoga – Inbegriff der langen Geschichte christlicher Judenfeindschaft, die dem Antisemitismus eine Vorlage bot. Prof. Dr. Wacker, eine inzwischen ausgewiesene Expertin für die Erforschung judenfeindlicher Bildwerke, hat sich zusammen mit ihrem Mann Dr. Bernd Wacker daran gemacht, Darstellungen in Kirchen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert (im Einzelfall bis in dessen neunziger Jahre hinein) aufzuspüren, und wurde fündig. Sie schließt damit eine Forschungslücke.
Einige Beispiele machte Frau Wacker im Laufe ihres Vortrags sichtbar, zum einen Abbildungen von Ecclesia und Synagoga in katholischen Kirchen, zum anderen diskriminierende Darstellungen von Judas im Kreise der Jünger um Jesus.
Im Gespräch der Referentin mit dem Auditorium entwickelten sich Antworten auf die Frage: Was tun, wenn judenfeindliche Bildwerke aufgefunden sind? Verschiedene, hier und da bereits erprobte Wege wurden im Für und Wider abgewogen: Bildwerke öffentlichkeitswirksam zerstören, in ein Museum verbringen und erklären, vor Ort mit einer erläuternden und sich distanzierenden Tafel versehen, mit einem Gegenkunstwerk kontrastieren.
Der Schwerpunkt „Von Christlicher Judenfeindschaft“ wird im September 2025 mit einem Vortrag von Dr. Walter Karbach zum Thema „Antijüdischer Märtyrerkult links und rechts des Rheins“ weiter vertieft (Nähere Informationen folgen).
(Paul Petzel, Wilma Rademacher-Braick)
Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2025
gedenken. bedenken. nachdenken.
überdenken. reindenken. mitdenken.
vordenken. weiterdenken. vorausdenken.
gedacht. bedacht. Obacht.
Vor achtzig Jahren befreite die Rote Armee die Überlebenden von Auschwitz, des größten Konzentrationslagers des Nationalsozialismus. Wir gedenken am 27. Januar eines jeden Jahres auch in Koblenz der in dieses und in andere Vernichtungslager Verschleppten und zugleich aller der im Nationalsozialismus Verfolgten, Gemarterten und Ermordeten. So auch im Jahr 2025.
Um 17:30 Uhr versammelten sich Menschen verschiedener Genrationen am Mahnmal auf dem Reichenspergerplatz, Koblenz. Um 18:15 Uhr folgte in der Citykirche ein Gedenken, im Rahmen dessen ein christlich-jüdisches Gebet gesprochen wurde. In Erinnerung bleibt als einer von bewegenden Eindrücken die Rede des Vorsitzenden des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e. V. Er wies auf die Gefahr hin, der wir ständig unterliegen: zuzulassen, dass scheinbar harmlose Begriffe durch stetige leichte Konnotationsverschiebungen und einen neuen Kontext plötzlich einen aggressiven Charakter annehmen und damit vorher Unsagbares sagbar gemacht wird
Begleitend zu den Gedenkveranstaltungen fand in der Citykirche Koblenz eine Ausstellung statt: „‘Es war eine Fahrt durch die Hölle‘. Vor 80 Jahren: Befreiung des KZ Auschwitz“. Der Förderverein Mahnmal hatte sie in Kooperation mit der Citykirche Koblenz für Menschen aus Koblenz und der Region konzipiert, die nach Auschwitz deportiert wurden.
(Wilma Rademacher-Braick)
Gedenkveranstaltung am 10. November 2024 für die Opfer der Pogromnacht 1938
Das Programm finden Sie hier >>> PDF >>>
86 Jahre nach dem 9. November 1938.
Wenige Tage nach den Ausschreitungen in Amsterdam.
Erinnern. Vergegenwärtigen. In Worte fassen.
86 Jahre nach dem 9. November 1938.
Der Blick zurück und Worte reichen nicht mehr.
Fassungslosigkeit in Aufstehen verwandeln!
86 Jahre nach dem 9. November 1938.
Wenige Tage nach den Ausschreitungen in Amsterdam.
(Wilma Rademacher-Braick)
„Von christlicher Judenfeindschaft“
Ausstellung in der Citykirche Koblenz vom 28.10. – 10.11.2024
Die Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz e.V. präsentierte in Kooperation mit dem Pastoralen Raum Koblenz und dem Evangelischen Kirchenkreis Koblenz eine zuerst in Berlin gezeigte Ausstellung. In der Tradition christlicher Kunst wurden über eine lange Zeit judenfeindliche Bilder geschaffen. Abwertend und erniedrigend, polemisch und gehässig wurden üble Gerüchte und Narrative festgehalten auf Leinwand, gemeißelt in Stein, vervielfältigt und verbreitet in Flugschriften und Pamphleten, eine Spur von Leid und Blut hinter sich ziehend.

Sehen Sie sich Impressionen von der Ausstellung an, werfen Sie einen Blick in die Citykirche und auf eine Seite des Gästebuchs!
(Text und Fotos: Margit Büttner)
Ermutigung gegen die Machtlosigkeit
Vortrag von Ernst Heimes über die Nachermittlungen zum KZ-Außenlager Cochem unter dem Titel „Bevor das Vergessen beginnt“ am 25. September 2024
Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, so still war es nach dem Vortrag von Ernst Heimes.
Dabei hatte der Autor noch zu Beginn seiner Lesung das aus einem kleinen, aber feinen Kreis von knapp 20 Personen bestehende Publikum ausdrücklich zu einem Gespräch im Anschluss eingeladen. Nun schien er fast selber von der Wirkung seiner vorgetragenen Worte überrascht. Die verschiedenen Zeitzeugenberichte, darunter auch die Erzählung von Leuten, die als Kinder von einem selbstgemachten Guckloch im Speicher aus die Geschehnisse des Lagers mitverfolgten, hatten uns alle sprachlos gemacht. Erst allmählich löste sich die Anspannung und es begann ein Gespräch, das schier kein Ende nehmen wollte. Dabei konnten die Fragen die allgemeine Sprachlosigkeit nur noch konkreter machen. Sie kreisten um das Schicksal der Opfer, den Umgang der Zeugen mit ihrem belastenden Wissen, Profile von Tätern, Möglichkeiten der Erinnerung, Versäumnisse der Aufarbeitung. Überall stieß man zuletzt auf etwas Unerklärliches. Deutlich wurde dabei die Unmöglichkeit von Pauschalisierungen, da vielmehr jeder Fall sein eigenes Gesicht hat. Auch im tiefsten Grauen konnte es immer noch zu überraschenden Menschlichkeiten kommen. Darum konnte Heimes den Rat mit auf den Weg geben, uns bei aller Macht- und Sprachlosigkeit doch an das zu halten, was trotzdem noch möglich bleibt.
Alban Rüttenauer

Zur bundesweiten Woche der Brüderlichkeit im März lobt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit in allen ungeraden Jahren den mit 1000 EUR dotierten Paul-Eisenkopf-Preis aus. Mit dem Preis sollen Personen, Schulklassen oder andere Gruppen ausgezeichnet werden, die sich im Bewusstsein der deutschen Vergangenheit um das Gelingen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft, Nationalität, Kultur und Weltanschauung bemüht haben beziehungsweise bemühen.
Auf Bitten des Kulturausschusses der Stadt Koblenz hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft die Recherche, Koordination und Finanzierung des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ übernommen. Dabei werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Nazi-Opfer Messingplaketten verlegt, auf denen Name, Vorname, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person dokumentiert sind.
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