Hinweis

Hier kann man Berichte über Veranstaltungen und Ereignisse früherer Jahre lesen. Die Berichte über Veranstaltungen der zurückliegenden Monate finden sich auf der STARTSEITE.

 

Einführung des neuen Landesrabbiners am 5. Dezember 2021

Der Landesverband jüdischer Gemeinden Rheinland-Pfalz hatte am 5.12.2021 zur Einführung eines neuen Landesrabbiners eingeladen. Bisher gab es in Rheinland-Pfalz kein solches Amt. Von daher stellt die Einführung von Herrn David Schwezoff zum Landesrabbiner ein für das jüdische Leben in Rheinland-Pfalz bedeutsames Ereignis dar.
Zu der Einführungsfeier am Sonntag, 5.12.2021, 14 Uhr, in der Synagoge in Koblenz kamen zahlreiche eingeladene Gäste aus Politik, öffentlicher Verwaltung und Kirchen. In der jüdischen Allgemeine wurde ein Bericht dazu veröffentlicht (hier aufrufbar).
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Seminarreihe "Talmud und Bibel in jüdischer und christlicher Perspektive" bis zum 25.11.2021

Onlineveranstaltung in Kooperation mit dem evangelischen Erwachsenenbildungswerk

Der Talmud ist eines der wichtigsten Werke des Judentums, über das Christen in der Regel kaum etwas wissen. An drei Abenden sind die beiden Referenten - Oberrabbiner David Geballe, Jüdische Gemeinde Duisburg, und Landespfarrer Wolfgang Hüllstrung, Beauftragter der Evangelischen Kirche im Rheinland für das christlich-jüdische Gespräch und Vorsitzender der CJG - folgenden Fragen nachgegangen: Was ist der Talmud als literarisches Werk? Welchen Stellenwert hat er im Judentum in Geschichte und Gegenwart? Wie geht ein Rabbiner heute mit dem Talmud um? In welchem Verhältnis steht er zum Tanach, der hebräischen Bibel? Welche Rolle spielen die nachtalmudischen rabbinischen Kommentare? In welchem Verhältnis steht der Talmud zum Neuen Testament? Welches Bild von Jesus wird im Talmud vermittelt? Wie geht man heute im Christentum mit dem Talmud um?
Die Online-Seminarreihe bestand aus drei Einheiten: am 17.8.2021, 20.10.2021 und am 25.11.2021, jeweils 19:00 - 20.30 Uhr. Wer an der Zusendung der Arbeitsmaterialien, die Rabbiner Geballe und Pfarrer Hüllstrung erstellt haben, interessiert ist, kann sich gerne per Email melden unter: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Vortrag am 16.11.2021: Die Grundlage des Judentums. Religion oder Lebensweise?

Am 16.11.2021 fand ein Vortrag des 2. Vorsitzenden der CJG und 1. Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, Avadislav Avadiev, in deren Räumen statt. Es ging um das Fundament des jüdischen Glaubens, das in der Tora gelegt ist. Dabei wurden Fragen beantwortet wie: Warum nennt man Juden das Volk des Buches? Was bedeutet die Tora? Warum ist die Beschneidung sehr wichtig? Wie feiert man Shabbat, und welche Regeln gibt es? Warum haben jüdische Menschen einen eigenen Kalender, warum isst man am Pessachfest Mazzot, warum trägt man eine Kippa? Warum ist die Mindestzahl von zehn G‘ttesdienstbesuchern (Minjan) notwendig? Avadislav Avadiev führte auf anschauliche Weise in all diese Themen ein.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Pogromgedenken am 14.11.2021 um 15 Uhr

Traditionell findet am Sonntag nach dem 9. November im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz ein Pogromgedenken mit einer Ansprache und Musik sowie anschließender Kranzniederlegung auf dem jüdischen Friedhof durch den Oberbürgermeister der Stadt Koblenz statt. So auch in diesem Jahr. Das Ritual des Gedenkens gibt den Rahmen, und es schützt vor dem Vergessen. Das Ritual ermöglicht es, sich in dieser einen Stunde gemeinsam der Erinnerung an die Gräuel der NS-Zeit zu stellen, so sinngemäß Dr. Paul Petzel, Mitglied des erweiterten Vorstands der CJG. Pastoralreferentin i.R. Jutta Lehnert hielt die Ansprache mit Überlegungen zum Brüderkonflikt zwischen Jakob und Esau (Gen / 1. Mose / Bereschit 25). Musikalisch gestaltet wurde die Veranstaltung mit Eigenkompositionen des Gitarristen Jonas Becker.
In mancherlei Hinsicht wurden im Rahmen des Rituals diesmal besondere Akzente gesetzt. So war Landesrabbiner David Schwezoff zum ersten Mal dabei. Er las einen hebräischen Psalm, sprach das Friedensgebet und Gebete am Denkmal auf dem Friedhof.
Und es war eine Gruppe aus den USA im Raum: jüdische Menschen, zu Gast an der Mosel. Anhand ihrer Geschichte wurde leibhaftig erfahrbar, was „Naziterror, verübt an jüdischen Bürgerinnen und Bürgern unserer Region“ heißt. Alyse Lichtenstein, eine junge Frau, gebürtig in Boston, richtete stellvertretend für ihre Familie das Wort an die Anwesenden. Ihre Vorfahren hatten 1942, kurz vor Ihrer Deportation, christlichen Nachbarn ein wertvolles Tafelservice zur Aufbewahrung übergeben. Ihr Wunsch „Geben Sie es uns wieder, wenn wir zurückkommen!“ hatte sich nicht erfüllt. Sie kamen nicht zurück. Siegmund und Thekla Feiner, ihre Tochter Johanna und weitere Familienmitglieder wurden ermordet.
Achtzig Jahre hat es gedauert, bis es gelang, Nachfahren der Familie Feiner ausfindig zu machen und ihnen das Goldrandgeschirr in Kobern zu übergeben. Dass die CJG diesen „Heimatbesuch“ durch einen finanziellen Beitrag mit ermöglichen durfte, ist gut.
Mit einer kostenlos zugänglichen Konzertlesung "Ich hatte einst ein schönes Vaterland..." hatte die Stadt Koblenz am 30.10.2021 im Festjahr „1700 Jahre Judentum“ das Thema „Verlorene Heimat Deutschland“ aufgegriffen. Einen Scheck in namhafter Höhe aus dem Spendenvolumen im Rahmen dieser Veranstaltung überreichte die Koblenzer Kulturdezernentin, Dr. Margit Theis-Scholz, dem Vorsitzenden des Fördervereins Neue Synagoge für Koblenz e.V.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

Moderiertes Konzert „BEGEGNUNGEN. Shalom chaverim. Musik von jüdischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts“ am 23.10.2021

Am 23.10.2021 fand im Görreshaus in Koblenz ein Moderiertes Konzert „BEGEGNUNGEN. Shalom chaverim. Musik von jüdischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts“ statt. Das Trio David Arbeiter, Katharina Wimmer und Ingrid Wendel spiegelte die Entwicklung der Musik jüdischer Komponisten innerhalb dieser Zeit und spannte den Bogen von Ernest Bloch bis Paul Schönfield. Hier finden Sie das Programm.
Vor ausverkauftem Haus überzeugte das Trio mit einer gekonnten Programmauswahl und einer engagierten, frischen Darbietung. Die Begegnung mit Musik jüdischer Komponisten zauberte hier und da ein Lächeln auf die Gesichter von Besucherinnen und Besuchern.
Das Publikum – zu einem Viertel waren es Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz – dankte mit begeistertem Applaus. Als Geste des Dankes wurde den Mitgliedern des Trios je eine Flasche koscheren Weines überreicht.
Veranstalter waren die CJG und die Jüdische Kultusgemeinde Koblenz in Kooperation mit dem Staatsorchester Rheinische Philharmonie. Finanziell unterstützt wurde das Konzert durch die Evangelische Kirche im Rheinland.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Outdoor-Ausstellung „Zwischen Erfolg und Verfolgung – Jüdische Stars im deutschen Sport bis 1933 und danach“, 10.09. - 3.10.2021

Wir freuen uns sehr, dass es gelungen ist, die Wanderausstellung nach Koblenz zu holen.
Der Sportbund Rheinland e. V. kommentierte die Ausstellung vorab mit folgenden Worten: "Anlässlich '1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland' wird der Sportbund Rheinland gemeinsam mit der Stadt Koblenz und dem Zentrum deutsche Sportgeschichte Berlin-Brandenburg e.V. auf Anregung und mit tatkräftiger Unterstützung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e. V. Koblenz im September auf das vielfältige Leben jüdischer Sportler in Deutschland hinweisen.“
Die Eröffnung der Ausstellung fand am 9.09.2021 auf dem Koblenzer Clemensplatz inmitten der 17 lebensgroßen Stelen statt. Grußworte sprachen Monika Sauer, Präsidentin des Sportbunds Rheinland e. V., die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs und Walter Desch, Präsident des Fußballverbandes Rheinland und Vertreter der DFB-Kulturstiftung. Anschließend führte der Kurator der Ausstellung, Prof. Dr. Lorenz Pfeiffer, Universität Hannover, in die Ausstellung ein und stellte die beeindruckenden Lebensläufe der portraitierten Sportler und Sportlerinnen vor.
Die zweisprachige Open-Air-Ausstellung (deutsch / englisch) fand auf dem Clemensplatz, in unmittelbarer Nähe zum Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz auf dem Reichenspergerplatz, einen angemessenen, zentral gelegenen Ort. Auch Touristinnen und Touristen, die das Schloss und das Deutsche Eck besuchten, konnten sich en passant auf die Ausstellung einlassen.
Nähere Informationen zur Geschichte von jüdischen Athleten und Athletinnen im deutschen Sport gibt es in einer Online-Ausstellung, siehe www.juedische-sportstars.de
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Mitgliederversammlung am 30.09.2021

Die diesjährige Mitgliederversammlung fand am 30.09.2021 im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz unter Leitung von Prof. Dr. Alban Rüttenauer statt.
Nach dem Tätigkeitsbericht über das (Pandemie-)Jahr 2020 durch den Versammlungsleiter trug die Geschäftsführerin, Dr. Wilma Rademacher-Braick, den Kassenbericht vor. Sie dankte allen Spenderinnen und Spendern.
Der Kassenprüfer, Egbert Wisser, hatte verhinderungsbedingt der Geschäftsführerin vorab schriftlich eine ordnungsgemäße Kassenführung bescheinigt. Er empfahl deren Entlastung und in einem weiteren Schritt die des ganzen Vorstandes. Die Entlastung wurde jeweils erteilt.
Dr. Wilma Rademacher-Braick wurde erneut zur Geschäftsführerin gewählt. Anwesende dankten ihr für die bisher geleistete Arbeit für die CJG, aktuell auch für das besondere Engagement im Zusammenhang mit der gerade abgeschlossenen Festwoche zu Sukkot.
Claudia Wickert, 2020 zur kommissarischen Kassenprüferin ernannt, hatte mitgeteilt, dass sie der Aufgabe nicht weiter nachkommen könne und sich deshalb nicht zur Wahl stelle. Der Versammlungsleiter dankte ihr für die Unterstützung von Herrn Wisser. Professor Friedrich W. Seibel hat sich vorab bereit erklärt, (einmalig) bei der Kassenprüfung über 2021 mitzuwirken. – Die Nachwahl Kassenprüfer/in wurde auf die nächste Versammlung verschoben.
Danach gab der Versammlungsleiter einen Ausblick auf die nächsten Monate. Es schloss sich eine intensive Aussprache darüber an, welchen Aufgaben man sich in der nächsten Zeit stellen sollte. Gewünscht sind mehr Begegnungsformate. Der Vorstand wurde auch gebeten, dafür Sorge zu tragen, dass die Gesellschaft baldmöglichst einen gendergerechten Namen bekommt.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

SUKKOT / Laubhüttenfest vom 20. - 27.09.2021 in den Räumen der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz

Die hiesige Jüdische Kultusgemeinde wollte in der Zeit vom 20. - 27. September mit tatkräftiger Unterstützung der CJG im Rahmen der bundesweiten Festwoche SUKKOT XXL ("1700 Jahre jüdisches Leben nördlich der Alpen") auf der Wiese in der Weißer Gasse täglich mit einem Programm präsent sein. Einen besseren Ort in Koblenz für die Festwoche als die Wiese hätte es nicht geben können. An diesem Ort wird die neue Synagoge gebaut werden. Es wäre ein Zeichen gewesen: Die Jüdische Kultusgemeinde ist sichtbarer Teil der Koblenzer Bürgerschaft und mit Freunden und Unterstützerinnen an ihrem künftigen Ort angekommen.
Aber die Wiese bot, da ohne Infrastruktur, jede Menge unerwarteter und von einem gewissen Punkt an nicht mehr meisterbarer Herausforderungen. Deshalb wurden die Feierlichkeiten zu Sukkot in die Räumlichkeiten der Jüdischen Kultusgemeinde und deren Sukka verlegt. Das Programm finden Sie HIER >>> 
Die Ortsverlegung erschien anfangs wie eine unliebsame Notlösung. Nach und nach aber wurde deutlich, dass sie auch Ihre Vorteile hatte. Besucherinnen und Besucher erlebten Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde in ihren Räumen. Sie genossen in besonderer Weise deren Gastfreundlichkeit und wurden im Nachgang zur feierlichen Eröffnung, zu Vorträgen, Konzerten und moderierten Fragestunden mit einem koscheren Imbiss und koscherem Wein oder anderen Getränken bewirtet. Selten habe, so die Reaktion von Gästen, eine so offene Möglichkeit bestanden, Fragen jeder Art zu stellen und ins Gespräch zu kommen. Landesrabbiner David Schwezoff und der Vorsitzende der Kultusgemeinde, Avadislav Avadiev, standen auch nach den Veranstaltungen nahezu durchgehend für Fragen zur Verfügung.
Als ein Beispiel für besonders bewegende Momente sei die spontane Einladung der Gäste zur Hawdala-Zeremonie, zur Trennung des Shabbat von den Arbeitstagen der Woche, genannt. Alle durften den Eindruck des Anzündens der Hawdala-Kerze und der Segenssprüche sowie den Wohlgeruch der Kräuter aus der Besamimbüchse mit nach Hause nehmen. Augen leuchteten.
Gegen Ende der Festwoche zog der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde ein Resümee: „Wir werden keine 1700 Jahre warten, bis wir noch einmal ein solches Fest veranstalten.“ Dem ist seitens der CJG nichts hinzuzufügen.
Die Festwoche wurde im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" durch die Partnerschaft für Demokratie Koblenz und das Kultur- und Schulverwaltungsamt Koblenz finanziell unterstützt sowie durch Sachleistungen von „321–2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland e.V.“.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Vortrag am 14.9.2021; "Das jüdische Koblenz – Was wir über das jüdische Leben zwischen Rhein und Mosel nicht wissen"

Einen Vortrag mit dieser Überschrift hielt Dr. Ittai Joseph Tamari, seit 16 Jahren Leiter des Zentralarchivs zur Erforschung der Geschichte der Juden in Deutschland, am 14. 09.2021 im Bundesarchiv Koblenz. Just am Vormittag dieses Tages hatte das Zentralarchiv in Heidelberg seinen Umzug vom Jahresbeginn in neue Räume gefeiert.
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, dem Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikva e.V., der CJG und dem Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e. V. statt. Der erste öffentliche Vortrag im Bundesarchiv unter Pandemiebedingungen im Jahr 2021 war sehr gut nachgefragt.
Dr. Tamari schlug zu Beginn seines Vortrags den Bogen zum Umzug des Zentralarchivs und erklärte zur Freude der Zuhörerschaft, man baue keine neuen Archivräume, wenn man wieder gehen wolle. Vielmehr formuliere man die Botschaft: Wir sind da, und wir werden hier eine Geschichte haben.
Schnell machte Dr. Tamari deutlich, dass er die Überschrift seines Vortrags mit Bedacht gewählt hatte. Er werde, führte er aus, über eine Lücke sprechen, die es noch zu füllen gelte. Wie fesselnd und bisweilen vergnüglich er das zu tun verstand! Wer erwartet hatte, ausschließlich akribisch zusammengetragene Daten mitschreiben zu können, ging mit einigen wenigen Notizen nach Hause. Alle aber, die sich auf eine Erzählung über Momente jüdischen Lebens in Koblenz seit Beginn des 12. Jahrhunderts einließen, gerieten in den Bann des Referenten.
Bekannte jüdische Gelehrte und Rabbiner, die es nachweislich in Koblenz gegeben habe, hätten, so Dr. Tamari, immer wieder Schüler zum Lernen, zum Gespräch und zum Fragen um sich versammelt. Koblenz sei einer der Orte mit Ausstrahlungs- und Anziehungskraft gewesen, in dem jüdische Menschen in die „Magie des Lernens“ hineingenommen worden seien und von wo aus sie weitergezogen seien. Dass Koblenz jahrhundertelang ein Ort jüdischer Gelehrsamkeit gewesen sei, werde man, so Dr. Tamari, als Ergebnis noch zu tätigender Forschung eines Tages deutlicher als heute belegen können.
Nachträgliche Anmerkung: Bereits Ende September 2021 ist eine Veröffentlichung über die Geschichte der Juden in Koblenz auf der Homepage des Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. erschienen. Der Titel der Ausarbeitung von Joachim Hennig lautet: „Von der ‚Universitas Iudeorum in Confluencia‘ zu Körperschaften des öffentlichen Rechts – Geschichte der Juden in Koblenz“, https://www.mahnmal-koblenz.de/index.php/infos/informationen-von-2021/1044-endlich-da-viele-wichtige-informationen-zur-geschichte-der-juden-in-koblenz
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Bericht vom Konzert am 11.7.2021

Am 11.07.2021, 15-18 Uhr, fand ein Openair-Konzert auf dem Florinsmarkt "Hava Nagila - Lasst uns glücklich sein".mit Musik aus jüdischer und christlicher Tradition statt, mit dem die Reihe der (präsenten) Veranstaltungen zum Festjahr 2021 "Jüdisches Leben in Deutschland" in Koblenz eröffnet wurden. Musiker/innen und Sänger/innen aus Koblenz und das Ensemble Kol Colé aus Köln gestalteten gemeinsam ein Konzert mit Werken aus Klassik, Sakralmusik, Spirituals, Klezmer und jiddischen Liedern. Das ausgebuchte Konzert wurde in Kooperation mit der jüdischen Kultusgemeinde und der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Mitte durchgeführt. Das Programm mit den vorgetragenen Stücken kann man hier einsehen. Die bemerkenswerte Rede, die Rabbiner Schwezoff auf Englisch gehalten hat, kann man hier in deutscher Übersetzung nachlesen.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Jüdische Feste und Bräuche, Vortrag vom 01.07.2021

Am 1.07.2021 gab es einen Vortrag des 2. Vorsitzenden der CJG und Vorsitzenden der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, Avadislav Avadiev. Einige jüdische Feste und Bräuche muten bekannt an, trug er vor: Pessach, Neujahrsfest, Kerzen in der dunklen Jahreszeit an Chanukka ... Aber kennen Sie auch Jom Kippur – einen Tag in Stille, Gedanken und voller Gebete, das jüdische Laubhüttenfest Sukkot oder Purim, ein sehr ausgelassenes Fest?
Der kurzweilige Vortrag fand in den Räumen der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz statt.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

50-jähriges Jubiläum der CJG

Unsere Gesellschaft wurde am 15. April 1971 gegründet, sie besteht 2021 also seit einem halben Jahrhundert.

Welch eine lange Zeit!

Die Wiege der Gesellschaft war die ökumenische Bildungs- und Begegnungsstätte Hedwig-Dransfeld-Haus in Bendorf. Die aus Kontakten zum Leo-Baeck-College in London entstandene jüdisch-christliche Bibelwoche und die aus dem Kontakt zur Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz hervorgegangene christlich-jüdische Arbeitsgemeinschaft im mittelrheinischen Raum führten am 15. April 1971 zu dem offiziellen Beschluss, eine solche Gesellschaft für Koblenz zu gründen. Noch im Mai desselben Jahres erfolgte die Aufnahme in den Deutschen Koordinierungsrat.

Wir wollten dieses besondere Jubiläum punktgenau am 15. April 2021 im Historischen Rathaussaal feiern. Elmar Ries, langjähriger Vorsitzender der CJG, hätte sich darüber gefreut, seinen Festvortrag vor einem großen Publikum halten zu können, mit uns gute Musik zu genießen sowie Grußworten aus Stadt und Land zu lauschen.

Beim anschließenden Empfang wäre man ins Gespräch gekommen und hätte sich über alte Zeiten und neue Vorhaben ausgetauscht. Wie war das damals? Manches ging 1971 schneller als heute. So wundert man sich über einen wie selbstverständlich klingenden Satz im Gründungsprotokoll vom 15. April: Drei der acht Gründungsmitglieder werden beauftragt, „zum 21. ds. Js. eine Satzung des Vereins zu erarbeiten und zur Unterschrift vorzulegen.“ Heute würde das geringfügig länger als sechs Tage dauern. Andere Zeiten, andere Abläufe!

Da wir unter Pandemiebedingungen das Jubiläum nicht so feiern könnten, wie es angemessen wäre, hat der Vorstand beschlossen, auf eine Feier zu verzichten.

(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Feier zur Woche der Brüderlichkeit am 14.3.2021

Viele Veranstaltungen mussten pandemiebedingt abgesagt oder in abgeschwächter Form durchgeführt werden. Auch die Veranstaltung zur Woche der Brüderlichkeit in Koblenz haben wir schweren Herzens aufzugeben beschlossen, ehe wir etwas anbieten, an dem nur ein sehr eingeschränkter Kreis von Personen teilnehmen kann.
Die bundesweite Eröffnungsfeier zur "Woche der Brüderlichkeit" am 7.3.2021 in Stuttgart mit Verleihung der Buber-Rosenzweig-Medaille fand ohne Publikum statt. Die Aufzeichnung von dieser Feier durch das SWR Fernsehen findet sich hier >>>

Das Leitthema der Woche der Brüderlichkeit lautet „… zu Eurem Gedächtnis: Visual History“. Erinnern und Gedenken spielen mit unterschiedlichen Akzenten sowohl im Judentum als auch im Christentum eine entscheidende Rolle. Beides sollte heute auch besonders in seiner gesamtgesellschaftlichen Bedeutung wahrgenommen werden.
Die Buber-Rosenzweig Medaille geht in diesem Jahr an Christian Stückl für seine Neubearbeitung der Oberammergauer Passionsspiele, die er im Lauf der Zeit immer mehr von antisemitischen Anspielungen gereinigt hat.
(Der Vorstand)

 

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2021

Am 27. Januar konnten in diesem Jahr pandemiebedingt keine Veranstaltungen vor Ort abgehalten werden, weder am Mahnmal auf dem Reichensperger Platz noch in der Citykirche. Doch heißt das nicht, dass der Tag achtlos vorüberging. Es gab virtuelle Veranstaltungsformate.
Bei der Gedenkveranstaltung des Landtags Rheinland-Pfalz schlug dessen Präsident, Hendrik Hering in der Eingangsrunde eine Arbeitsgruppe des Landtags vor. Sie werde sich mit der Frage beschäftigen, wie die Erinnerungskultur weiterentwickelt werden könnte angesichts dessen, dass bald keine Zeitzeugen mehr unter uns sein werden. Diese Frage stellt sich auch hinsichtlich des Heimatbesuchs ehemaliger jüdischer Bürgerinnen und Bürger aus Koblenz und der Umgebung.
Die Stadt Koblenz hatte einen Filmbeitrag erarbeitet, der weiter verfügbar ist. Oberbürgermeister David Langner forderte nachdrücklich dazu auf, sich bewusst zu machen, was in der NS-Zeit an Grauenhaftem geschah und was im Vorfeld dazu geführt habe: „Irgendwann fängt es an“. Der Vorsitzende des Mahnmalvereins, Dr. Jürgen Schumacher, ging wie die Kulturdezernentin, Dr. Margit Theis-Scholz, auf jüdische Opfer aus dem Stadtgebiet Koblenz ein. Diese Menschen lebten „nicht an fernen Orten, sondern in unserer Stadt.“ Exemplarisch erzählte Dr. Schumacher von der Familie Schönewald aus der Bahnhofsstraße. Die drei Kinder gehörten zu den ganz wenigen der 600 jüdischen Bürgern und Bürgerinnen aus Koblenz, die überlebten; ihre Mutter, Berta Schönewald, wurde 1942 ermordet. Eindringlich sprach Dr. Schumacher die Hoffnung aus, dass das Wissen um die Vergangenheit zur Besonnenheit führen möge: „Der Zivilisationsprozeß ist nicht unumkehrbar.“ - Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde von zwei Mitgliedern der Familie Reinhardt.
Bei Einbruch der Dunkelheit brachten Vorstandsmitglieder des Mahnmalvereins stellvertretend für alle, die aufgrund der Beschränkungen nicht vor Ort sein durften, Personentafeln und Rosen am Mahnmal an und entzündeten Lichter. Bilder davon wurden bei der bundesweiten Aktion https://www.lichter-gegen-dunkelheit.de/ eingestellt.
Die Arbeitsgemeinschaft Frieden Trier hatte anlässlich des 27. Januar 2021 einen kleinen Film vorbereitet. Vorgestellt werden Dr. Heinz Kahn (langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz) sowie die Schwestern Erna, Hilda und Maria Reinhardt, https://vimeo.com/elenovela/agftrier
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Online-Veranstaltung vom 18.01.2021: Judentum verstehen: Die Feier des Schabbat und die schöpferische Ruhe

Der Schabbat ist für religiöse Juden der wöchentliche Ruhetag, reich an jahrtausendealter Tradition und – bei allen Regeln - geprägt von Lebensfreude. Er verschafft Mensch und Schöpfung eine bewusste Pause. Einen anschaulichen Einblick in das, was der Schabbat als Kraftquelle sein soll und kann, vermittelte ein Abend mit Arie Rosen und Yedidia Toledano.
Arie Rosen, als Sohn von Lea Fleischmann in Deutschland geboren und aufgewachsen, wanderte vor 35 Jahren nach Israel aus und ist heute in der Bildungsarbeit, auch interkulturell, tätig. Yedidia Toledano, ein chassidischer Musiklehrer, ergänzte den Vortrag gekonnt durch Lieder zum Schabbat. Beide waren online aus Jerusalem zugeschaltet.
Die über 50 Zuhörerinnen und Zuhörer bekamen durch eine interaktiv gestaltete Umfrage die Gelegenheit, sich selbst mit der Frage auseinanderzusetzen, was für sie einen wöchentlichen Feiertag ausmacht, sei es der Schabbat oder der Sonntag. Gibt es (abgesehen von Pandemiezeiten) noch folgende Merkmale: besondere Kleidung, Gottesdienstbesuch, festliches Essen mit der Familie und mit Freunden?
Die Veranstaltung stellte als Kooperation des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz, der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und des Evangelischen Erwachsenenbildungswerks Rheinland-Süd. E. V. eine gelungene Premiere dar. Unsere Gesellschaft war mit etlichen Teilnehmenden sichtbar vertreten.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Nachruf auf Hans-Peter Kreutz

Die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit e. V. Koblenz trauert um Hans-Peter Kreutz, der am 17.12.2020 völlig überraschend verstorben ist. Mit Hans-Peter Kreutz haben wir einen Menschen verloren, der die Arbeit unserer Gesellschaft stets unterstützend und engagiert begleitet hat. Lange Jahre war er als Geschäftsführer tätig. Bis heute hat er die Stolperstein-Verlegungen für Koblenz und Umgebung organisiert und koordiniert. Und auch in anderen Bereichen des kulturellen Lebens unserer Stadt hat er sich durch sein tatkräftiges Engagement verdient gemacht.

In Dankbarkeit gedenken wir seiner - und trauern mit Familie Kreutz.

(Wolfgang Hüllstrung)

 

Pogromnacht-Gedenken am 9. November 2020

Das diesjährige Pogromnacht-Gedenken fand am 9. November 2020, 18 Uhr, statt. Aufgrund der Corona-Pandemie konnte in diesem Jahr keine längere Gedenkveranstaltung im Gemeindesaal der Synagoge begangen werden. Deshalb gabe es von 18.00-18.30 Uhr ein gemeinsames Gedenken am Platz vor dem Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof an der Schwerzstraße. Nicht nur Mitglieder der christlich-jüdischen Gesellschaft und der jüdischen Kultusgemeinde haben teilgenommen. Auch viele Personen aus dem öffentlichen Leben (Politik, Kirchen, Gerichte, Polizei) sind der Einladung gefolgt.

Gesprochen haben Oberbürgermeister Langner, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde, Avadislav Avadiev, sowie der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Pfarrer Hüllstrung. Der Vorbeter der Gemeinde hat aus der hebräischen Liturgie einige Gebete rezitiert. Außerdem hat der Oberbürgermeister einen Kranz am Mahnmal verlegt.

(Wolfgang Hüllstrung)

 

Vortragsreihe zum Judentum ab 3. November 2020

Am 3.11.2021 um 18 Uhr beginnt eine Vortragsreihe in der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz (Schwerzstraße 14) zu vier Themenbereichen:

  • "Die Grundlage des Judentums: Religion oder Lebensweise?"
  • "Jüdischer Gottesdienst – ungewohnt und vertraut"
  • "Jüdische Feiertage"
  • "Familien im Judentum"

Gehalten werden die Vorträge von Avadislav Avadiev, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz wie auch des Landesverbands der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz.

Die weiteren Termine der Vorträge sind: 4.12.2020, 16.30 Uhr, 27.4.2021, 18 Uhr, und 8.6.2021, 16.30 Uhr.

Nähere Informationen erhält man bei der Katholischen Familienbildungsstätte Koblenz e. V. (www.fbs-koblenz.de), wo man sich auch anmelden kann.

(Wolfgang Hüllstrung)

 

Heimatbesuch 2020 musste abgesagt werden

Wegen der Auflagen für persönliche Kontakte und Reise-Beschränkungen sah sich der Vorstand leider gezwungen, den Heimatbesuch 2020 abzusagen. Seit Bestehen unserer Gesellschaft ist dies nun das zweite Mal, dass der Heimatbesuch ausfällt. Deshalb hat sich der Vorstand diese Entscheidung keinesfalls leicht gemacht. Im nächsten Jahr soll der Heimatbesuch aber auf jeden Fall wieder stattfinden. Als Termin ist dafür festgelegt worden: 4.-11. Juli 2021.

(Wolfgang Hüllstrung)

 

Vortrag im Rahmen der Reihe "Große jüdische Denker/innen" über Hannah Arendt am 23. März 2020

!! VERANSTALTUNG WURDE WEGEN DER CORONA-PANDEMIE ABGESAGT !!    Der vierte Vortrag im Rahmen der Reihe "Große jüdische Denker/innen" wird der in Hannover geborenen Philosophin und politischen Theoretikerin Hannah Arendt gewidmet sein. Der Philosoph Dr. Martin Braun, Lehrer am Koblenz-Kolleg und Lehrbeauftragter der Universität Koblenz, wird Leben und Werk Arendts vorstellen.
Zeit/Ort: Montag, 23.03.2020, 19 Uhr, im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde Kob­lenz, Schwerzstraße 14

 

Christlich-Jüdische Feier zur Woche der Brüderlichkeit am 15. März 2020

!! VERANSTALTUNG WURDE WEGEN DER CORONA-PANDEMIE ABGESAGT !!    Anlässlich der Woche der Brüderlichkeit laden wir zur einer jüdisch-christlichen Gemeinschaftsfeier in die Koblenzer Synagoge ein. Das Jahresthema 2020 zur Woche der Brüderlichkeit lautet: "Tu deinen Mund auf für die Anderen". Die Ansprache wird der Beauftragte für Christlich-Jüdischen Dialog des Kirchenkreises Koblenz, Pfarrer Michael Schnankweiler-Schell, Oberwinter, halten. Die musikalische Gestaltung liegt in Händen des Klarinettenduos Muriel Backmeyer / Charlotte Dohr. Zeit/Ort: Sonntag, 15.03.2020, 15 Uhr, in der Synagoge der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, Schwerzstraße 14.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Mitgliederversammlung und Lesung am 10. Februar 2020

Am 10. Februar 2020 fand im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde die diesjährige Mitgliederversammlung statt. Ein wichtiger Tagesordnungspunkt war die Vorstandswahl, konkret die für den 1. und 2. Vorsitz sowie für die Position der Beisitzer/innen. Die bisherigen Vorstandsmitglieder stellten sich erneut zur Wahl. Alle vier (Wolfgang Hüllstrung, Avadislav Avadiev, JProf. Dr. Alban Rüttenauer und Dr. Christoph Simonis) wurden erneut gewählt. So kann das bewährte Team unter dem Vorsitz von Wolfgang Hüllstrung die Arbeit gemeinsam mit der Geschäftsführerin, Dr. Wilma Rademacher-Braick, fortsetzen.
Aus dem erweiterten Vorstand schied Hans-Werner Schlenzig aus. Der 1. Vorsitzende, Wolfgang Hüllstrung, dankte ihm für seine langjährige tatkräftige Mitarbeit. Von 2008-2014 fungierte Hans-Werner Schlenzig als Vorsitzender des Vereins. Neues Mitglied im erweiterten Vorstand ist Frau Marina Kashdan vom Vorstand der jüdischen Kultusgemeinde.
Der 2. Vorsitzende, Avadislav Avadiev, dankte in seinem Rückblick auf 2019, das Jahr von Halle, für alle Zeichen der Solidarität der Christlich-Jüdischen Gesellschaft mit der Jüdischen Kultusgemeinde. Ohne solche Zeichen, so Avadiev, sei mit der Traurigkeit nach Halle hier nicht zu leben.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung lauschte man der Lesung von "Tiergeschichten von Scholem Alejchem", meisterhaft aus dem Jiddischen übersetzt und vorgetragen von Pfarrer i. R. Gernot Jonas, Andernach. Die Zuhörenden tauchten, geführt durch Gernot Jonas‘ Stimme, ein in Geschichten um Tiere: zumeist geschundene bzw. vom Menschen ums Leben gebrachte und als Lebensmittel genutzte Kreaturen. Wäre da nicht die Musik von Emanuel und Renata Horn, Andernach (Violine / Klavier) gewesen, die Gedanken hätten sich nicht lösen können von den vor Augen geführten Tieren, Mitgeschöpfen aus der für immer verlorenen Welt des ostjüdischen Schtetls.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick / Wolfgang Hüllstrung)

 

Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2020

Am Montag, 27.1.2020, beginnt um 17.30 Uhr am Mahnmal am Reichensperger Platz die Gedenkstunde, die um 18 Uhr in der City-Kirche am Jesuitenplatz fortgesetzt wird. Begleitend ist in der Citykirche die von der Bundeszentrale für politische Bildung erarbeitete Ausstellung des Fotografen Mark Mühlhaus "Im Schatten von Ausschwitz - Vor 75 Jahren Die Befreiung des KZ Ausschwitz" zu sehen (siehe Fotos von der Ausstellung hier). Die Ausstellung wird am 23.1.2020, 19 Uhr, in der Citykirche eröffnet und von dem stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins Mahnmal Koblenz, Joachim Hennig, vorgestellt. Am 26.1.2020, 11 Uhr, wird eingeladen zu einer Vortragsveranstaltung im Historischen Rathaussaal am Jesuitenplatz mit Dr. Andrej Angrick (Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur). Titel des Vortrags: "Aktion 1005 - Spurenbeseitigung von NS-Massenverbrechen 1942-1945.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Begegnungsnachmittag am 17.11.2019 / Auftakt zum Zeitzeugenprojekt

Welch eine gelöste Stimmung im Gemeindesaal der Koblenzer Jüdischen Kultusgemeinde! Die Musikgruppe „Besseder“ und Gesangssolisten aus der Gemeinde traten an gegen Dauerregen und Novembergrau. Mit russischer Folklore und jiddischen Liedern sorgten sie für wippende Füße und immer wieder einsetzenden Zwischenapplaus. Sie boten, ohne dass es ausgesprochen werden musste, auch einen Kontrast zu dem, was an zum Teil unvorstellbar harten Schicksalen von Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde im Raum war: „Wir leben, wir sind hier“, war die Botschaft der Musik. Eine Mut machende Botschaft und eine, die einstimmte auf ein Projekt, für das es Mut braucht, ging es doch bei diesem Begegnungsnachmittag auch um den Auftakt zu einem Zeitzeugenprojekt.
Es steht unter dem Motto "Ihr habt die Erfahrung gemacht, nicht eure Kinder! ... Du sollst sie deinen Kindern wiederholen" (Dewarim/ 5. Mose/ Deuteronomium 11,2; 6,7). Mit den Mitgliedern der Jüdischen Gemeinde sind Lebenserfahrungen und -geschichten ganz besonderer Art in Koblenz angekommen. Mit ihnen sind nicht selten schlimme Erinnerungen verbunden, über die zu sprechen nicht leicht ist bzw. für die ob ihrer Schwere bisher die Worte fehlen.
An diesem Nachmittag und nicht zuletzt in der Begegnung mit einer Studentin der Hochschule Koblenz, welche die Projektvorstellung von Paul Petzel ins Russische übersetzte und als Person ausstrahlte, dass sie behutsam mit dem umgehen werde, was man ihr anvertrauen würde, haben sich einige Mitglieder der Gemeinde am Sonntag bereit erklärt, ihre Lebenserinnerungen zu erzählen oder aufzuschreiben.
Das macht den Initiatorinnen und Initiatoren des Projekts aus der Hochschule Koblenz, der Jüdischen Gemeinde und der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Mut, das Projekt zu wagen. Ein Anfang ist gemacht. Ziel ist es, Lebenserinnerungen in einer Publikation, vielleicht auch in einer Ausstellung für künftige Zeiten zu sichern und für Bildungskontexte aufzubereiten.
Das rheinland-pfälzische Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur hat die Veranstaltung freundlicherweise unterstützt.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Resolution gegen Antisemitismus des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz

Auf der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz am 16.11.2019 wurde einstimmig beschlossen, eine Resolution gegen Antisemitismus und judenfeindliche Angriffe zu veröffentlichen und diese in allen Gottesdiensten des Kirchenkreises am Buß- und Bettag (Mittwoch, 20. November) abzukündigen sowie sie der Öffentlichkeit kundzutun. In der Resolution werden vier konkrete Ziele genannt:
"1. Wir fordern unsere Gemeinden auf, allen Formen von antisemitischen Taten und Äußerungen in und außerhalb der eigenen Reihen entgegenzutreten. Wir erinnern auch an die in der Verfassung gewährleistete ungestörte Religionsausübung (Art. 4 Grundgesetz) und appellieren an die verantwortlichen Stellen, jüdische Begegnungsstätten zu sichern.
2. Wir fordern unsere Bildungseinrichtungen und politisch Verantwortliche auf, auf die Zunahme von Antisemitismus und Judenfeindschaft mit verstärkter Bildung – und Präventionsmaßnahmen zu antworten. In den Schulen, in Gruppen und Kreisen unserer Gemeinden, darf es kein Verdrängen oder Verharmlosen antisemitischer Vorfälle geben.
3. Wir ermutigen dazu, geeignete Zeichen der Solidarität und der Pflege guter Beziehungen zu jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn zu setzen.
4. Wir wollen uns stärker dafür einsetzen, dass die Mitglieder der jüdischen Gemeinschaften unsere Kirchengemeinden als Orte von spürbarer Solidarität erfahren, in denen ihnen Christinnen und Christen mit Respekt und Anerkennung begegnen."
(weitere Informationen und den vollständigen Text der Resolution finden Sie unter https://www.kirchenkreis-koblenz.de/aktuelles-detailansicht/resolution-gegen-antisemitismus-und-judenfeindliche-angriffe.html)

 

Gedenkfeier anlässlich 81 Jahre Pogromnacht

Am Sonntag, dem 10 November 2019, fand um 15 Uhr im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde in Koblenz eine gut besuchte Christlich-Jüdische Gedenkstunde zur Pogromnacht des Jahres 1938 statt. Als letzte Koblenzer Zeitzeugin der Shoa war Frau Inge Kahn zugegen.
Der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde und 2. Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Avadislav Avadiev, begrüßte als einen der Ehrengäste Herrn Staatsminister Roger Lewentz, welcher der Einladung der Jüdischen Gemeinde gefolgt war. Dieser und Oberbürgermeister David Langner versicherten als politische Entscheidungsträger die Kultusgemeinde ihrer Solidarität.
Die Ansprache hielt Pfarrerin Dr. Anja A. Diesel, Leiterin des Schulreferats des evangelischen Kirchenkreises Koblenz. Sie legte den Schwerpunkt auf den Umgang mit dem Wort und den Inhalt „des Wortes“ in jüdisch-christlicher Tradition. Dass im Vorfeld und während der nationalsozialistischen Zeit Menschen zunächst in der Sprache und durch die Sprache entmenschlicht wurden, bevor Taten folgten, zeige, so Frau Diesel, wie wichtig es sei, auf die eigenen Worte und die anderer zu achten. Theologisch fundiert, verfolgte Frau Diesel anhand von Psalm 78,1-7 die Spur, wie sich im Wort Erinnerung und Zukunftsausrichtung verbinden.
Die liturgische Gestaltung der Gedenkstunde lag in Händen des Gabbai der Jüdischen Kultusgemeinde, Avraam Abayev. Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von dem Instrumentalduo Elena Salzwedel (Violine) und Karl-Heinz Lindemann (Klavier). Sie griffen mit „Liedern ohne Worte“ virtuos den roten Faden der Ansprache auf.
Durch die Gedenkstunde wurde die Erinnerung an jene Ereignisse von 1938 wach gehalten und die Verbundenheit zwischen Juden und Christen sowie auch die mit Muslimen, ja zwischen allen Gruppierungen und Milieus der Koblenzer Stadtgesellschaft bestärkt.
Im Anschluss an die Feier legte Oberbürgermeister David Langner einen Kranz auf dem Jüdischen Friedhof nieder. Gerne folgten anschließend zahlreiche Gäste der Einladung der Kultusgemeinde zu einem Imbiss und zu Gesprächen.
Einen Bericht des SWR können Sie hier aufrufen.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Vortrag über Martin Buber am 23. September im Rahmen der Vortragsreihe "Große Jüdische Denker"

Der Name „Martin Buber“ hat eine große Strahlkraft, Und so kamen am 23. September 2019 viele Interessierte zu einem Vortrag über den jüdischen Religionsphilosophen in den Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde. In Prof. Dr. Christian Wiese, Inhaber der Martin-Buber-Professur an der Universität Frankfurt, fanden sie einen souveränen, gefragten Kenner Bubers. Am Tag zuvor war er noch Festredner beim 30jährigen Jubiläum der Buber-Rosenzweig-Stiftung.
Der Titel des Vortrags lautete: "Biblischer Humanismus in dunkler Zeit: Martin Bubers Denken während der Zeit des Nationalsozialismus". Wiese führte in die Biographie und zentrale Aspekte des Denkens Bubers ein. Der Schwerpunkt des Vortrags lag dabei auf dessen Deutung des Judentums und der jüdisch-christlichen Beziehungen während der Zeit des Nationalsozialismus, in welcher der Philosoph der Inhumanität der Nazi-Ideologie seine Vision einer biblisch begründeten Humanität entgegenhielt. Dabei kamen insbesondere Bubers Bibelkommentare, die „Verdeutschung der Schrift“ und seine Vision eines Dialogs in wechselseitiger Achtung vor dem Andersseins des Anderen zur Sprache.
Mit kundig ausgewählten Zitaten aus dem Werk Bubers veranschaulichte Wiese dessen tiefe, poetische Sprache und seinen Denk-Kosmos. Er stellte Ansätze vor, die uns heute noch auf Anhieb überzeugen: So wünscht er sich für den Dialog zwischen Juden und Christen Partner, die in der „Gewissheit der Gültigkeit des eigenen“ und der „Achtung vor der Wahrheit des fremden, dem eigenen widersprechenden Glaubensgeheimnisses“ offen miteinander reden.
Bubers Gewissheit, dass trotz Ausschwitz ein Leben mit Gott möglich bleibt, speise sich, so Wiese, allem aktuellen Leiden zum Trotz aus der Vergegenwärtigung der Erfahrung von Hiob: „wir rechnen auch jetzt, auch wir noch, mit Gott“.
Nach der Begegnung mit einem der Großen der Religionsphilosophie fiel es fast schwer, einen Abstand zum Gehörten, dem in sich schlüssig Scheinenden, zu finden. Es bedurfte schon eines profunden fachwissenschaftlichen Wissens, um anmerken zu können, dass Buber bedauerlicherweise ohne die Integration der rabbinischen Tradition auskomme und seine Vision eines Kulturzionismus durchaus kritisch zu hinterfragen sei.
Für alle war und bleibt es ein ausgesprochen gelungener Vortrags- und Diskussionsabend, ein 'Highlight' unserer bisherigen Vortragsreihe.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick / Wolfgang Hüllstrung)

 

35. Heimatbesuch früherer jüdischer Bürge/innen aus Koblenz und Umgebung

Auf Einladung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. Koblenz waren vom 1. – 8. September 2019 frühere jüdische Bürgerinnen und Bürger aus Koblenz und Umgebung sowie ihrer Nachkommen zum 35. Mal in Koblenz. Neun Gäste – meist hoch betagt –, die meisten aus Israel und aus den USA, konnten am Sonntag begrüßt werden.
Der Montag beginnt traditionell mit einer Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof, auf dem viele ihrer Angehörigen bestattet sind. Im Anschluss daran trifft man sich bei Kaffee und Gebäck im Gemeindesaal zum Gedankenaustausch. Wie in den vergangenen Jahren erfreute Lea Sassoon, heute Tel Aviv, die Teilnehmer mit einem Lichtbildervortrag. Wegen des 100jährigen Jubiläums des Bauhauses hieß das Thema „Bauhaus Tel Aviv“. Viele jüdische Lehrer und Schüler des Bauhauses in Deutschland waren in der Zeit des Nationalsozialismus nicht geduldet. Sie flohen nach Israel und gründeten eine Schule in Tel Aviv. Der Ausflug am Dienstag enthielt einen Besuch der Mikwe in Andernach. Anschließend konnten sich die Gäste über den Vulkanismus im Umfeld des Laacher Sees informieren. Der Mittwoch hatte zwei Höhepunkte: In Vertretung des Oberbürgermeisters der Stadt Koblenz, David Langner, der durch wichtige Amtsgeschäfte verhindert war, begrüßte die Kultur- und Bildungsdezernentin Dr. Margit Theis-Scholz die Gäste des Heimatbesuchs bei einem Mittagessen im Hotel Brenner. Sie ging in ihrer Ansprache auf die Verbrechen des Holocaust ein, die bei den Betroffenen zu großen Brüchen, existentiellen Nöten und zu Schmerzen bis heute führten. Dr. Theis-Scholz sagte: „Wir sind froh, dass Sie Koblenz besuchen. Wir können Unrecht nicht gut machen. Aber wir möchten eine andere Willkommenskultur.“ Sie verwies dann darauf, dass es in Koblenz ein intensives Netzwerk der Erinnerungskultur gibt: den Förderverein Mahnmal Koblenz, die Christlich-Jüdische Gesellschaft und den Freundschaftskreis Koblenz – Petah Tikva. Auch die Kirchen seien daran beteiligt. Das Kulturdezernat pflege Kontakten zu allen und sei auch an Gedenkfeiern im öffentlichen Raum beteiligt. Der zweite Höhepunkt des Tages war die Einladung zum Runden Tisch im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde. Dabei ging es um die Zukunft des Heimatbesuchs. Jeder konnte Vorschläge machen, wie es weitergehen könnte. Die Ergebnisse des Gesprächs werden an die Christlich-Jüdische Gesellschaft und an die Jüdische Gemeinde weitergegeben. Am Freitagvormittag war ein Treffen der Gäste mit Schülerinnen und Schülern des Elfer-Stammkurses des Eichendorffgymnasiums unter der Leitung von Schulpfarrerin Ruth Stein angesagt. Das Thema „Jüdisches Leben“ war im Unterricht behandelt worden. Als Vorbereitung hatten die Schüler auch Orte jüdischen Lebens in Koblenz besucht wie z.B. die ehemalige Synagoge neben der Florinskirche, die Judengasse und das Mahnmal auf dem Reichensperger Platz. An Hand der Stolpersteine hatten sie sich mit der individuellen Geschichte der Opfer des Holocaust beschäftigt. Und der Freitagnachmittag stand im Zeichen der Begegnung mit dem Freundschaftskreis Koblenz – Petah Tikva, der vor 30 Jahren von Doris Leber gegründet wurde. Doris Leber ist Mitglied der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und hat mit dem ersten Heimatbesuch 1985 die Gäste kennen gelernt. Mit dem Freundschaftskreis kam es zum Schüleraustausch mit der Ben Gurion High School Petah Tikva und dem Bischöflichen Cusanus-Gymnasium Koblenz. Dieser Austausch findet jedes Jahr statt. Dadurch ist viel gegenseitiges Verständnis entstanden, auch Freundschaften zwischen israelischen und deutschen Jugendlichen haben sich daraus entwickelt. Mit den Gottesdiensten am Freitagabend und Samstagmorgen in der Synagoge ging der Heimatbesuch zu Ende.
(Kurzbericht, auf der Grundlage eines ausführlichen Berichts von Hans-Werner Schlenzig)

 

Verlegung von Stolperstein für Paul Schneider am 26. Juni 2019

Am Mittwoch, dem 26. Juni 2019, wurde ein Stolperstein für Paul Schneider vor dem Kreishaus, dem damaligen Polizeipräsidium und Polizeigefängnis, in dem Schneider 1937 inhaftiert war, verlegt. Von Koblenz aus hatte man dann im November 1937 Schneider in das KZ Buchenwald gebracht, wo er als "Prediger von Buchenwald" bekannt wurde. Am 18. Juli 1939 wurde er ebendort ermordert.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Gemeinschaftskonzert mit dem Verein „Koblenzer Mendelssohn-Tage“ am 2. Juni 2019

Yoël Cantori, Violoncello, Ayumu Ideue, Violine, Violetta Petrova, Klavier, und Dr. Angela Thompson, Moderation, gestalteten den Abend, der unter dem Motto „Fanny, die große, geniale Schwester von Felix“ stand.
In der Familie Mendelssohn war man sehr darauf bedacht, dass nach außen hin allein Felix die Rolle des großen, genialen Komponisten zukam. Der ebenso begabten älteren Schwester Fanny verbot der Vater zwar nicht das Komponieren - im Gegenteil, er förderte ihre musikalische Ausbildung. Aber ihre Werke sollten nur für den ‚Hausgebrauch‘ bestimmt sein. So finden sich in ihrem Werkverzeichnis zumeist kleinere Klavierstücke und Lieder. Nicht zuletzt die Freundschaft mit Charles Gounod führte dazu, dass Fanny Hensel schließlich auch große Kompositionen, wie etwa den Klavierzyklus „Das Jahr“, aus dem ein Auszug zu hören war, oder die erst 1970 wieder entdeckte „Ostersonate“ vollendete. Hervorzuheben ist das Klaviertrio d-Moll, op. 11 (Trio für Violine, Violoncello und Klavier), das als ein Höhepunkt ihres Schaffens gelten kann. Es wurde an diesem Abend virtuos und zugleich einfühlsam interpretiert.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Bericht von der Sommerfahrt am 2. Juni 2019

An einem hellen Sonntag, dem ersten heißen Sommertag des Jahres, machte sich eine bunt gemischte Gruppe aus Mitgliedern der Koblenzer Jüdischen Gemeinde und der Christlich-Jüdischen Gesellschaft mit dem Bus auf nach Dierdorf, Kreis Neuwied. Hier begrüßte Frau Löwer die Gruppe und führte engagiert durch den Vormittag.
Am „neuen“ jüdischen Friedhof mit seinen ca. 120 Gräbern (Belegungszeit des alten, daneben liegenden und heute eingeebneten Friedhofs: 1746 – 1846) hieß Stadtbürgermeister Thomas Vis die Gruppe willkommen. Michael Meyer, der die Geschichte des Friedhofs vollständig dokumentiert hat, begleitete sachkundig über den Friedhof. Nicht nur hier, sondern auch an der Gedenktafel für die Opfer der Shoa an der Stadtmauer gingen die Gedanken zurück in die Geschichte von jüdischen Bürgerinnen und Bürgern dieses Ortes und die Menschen, für die in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 der unsägliche Schrecken der Naziherrschaft seinen Anfang nahm. Frau Löwer, die sich mit dafür eingesetzt hatte, dass es zu einer Gedenktafel kam, erzählte anschaulich vom Weg bis zur Enthüllung der Tafel als Projekt der Stadt und der christlichen Gemeinden.
Nach einem Mittagessen im Seniorenheim am Uhrturm ging es weiter nach Flammersfeld. Dort besuchte die Gruppe das Haus, in dem Friedrich Wilhelm Raiffeisen von 1848 – 1852 als Bürgermeister tätig war. Zeit seines Lebens waren ihm Verbesserungen im Sozial-, Bildungs- und Infrastrukturbereich ganz besonders wichtig. Angesichts der Verarmung von Bauern infolge einer Hungersnot im Jahr 1846 entwickelte er den ersten Darlehnsverein der Welt. Die Genossenschaftsidee von Raiffeisen (ausgefeilt von ihm und Hermann Schulze-Delitzsch) ist heute Immaterielles Kulturerbe der Menschheit. Stolz präsentierte Josef Zolk, Leiter des Raiffeisenhauses, die Originalurkunde der UNESCO. Aufgrund der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit konnte der Frage, wie antisemitische Ansätze Raiffeisens zu bewerten seien, leider nicht mehr nachgegangen werden.
Gerne hätte die Gruppe die evangelische Basilika, deren Kirchturm um 1100 gebaut wurde, besucht. Leider aber war sie – wie es auch bei manch anderer Kirche zu erleben ist – verschlossen.
Neben den Begleitern vor Ort ist insbesondere Hans-Werner Schlenzig und Luise Löwer Dank zu sagen für die Vorbereitung und Durchführung der diesjährigen Sommerfahrt.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Programm der Sommerfahrt am 2. Juni 2019

Die diesjährige Sommerfahrt führte uns nach Dierdorf und Flammersfeld.

Hier der Programmablauf:

9.30 Uhr Abfahrt vom Internationalen Busbahn-hof Koblenz (beim Hauptbahnhof, in der Nähe von Sparda)

10.30 Uhr Ankunft in Dierdorf

   Besuch des jüdischen Friedhofs (bis ca. 11.00)

   Halt an der Gedenktafel für die Opfer der Shoa (bis ca. 11.30)

12.00 Uhr Möglichkeit für das Mittagessen im Seniorenheim am Uhrturm

13.30 Uhr Weiterfahrt nach Flammersfeld

14.00 Uhr Besuch des Raiffeisenmuseums in Flammersfeld und der evangelischen Basilika

ca. 16.00 Uhr Rückfahrt nach Koblenz

 

Vortrag über Moses Mendelssohn am 6. Mai im Rahmen der Vortragsreihe "Große Jüdische Denker"

Im Rahmen der Reihe „Große jüdische Denker“ hielt Prof. Dr. Dr. Holger Zaborowski am 6. Mai 2019 einen Vortrag über den jüdischen Aufklärer Moses Mendelssohn (1729-1786). Mit Professor Zaborowski, dem Rektor der Philosophisch Theologischen Hochschule Vallendar und Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte der Philosophie und philosophische Ethik, konnte ein ausgezeichneter Kenner jüdischer Religionsphilosophie gewonnen werden.
In seinem Vortrag führte Professor Zaborowski in Mendelssohns Buch “Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum” ein, in dem sich dieser nachdrücklich für Religionsfreiheit einsetzt. Wie begründet Mendelssohn seine Forderungen? Worin liegt die Radikalität seines Denkens? Und welche Bedeutung hat diese Schrift des berühmten Aufklärungsphilosophen für die Gegenwart?
Mit der Aufklärung rückt, anders als noch im Denken englischer Philosophen des 17. Jahrhunderts, die Mendelssohn kritisch würdigt, das Individuum in das Zentrum des Interesses. Professor Zaborowski führte einem hochinteressierten Publikum aus, dass und wie Mendelssohn als Aufklärer und Jude die Themen „Verhältnis von Staat und Religion“ sowie „Vernunft und Religion“ angeht. Geprägt durch eigene Erlebnisse (Aufforderung zum Übertritt zum Christentum durch Lavater, 1769, und die Verweigerung der Aufnahme in die Königliche Akademie, 1771) kommt Mendelssohn in seiner Jerusalemschrift von 1783 zur Forderung nach Religionsfreiheit für alle Menschen ohne Ausnahme.
Wenn uns der Fortschrittsglaube der Aufklärung auch abhandengekommen ist, so bleiben Mendelssohns Fragen aktuell: Ist der Anspruch auf Vernunft bei gleichzeitiger religiöser Identität einlösbar? Gehört Religion in den öffentlichen Raum? Ist die jeweils eigene Identität in Differenz zu der anderer im selben Gemeinwesen lebbar? Kann / sollte Religion etwas dazu beitragen, dass der Staat seine Aufgaben gut erfüllt? Moses Mendelssohn hat diese Fragen mit „Ja“ beantwortet. Gotthold Ephraim Lessing hat ihm für seinen philosophischen Ansatz mit „Nathan der Weise“ ein Denkmal gesetzt – aus gutem Grund.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Jüdisch-Christliche Feier zur Woche der Brüderlichkeit am 17. März 2019

Mit Abschluss der Woche der Brüderlichkeit fand am Sonntag, 17. März 2019, 15:00 Uhr, im Gemeinderaum der Koblenzer Jüdischen Kultusgemeinde eine Christlich-Jüdische Feier zum Jahresmotto 2019 "Mensch, wo bist Du? - Gemeinsam gegen Judenfeindschaft" statt.
Avadislav Avdiev begrüßte als Vorsitzender der Gemeinde und 2. Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz die zahlreich erschienen Gäste. Ein Grußwort überbrachte Dieter Burgard, Beauftragter für jüdisches Leben und Antisemitismusfragen des Landes Rheinland-Pfalz. Burgard stellte kurz seinen Aufgabenbereich vor und betonte, dass es angesichts zunehmender verbaler und körperlicher Gewalt gegen jüdische BürgerInnen dringender als noch vor einigen Jahren eines Beauftragten bedürfe. Den Anschlag auf zwei Moscheen in Christchurch, Neuseeland, vor Augen, gedachte Burgard stellvertretend für die Anwesenden der Opfer und sprach von einem Angriff auf alle, die an den einen Gott glauben. Mit den Worten, mit denen Bundespräsident Steinmeier seine Rede anlässlich der Eröffnung der Woche der Brüderlichkeit 2019 in Nürnberg beendete, schloss Burgard sein Statement ab „Lassen Sie uns also auf die Frage ‚Mensch, wo bist Du?‘ antworten: Hier! Wir sind hier! Jeder einzelne von uns. Und wir versprechen, nicht wegzuschauen!“
Der Kantor der jüdischen Gemeinde trug anschließend den Text, der der folgenden Ansprache zugrunde lag, in hebräischer Sprache vor. Juniorprofessor Dr. Alban Rüttenauer, PTHV, Mitglied des Vorstands der Christlich Jüdischen Gesellschaft, interpretierte in seiner Ansprache die Geschichte von der Heilung des Aramäers Naaman als Friedensgeschichte. Ausgangspunkt war die politische Situation zwischen dem übermächtigen Großreich Aram und dem Kleinstaat Israel. Zwischen beiden herrschte nur noch Gewalt. Es gab keinerlei Art von friedlicher Kommunikation. Das ändert sich, als einer der Heerführer Arams erkrankt und sich Heilung durch religiöse Riten erhofft. Überraschenderweise kommt es durch eine junge Sklavin zu einem, zunächst von Vorurteilen belasteten Dialog zwischen den Religionen. Erst als alle Beteiligten bereit sind, sich vorurteilsfrei zu begegnen, findet Naaman die erhoffte Heilung. Könnte das nicht ein dauerhaftes Modell für Religionen sein, dort einen Weg zu einem vorurteilsfreien Dialog zu finden, wo alle politischen Möglichkeiten ausgereizt sind?
Ein Psalmgebet mit Segenswort stärkte die Anwesenden für diesen Weg. Nach Worten des 1. Vorsitzenden der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, Wolfgang Hüllstrung, der allen Beteiligten dankte und VertreterInnen aller Religionen auf den Weg der Geschwisterlichkeit verwies, entließen die Pianistin Renata Horn sowie ihre Söhne Nathanael und Emanuel (Klarinette/Violine), die die Feier musikalisch gestalteten, alle mit einem fröhlichen Klezmer-Lied in den Nachmittag.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Vortrag über das Judenbild in Bachs Passionen am 11. März 2019

Die Matthäuspassion ist ein Schlüsselwerk Bachs. Im Rahmen der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit fand am 11. März 2019 auf Einladung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft eine Vortragsveranstaltung in der Koblenzer Synagoge statt. Prof. Dr. Johann Michael Schmidt beleuchtete „Die Darstellung 'der Juden' in den Passionen Johann Sebastian Bachs“.
Schmidt brachte sein Thema mit dem Rückgriff auf Erfahrungen von Avi Primor, in den neunziger Jahren israelischer Botschafter in Deutschland, auf den Punkt. Primor schreibt, dass ihn, der deutschen Sprache noch nicht mächtig, das wiederholte Hören der Matthäuspassion durch eine Phase schweren Leids trug. Von dem Moment an allerdings, als er die Texte verstand, habe er die Passion nicht mehr ertragen können.
Am Ende des Vortrags hatte der letzte im Raum verstanden, was Schmidt mit dem Bezug auf Primor deutlich machen wollte: „die Zerreißprobe zwischen dem Hören der überwältigenden Musik und dem Erschrecken vor ihrer Wahrnehmungs- und Wirkungsgeschichte sowie deren Anhalt in den Texten …, dem Erschrecken vor den direkt darin enthaltenen und den indirekt darin verborgenen judenfeindlichen Kräften“ (J. M. Schmidt: Die Matthäuspassion. Zur Geschichte ihrer religiösen und politischen Wahrnehmung und Wirkung. Leipzig. 2. Aufl. 2018. S. 669).
Direkte judenfeindliche Aussagen in der Matthäuspassion finden sich in wörtlich übernommenen Passagen aus der Passionsgeschichte des Matthäusevangeliums. Aufgenommene Choräle aus der lutherischen Orthodoxie des 17. Jahrhunderts enthalten zwar keine direkten judenfeindlichen Aussagen. Mit ihrer Betonung dessen, dass die Heilsbotschaft und der Sühnetod Jesu ausschließlich Christen gilt, schließen sie jedoch unmissverständlich Juden aus. Und schließlich aktualisieren frei gedichtete Textteile der Matthäuspassion das Leiden Jesu in Bezug auf die ganze Christenheit, kontrastiert von den sog. „Judenchören“.
Schmidt lud dazu ein, die Vorstellung vom Sühnetod Jesu hintan zu stellen und vielmehr das Leben und Sterben Jesu als Umsetzung der ersten drei Bitten des Vater Unser zu verstehen. Nur im Wissen um die zeitgebundene Entstehungsgeschichte der Evangelien, der lutherischen Choräle und der Texte Picanders sei, so Schmidt, die Matthauspassion nach Auschwitz hörbar.
So verstand der Referent es, einem interessierten Publikum einen Schlüssel für die Matthäuspassion in die Hand zu geben und „Bausteine für einen neuen theologischen Verstehensrahmen“ der Matthäuspassion (S. 662), der Juden und Christen nicht trennt, zu nennen. Dass dies in einer Synagoge geschah, war bewegend.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Mitgliederversammlung mit anschließendem Vortrag am 18. Februar 2019

Am Montag, dem 18. Februar 2019, fand um 18 Uhr die Mitgliederversammlung im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, Schwerzstraße 14, statt. Die Einladung und Tagesordnung erging an sämtliche Mitglieder per Post in Form des Rundbriefs vom Januar 2019. Bei der Mitgliederversammlung wurden Tätigkeitsbericht und Kassenbericht vorgetragen. Neu in den Vorstand gewählt wurde Frau Dr. Rademacher-Braick als Geschäftsführerin. Den Tätigkeitsbereicht kann man hier herunterladen.
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung, um 19.30 Uhr, hielt Dr. Ulrich Offerhaus (Koblenz) einen Vortrag über seine Forschungen zur jüdischen Familie Seligmann und dem gleichnamigen Bankhaus, von dem heute nur noch das herrschaftliche Gebäude in zentraler, prominenter Lage am Schloss, in direkter Nachbarschaft zum Theater und zum Deinhard-Stammhaus, zeugt. 2016 hat Dr. Offerhaus das Buch "Familie und Bankhaus Seligmann in Koblenz und Köln" veröffentlicht (Verlag Sokrates & Freunde, 2018 in zweiter Auflage). Familie Seligmann war eine der ersten jüdischen Familien in Koblenz, die eine Stadtvilla außerhalb des Judenviertels bezog und in die bürgerliche Gesellschaft aufgenommen wurde, sich zudem über Generationen hinweg auch sozial und kulturell engagiert hat (z. B. Casino zu Coblenz, Musik-Institut Koblenz, Musik-Freunde Koblenz).
(Wolfgang Hüllstrung)

 

"Holocaust"-Gedenktag am 27. Januar 2019

Als Beginn der Gedenkfeier am Sonntag, dem 27. Januar, erinnerte Oberbürgermeister David Langner am Mahnmal am Reichensperger Platz an die Schicksale Koblenzer Bürger und Bürgerinnen jüdischen Glaubens, begleitet von Schülern und Schülerinnen der Hans-Zulliger- und der Diesterweg-Schule, die Rosen am Mahnmal anbrachten. Daran schloss sich eine Gedenkstunde in der Citykirche an, in deren Rahmen der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz, Joachim Hennig, die Ansprache hielt. In diesem Rahmen lasen Schüler und Schülerinnen des Bischöflichen Gymnasiums aus Briefen der jüdischen Familie Hermann vor. Die Gedenkstunde endete mit einem jüdisch-christlich Gebet, das Dechant Thomas Hüsch, Christoph Simonis (Jüdische Kultusgemeinde), Superintendent Stahl und Pfarrer Staymann (altkatholische Gemeinde). Umrahmt wurde die Stunde musikalisch von Werner Höss (Orgel) und Eleonore Cziupka (Flöte). Die jährliche Gedenkfeier wird stets in Kooperation von Förderverein Mahnmal Koblenz, Christlich-jüdischer Gesellschaft für Brüderlichkeit, Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikva und Kulturamt der Stadt Koblenz veranstaltet. Ein Zeitungsbericht von Joachim Hennig vom Förderverein Mahnmal Koblenz findet sich unter: http://epaper.der-lokalanzeiger.de/eweb/media/vfa/2019/01/30/pdf/30_01_2019_VFA9S_16_29345917cc.pdf
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Bericht von der Jüdisch-Christlichen Feier anlässlich des 80. Jahrestages der Pogromnacht 1938 am Sonntag, dem 11. November 2018

„Wie schaffen wir es, dass nie wieder so etwas passiert“ fragte jemand am 9. November 2018 nach dem Gedenkgang in Erinnerung an die Schändung der Koblenzer Synagoge im Jahr 1938 und an die brutale Judenverfolgung auch in Koblenz. Mit meiner Antwort „indem jede und jeder vor Ort seinem Mitmenschen achtsam begegnet“ war er sichtlich nicht zufrieden. Damit mache ich es mir zu leicht, entgegnete er. Dass ich es für das Schwerste überhaupt hielt, blieb im Raume stehen.
Im Gemeindesaal der Koblenzer Jüdischen Kultusgemeinde war die Frage am 11. November wieder da. Vertreter der Jüdischen Kultusgemeinde wiesen auf einen erstarkenden, beunruhigenden Antisemitismus hin. Der Koblenzer Oberbürgermeister rief entschieden dazu auf, vorsichtig sowie wachsam zu sein und antisemitisch eingestellten Kräften entgegenzuhalten: „Halt! Wir wissen aus der Geschichte, wohin das führen kann.“
Woraus nährt sich die Hoffnung, dass wir zu diesem „Halt!“ tatsächlich fähig sein könnten? Erik Riechers erzählte in seiner Ansprache als Antwort auf diese Frage eine Geschichte, die Juden und Christen gut kennen, neu: die uralte Geschichte von den Söhnen Jakobs, die ihren Bruder Josef in die Sklaverei verkaufen. Riechers erzählte sie als sehr lange dauernde, äußerst schmerzhafte Umkehrgeschichte. Josef lässt seine Brüder in die Situation zurückkehren, in der sie ihn zum Opfer, zum Sklaven, gemacht haben. Er gibt ihnen die Chance, diesmal anders zu reagieren. Noch einmal vor die Frage gestellt, ob sie erneut einen vom Vater besonders geliebten Bruder, jetzt Benjamin, in die Sklaverei schicken, bietet sich Juda statt Benjamin als Sklave an. Er wird diesmal zum Hüter des Bruders. Nun und erst jetzt ist die Versöhnung der Brüder möglich.
Nicht die Opfer, sondern die Täter sind es, die sich ihrem Schatten und ihrer Schuld stellen müssen, hatte Wolfgang Hüllstrung in seinem Grußwort betont. Die Tatsache, dass die Koblenzer Jüdische Kultusgemeinde den Nachfahren der Täter einen Raum gebe, um sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen, biete eine große Chance.
Die gut 150 Menschen, die an der Gedenkfeier teilnahmen, ergriffen die Chance der Vergegenwärtigung der Geschichte von Josef und seinen Brüdern.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Gedenkfeier in der Synagoge mit Kranzniederlegung am Sonntag, dem 11. November 2018

Am 9./10. November 1938 wurden in Koblenz "19 Geschäfte und 41 Wohnungen. Gaffer beteiligten sich an Plünderungen. Die Synagoge wurde zerstört und nur wegen baulicher Gegebenheiten nicht angezündet, der Friedhof geschändet und die Leichenhalle verwüstet." (s. zu den Geschehnissen den Artikel von E. Schwalbach-Kulla, in: Geschichte der Stadt Koblenz. Bd. 2, 1993, S. 316ff.) Es ist eine bleibende Aufgabe, an die schrecklichen Ereignisse in Deutschland rund um den 9./10. November 1938 und deren Folgen zu erinnern.
Deshalb wurde am Sonntag, dem 11. November 2018, um 15 Uhr in die Synagoge in Koblenz eingeladen zu einer Christlich-Jüdischen Gedenkstunde anlässlich 80 Jahre Pogromnacht. Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von Musikern der Rheinischen Philharmonie Koblenz. Die Ansprache hielt Pater Erik Riechers SAC, Haus Wasserburg Vallendar. Im Anschluss an die Feier legte Oberbürgermeister David Langner einen Kranz auf dem Jüdischen Friedhof nieder.
In der Ausgabe am 12.11.2018 berichtete die Rhein-Zeitung ausführlich über die Gedenkfeier (https://mobil.rhein-zeitung.de/lokales/koblenz_artikel,-pogromnacht-als-nazischergen-die-synagoge-zerstoerten-_arid,1895681.html). Und im Koblenzer Schängel hat Herr Hennig ein sehr schönen Bericht über sämtliche Veranstaltungen zum diesjährigen Pogromgedenken in Koblenz veröffentlicht, den man unter <http://epaper.der-lokalanzeiger.de/eweb/vfa/2018/11/14/VFA9S/13/> lesen kann.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Gedenkgang am 9. November 2018

Gemeinsam mit Mahnmalverein und Freundschaftskreis Koblenz - Petah-Tikva veranstaltete die Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz am Freitag, 9.11.2018, um 17.30 Uhr, anlässlich 80 Jahre Pogromnacht 1938 einen Gedenkgang durch die Koblenzer Altstadt. Beginnend an der ehem. Synagoge, die im Bürresheimer Hof beheimatet war, machte der aus ca. 200 Menschen bestehende Gedenkzug vor Gebäuden der Altstadt Halt, wo am 9./10. November 1938 Verbrechen geschehen sind. An den einzelnen Stationen erklang eine kurze Saxophonimprovisation des Koblenzer Pfarrers Chistoph Funke. Im Anschluss daran lasen Jugendliche Zeitzeugnisse zum damaligen Geschehen vor. Der Gedenkgang endete am Mahnmal am Reichensperger Platz, wo Kerzen niedergelegt wurden. Im Koblenzer Schängel ist ein Bericht veröffentlicht, den man unter <http://epaper.der-lokalanzeiger.de/eweb/vfa/2018/11/14/VFA9S/13/> lesen kann.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Vortrag zum jüdischen Religionsphilosophen Emmanuel Levinas am 23. Oktober 2018

Alle gestellten Stühle im Gemeindesaal der Koblenzer Jüdischen Kultusgemeinde sind besetzt, als Dr. Marion Retterath mit Ihrem Vortrag „Das Antlitz des Bedürftigen bei Emmanuel Levinas“ beginnt. Nachdem Sie kurz dessen biographischen Hintergrund erläutert hat, stellt sie sich der Herausforderung, Grundgedanken Levinas in eigene Worte zu fassen, und nimmt die Zuhörenden mit in eine intellektuell herausfordernde Dreiviertelstunde. Ausschließlich in der Begegnung mit dem „Anderen“, so Retterath, liege nach Levinas die Möglichkeit der Überschreitung der Grenze des Alltäglichen. Offen für den Anderen führe das Erfassen von dessen „Antlitz“ auf die „Spur“ zu dem, was bereits vor dem Ursprung aller Zeit gelte: die Verantwortung für den „Anderen“ in seiner Verletzlichkeit und die Achtung seiner Würde.
„Levinas‘ Denken des Anderen ist eine der großen philosophischen Leistungen des 20. Jahrhunderts.“ So würdigt die „Jüdische Allgemeine“ Levinas anlässlich seines 100. Geburtstags am 12.01.2006. Und dass das nach wie vor gilt, wird in der sich an Retteraths Vortrag anschließenden Aussprache deutlich, mag man zum Philosophen Levinas stehen, wie man will.
Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und Gäste diskutieren so, wie es sich jeder Veranstalter wünscht: sachkundig, kontrovers und engagiert. Zwei Anwesende geben zu erkennen, dass sie Levinas jenseits der Grenzen Deutschlands (das dieser nach dem Holocaust nie mehr betreten hat) persönlich begegnet sind.
Es bleibt zu wünschen, dass die gerade begonnene Vortragsreihe „Große jüdische Denker“ weiterhin genauso vom Thema begeisterte Referentinnen und Referenten präsentiert sowie interessierte Zuhörende findet, wie es beim ersten Vortrag war.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Zum Heimatbesuch 2018

Vom 12. – 19. August 2018 fand auf unsere Einladung hin der 33. Heimatbesuch ehemaliger jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Koblenz und Umgebung statt. Ein ansprechendes Programm war vorgesehen, das der Vorbereitungskreises erarbeitet und organisiert hat. Aus unserem Vorstand danken wir insbesondere Pater Alban Rüttenauer, Hans-Werner Schlenzig und Ruth Stein für die Mühe und Zeit, die sie in die Vorbereitung investiert haben.
Waren es ursprünglich zwölf Gäste, die sich angemeldet hatten, so wurden daraus aufgrund von Erkrankungen bzw. eines schweren Unfalls auf dem Weg nach Koblenz schließlich sechs. Wir als Gastgeber ahnen, und die Gäste sprachen es wiederholt aus: Die Zeit für weitere Heimatbesuche ist aufgrund des hohen Alters mancher Beteiligter begrenzt.
Umso größer war die Freude über die angereisten Gäste. Die miteinander verbrachte Zeit und die Begegnungen waren gerade angesichts dessen, dass sie als nicht selbstverständlich erlebt wurden, besonders kostbar. Eine reiche Woche liegt hinter uns (dazu den Bericht auf RZ online vom 20.08.2018, siehe auch den anschließenden Bericht von Frau Dr. Rademacher-Braick auf dieser Seite).
Bei den vielfältigen Programmpunkten wurde die gute Kooperation unserer Gesellschaft mit der Jüdischen Kultusgemeinde, der Stadt Koblenz, dem Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz und dem Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikwa deutlich. Sie zeigt sich zum Beispiel auch darin, dass der stellvertretende Vorsitzende des Mahnmal-Vereins, Joachim Hennig, wieder einen Artikel über den Heimatbesuch veröffentlicht hat (Schängel-Artikel vom 22.08.2018).
Mein ausdrücklicher Dank gilt, ohne dass ich sie hier namentlich nennen möchte, all denen, die seitens unserer Gesellschaft zum Gelingen des Heimatbesuchs 2018 beigetragen haben.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Bericht über den Heimatbesuch 12.-19. August 2018

Das Wort „Heimat“ ist derzeit in mancher Munde. Was Heimat ausmacht, wissen am ehesten und schmerzlichsten Menschen, die sie auf der Flucht vor brutaler Verfolgung verloren haben: vertraute Gesichter, wortlos geteilte Grundüberzeugungen, geläufige Sprache, vielfach gegangene Wege, bekannte Alltagsgeräusche, gewohnte Gerüche, das mit den Jahreszeiten wechselnde Licht.
Nicht wenige Menschen aus der Stadt Koblenz und ihrer Umgebung haben in den Zeiten der NS-Gewaltherrschaft ihre Heimat aufgeben müssen, um ihr Leben zu retten. Seit 33 Jahren ist es deshalb Tradition, dass die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit e. V. Koblenz ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger aus dem Raum Koblenz zu einem „Heimatbesuch“ einlädt und sie in ihrer alten Heimat willkommen heißt.
Vom 12. August an waren einstige Mitbürgerinnen und Mitbürger bzw. deren Nachfahren in der Stadt. Oft hoch betagte, meist aus dem Ausland (Israel, USA u. a.) kommende Gäste hatten die Möglichkeit, das heutige Koblenz eine Woche lang als eine sich ihrer Geschichte bewusste, freundliche Stadt zu erleben.
Dank der großzügigen Unterstützung zahlreicher Förderer konnte erneut eine Reihe von Veranstaltungen angeboten werden. Nach dem offiziellen Empfang der Gäste durch den 1. Vorsitzenden der Christlich-Jüdischen Gesellschaft am Sonntagabend begann die Woche mit einer Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof in Koblenz und einem geselligen Beisammensein mit Mitgliedern der Jüdischen Kultusgemeinde im Gemeindesaal der Synagoge. Frauen der Gemeinde sorgten dankeswerterweise für das leibliche Wohl. Ein Vortrag von Lea Sasson (eine der Gäste) entführte in deren zweite Heimat, nach Israel. Gekonnt schlug die Referentin den Bogen von der frühen Bronzezeit über verschiedene geschichtliche Etappen bis hin zur aktuellen politischen Situation in Israel.
Am Dienstag stand ein Schiffsausflug der Gäste, begleitet auch hier von Mitgliedern der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, nach Boppard an. Ein Besuch der ehemaligen dortigen Synagoge, heute in Privatbesitz, machte die Geschichte von Juden in dieser Stadt lebendig. Am Nachmittag erlebte die Gruppe die engagierte Führung eines Ehrenamtlichen, der die Basilika St. Severus mit ihren verschiedenen kulturhistorisch interessanten Besonderheiten vorstellte.
Ein weiterer Höhepunkt des Heimatbesuchs war der Empfang durch die Stadt Koblenz, verbunden mit einem gemeinsamen Mittagessen. Die Kulturdezernentin, Frau PD Dr. Margit Theis-Scholz hieß die Gäste anstelle des kurzfristig verhinderten Oberbürgermeisters willkommen und würdigte in ihrem Grußwort die Arbeit des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz, des Freundschaftskreises Koblenz-Petah Tikwa und der Christlich-Jüdischen Gesellschaft, die jeweils durch Vorstandsmitglieder vertreten waren.
Nachdem die Gäste am Donnerstag ihre ganz persönlichen Erinnerungsorte in Koblenz und Umgebung aufgesucht hatten, rundete am Freitagvormittag ein Gespräch mit Schülerinnen und Schülern den „Heimatbesuch“ ab. Junge Menschen aus Koblenz und Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft erfuhren dabei im Dialog mit den Gästen ganz unmittelbar, was Zeiten bedeuten, in denen Werte wie Toleranz, Freiheit und Demokratie mit Füßen getreten werden.
Bei einem abschließenden Kaffeetrinken, veranstaltet vom Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikva, waren sich Gastgeber und Gäste einig, dass es – wie jedes Jahr – die Begegnungen und Gespräche waren, die dem Heimatbesuch seine besondere Bedeutung geben. Unter dem Vorbehalt „So Gott will und wir leben“ versprach man sich ein Treffen in Koblenz im nächsten Jahr, wohl mit einem dem inzwischen hohen Alter der Gäste geschuldeten etwas anderen Veranstaltungsformat.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Bericht über die Sommerfahrt am 10. Juni

"Jetzt wickelt sich der Himmel auf, Jetzt b’wegen sich die Räder". Ganz im Sinne dieses Liedanfangs von Friedrich Spee v. Langenfeld, auf dessen Spuren sie sich begaben, machten sich Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz e. V. und Freunde am 10. Juni 2018 auf nach Trier. Am Grab von Friedrich Spee, einem unerschrockenen Kämpfer gegen die Hexenverfolgung zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges, brachte man ihm mit einem weiteren, heute noch populären Lied ein Ständchen dar.
Großes Interesse hatte die Gruppe natürlich daran zu erleben, wie die Stadt Trier im Jubiläumsjahr 2018 ihren Sohn Karl Marx ehrt. Im Anschluss an die Besichtigung der großen Statue, einem chinesischen Geschenk an die Stadt, und an den Besuch der neuen Ausstellung im Karl Marx-Haus gab es eine lebhafte Diskussion. Hat die Tatsache, dass Marx einer ursprünglich jüdischen Familie entstammt, Einfluss auf seine Theorien genommen? Welche seiner Gedanken haben, unabhängig davon, dass sie historisch bedeutsam sind, heute noch Relevanz? Die Gruppe nahm sich vor, die Diskussion in Koblenz fortzusetzen.
Ein Besuch des ehrwürdigen Trierer Domes und der gotischen Liebfrauenkirche rundete einen sonnigen, ereignisreichen Tag ab.
Dank an Herrn Dr. Petzel und Herrn Jonas für die exzellente Organisation!
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Ringvorlesung "Jüdische Religion und jüdischer Alltag" im April-Mai

Herzliche Einladung zur Ringvorlesung zum Thema "Jüdische Religion und jüdischer Alltag" an der Hochschule Koblenz.
Es handelt sich um folgende Termine:
26.04.2018, 14:00 Uhr: Rabbiner Julian-Chaim Soussan: "Jüdische Religion heute"
03.05.2018, 14:00 Uhr: Rabbinerin Elisa Klapheck: "Frauen im Judentum heute"
24.05.2018, 14:00 Uhr: Marina Chernivsky (Zentrale Wohlfahrtsstelle): "Herausforderungen politischer Bildung und Empowermentarbeit"
Die Vorlesung findet statt: Hochschule Koblenz, RheinMoselCampus, Koblenz Karthause, Konrad-Zuse-Straße 1, 56075 Koblenz, Raum A 250.
Begleitend zur Ringvorlesung ist vom 17. April bis 17. Juni 2018 im Foyer der Hochschule Koblenz eine Ausstellung "Jüdische Lebenswelten in Deutschland heute" ist zu sehen.

 

Stolperstein-Verlegung am 8. Mai 2018

Am 8. Mai wurden um 11.30 Uhr in der Ravensteynstraße 10 Stolpersteine verlegt, anschließend um 12 Uhr in der Emserstraße 365 und um 13 Uhr im Markenbildchenweg 33. Zu der Verlegung im Markenbildchenweg ist Hanna Miley, die Nichte der ermordeten jüdischen Schwestern Schneider aus den USA angereist. Die Ansprache der Nichte kann man hier nachlesen. Auch die Rhein-Zeitung hat über die Stolperstein-Verlegung berichtet: https://www.rhein-zeitung.de/region/lokales/koblenz_artikel,-der-deportierten-und-ermordeten-opfer-gedenken-sieben-neue-stolpersteine-in-koblenz-verlegt-_arid,1811826.html.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Feier zur Woche der Brüderlichkeit am 18. März 2018

Die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit e. V. Koblenz beging am Sonntag, dem 18. März, um 15 Uhr in der Synagoge eine Christlich-Jüdische Feier in der Synagoge. Anlass war die sog. "Woche der Brüderlichkeit", die bundesweit in zahlreichen Städten begangen wird und die der Vertiefung des Dialogs und der Zusammenarbeit von Juden und Christen dient. Die "Woche der Brüderlichkeit", die in diesem Jahr unter dem Motto "Angst überwinden - Brücken bauen" stand, wurde am vergangenen Sonntag auf Bundesebene in einer zentralen Feier in Recklinghausen unter Mitwirkung von Ministerpräsident Armin Laschet eröffnet. In dem Rahmen wurde die Buber-Rosenzweig-Medaille an den Musiker Peter Maffay verliehen.

Bei der Feier am 18. März in der Koblenzer Synagoge hat der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, Avadislav Avadiev, an die Anfänge der "Woche der Brüderlichkeit" im Jahr 1952 erinnert und den wichtigen gesellschaftspolitischen Beitrag der Christlich-Jüdischen Versöhnungsarbeit gewürdigt. Die Ansprache hielt der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz, Pfarrer Wolfgang Hüllstrung. Er stellte die Erzählung von der Versöhnung zwischen Jakob und Esau im 33. Kapitel des 1. Buch Mose (Bereschit) in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. Die Feier wurde musikalisch von jungen Talenten der jüdischen Kultusgemeinde umrahmt.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Verleihung des Eisenkopf-Preises am 11. März 2018

Am Sonntag, 11. März gab es die Feier anlässlich der Verleihung des Paul-Eisenkopf-Preises. Die Feier wurde in Kooperation von Christlich-Jüdischer Gesellschaft Koblenz und Kulturdezernat der Stadt Koblenz ausgerichtet und fand im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz statt. Mit dem Paul-Eisenkopf-Preis ehrt die Christlich-Jüdische Gesellschaft alle zwei Jahre Einzelpersonen, Gruppen oder Einrichtungen aus der hiesigen Region, die sich - im Bewusstsein um die deutsche Geschichte - um ein gelungenes Zusammenleben von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlicher religiöser Prägung verdient gemacht haben.

In diesem Jahr wurde der Preis an Herrn Werner Appel vergeben, der aus einer Koblenzer jüdischen Familie stammt. Als Jugendlicher überlebte Appel die NS-Diktatur in verschiedenen Verstecken und kehrte nach einer Emigration nach Israel 1952 wieder nach Deutschland zurück. Bis heute setzt sich Werner Appel als Zeitzeuge dafür ein, dass die Schreckenszeit der NS-Diktatur nicht in Vergessenheit gerät und Lehren aus der Geschichte gezogen werden. Die Laudatio hielt Joachim Hennig vom Mahnmalverein Koblenz, der durch seine Publikationen zur Geschichte der Juden in Koblenz und in Rheinland-Pfalz bekannt ist. In seiner Laudatio präsentierte er anhand von historischen Fotos die Lebensgeschichte von Werner Appel.

 

Wer nicht an der Eisenkopf-Preis-Verleihung teilnehmen konnte, kann sich den TV-Bericht von TV-Mittelrhein anschauen:
http://tv-mittelrhein.de/tvm/mediathek_tvm/details_tvm.de.jsp?video_id=17497
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Mitgliederversammlung am 26. Februar 2018

Die Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz hatte über den Rundbrief zur jährlichen Mitgliederversammlung in der Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde am Montag, dem 26.2.2018, um 18 Uhr, eingeladen. Der Vorsitzende stellte den Jahresbericht vor, Hans-Werner Schlenzig vom erweiterten Vorstand den Finanzbericht. Bei den Neuwahlen des Vorstands wurden die beiden Vorsitzenden Hr. Avadiev und Pfr. Hüllstrung sowie der Beisitzer JProf Rüttenauer wiedergewählt. Als neues Mitglied im Vorstand wurde Hr. Christoph Simonis gewählt. Für die Geschäftsführung fand sich immer noch keine Kandidatin bzw. kein Kandidat, so dass dieses Amt im Vorstand bis auf Weiteres vakant bleibt. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung um 19.30 Uhr gab es eine Buchpräsentation von Dr. Paul Petzel, Andernach, Mitglied des Gesprächskreises "Juden und Christen" beim Zentralkomitee der deutschen Katholiken. Vorgestellt wurde das 2017 erschienene Buch "Von Abba bis Zorn Gottes: Irrtümer aufklären - das Judentum verstehen".

Den Tätigkeitsbericht 2017 können Sie hier lesen.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

Lesung zum Tag des Gedenkens an die NS-Opfer am 26. Januar 2018

»Sie sind eine Mauer um uns gewesen.«
Dänemarks Rettung seiner jüdischen Mitbürger – Der in der Geschichte einzigartige Widerstand in Reichweite des Holocaust

Dass der dänische König mit dem Judenstern durch Kopenhagen geritten sei, ist eine schöne Legende. Bekannt ist die Tatsache, dass die Mehrheit dänischer Juden im Spätherbst 1943 auf Schiffen nach Schweden flüchten konnte. Unbekannt ist, in welch einzigartiger Weise und wie früh König, Staatsregierung, der 1944 ermordete Dichterpfarrer Kaj Munk, die lutherische Kirche und der überwiegende Teil der Bevölkerung sich für die Rettung ihrer jüdischen Mitbürger eingesetzt haben.

Darüber haben sich am Freitrag, 26. Januar 2018, um 19 Uhr im Historischen Ratssaal der Stadt Koblenz Paul Gerhard Schoenborn (ev. Pfarrer und Übersetzer von Kaj Munk) und Christian Hartung (ev. Pfarrer und Autor eines Romans über Munk und den dänischen Widerstand) sowie der Freiburger Germanist und Romanautor Uwe Pörksen und der vielseitige Kenner deutsch-dänischer Geschichte Per Øhrgaard (Kopenhagen) in einem Podiumsgespräch ausgetauscht. Moderiert wurde das Gespräch von dem Kirchenhistoriker Prof. Johannes Meier (Mainz/Koblenz). Reinhard Riecke vom Ensemble des Theaters Koblenz las ausgewählte Texte von Kaj Munk. Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz durchgeführt.
(Wolfgang Hüllstrung)

 

 

Gedenkstunde zur sog. "Reichspogromnacht" des Jahres 1938

Am Sonntag, dem 12. November 2017, fand um 15 Uhr in der Synagoge in Koblenz (Ecke Schlachthofstraße/Schwerzstraße) eine Christlich-Jüdische Gedenkstunde zur sog. "Reichspogromnacht" des Jahres 1938 statt. Musikalisch wurde die Veranstaltung umrahmt von dem Instrumentalduo Miron Borodulin (Violoncello) und Ella Sinelnikowa (Klavier). Die Ansprache hielt Schulpfarrerin Ruth Stein. Die liturgische Gestaltung lag in Händen des Kantors der Jüdischen Kultusgemeinde. Im Anschluss an die Gedenkfeier legte der Oberbürgermeister einen Kranz auf dem Jüdischen Friedhof nieder.

 

Studientag am 6.11.2017 Studientag "Elie Wiesels Ringen um Gott"

Der diesjähige Studientag fand am Montag, dem 6.11.2017, 17-19 Uhr, im Medienladen, Kurt-Esser-Haus (2. OG), Markenbildchenweg 38 (Bahnhofsvorplatz), 56068 Koblenz statt. Prof. Dr. Daniel Krochmalnik, der an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg lehrt, referierte über Elie Wiesel. Der 1928 in Rumänien geborene, aus einer orthodox-jüdischen Familie stammende Elie Wiesel verfasste als Überlebender des Holocaust zahlreiche Romane und andere Publikationen zu diesem Thema. 1986 wurde ihm der Friedens-nobelpreis zuerkannt. Im Juli 2016 verstarb Elie Wiesel in New York.

 

Vortrag „Martin Luther und die Rabbinen“

Prof. Dr. Michaela Bauks vom Institut für Evangelische Theologie der Universität Koblenz-Landau, stellte anhand von Luthers Vorlesungen zur Urgeschichte (1. Mose 1-11) dessen Auseinandersetzung mit der rabbinischen Bibelauslegung dar. Trotz seiner Hochschätzung des Hebräischen und seiner Ablehnung des Auslegungsdiktats durch kirchliche Autoritäten blieb Luther ein Kind seiner Zeit. In seiner Vorlesung zum 1. Buch Mose (Genesis), einem Alterswerk Luthers, stellt er zwar zahlreiche Bezüge zur jüdischen Exegese her, nimmt diese jedoch primär zum Anlass, die jüdische Sichtweise mit theologischen Argumenten zu widerlegen. So ging es in dem Vortrag auch um Luthers grundsätzliches Verhältnis zu den Juden und zum Judentum.
Zeit/Ort: 18.9.2017, 19 Uhr, im Gemeindesaal der Synagoge.

 

Das Programm des Heimatbesuchs 2017 sah folgendermaßen aus:

Sonntag, 20. August 2017 – Begrüßungsempfang ( aus Platzgründen leider nicht öffentlich)

Montag, 21. August 2017, 17 Uhr
Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof
Anschließend Imbiss im Gemeindesaal auf einladung der Jüdischen Kultusgemeinde / musikalischer Auftakt von P. Alban Rüttenauer am Klavier aus „Lieder ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy
Dia-Vortrag von Lea Sassoon im Gemeindesaal der Koblenzer Synagoge.
Thema “Herodes“.

Dienstag, 22. August 2017
Busfahrt vom Hotel Brenner aus (10 Uhr) nach Bendorf-Sayn
10.30 Uhr Besuch der „Jakobischen Anstalt“ mit Lichtbilder-Vortrag über das jüdische Sayn und den jüdischen
Friedhof von Dietrich Schabow
12.00 Uhr Mittagessen im Schloss Sayn
14.00 Uhr Besuch des Schmetterlingsgartens und/oder Besuch der Sayner Hütte mit Dietrich Schabow,
um ca. 17 Uhr mit dem Bus zurück nach Koblenz

Mittwoch, 23. August 2017, 12 Uhr
Empfang der Gäste durch den Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig im Weindorf Koblenz ( nur
für geladene Gäste )

Donnerstag, 24. August 2017
Tag zur freien Verfügung

Freitag, 25. August 2017
10.30 Uhr Besuch des Bundesarchivs auf der Karthause mit u.a. Einblick in die Kopie von Schindlers Liste
12.00 Uhr Essen in der Kantine des Bundesarchivs
15.00 Uhr Kaffee und Kuchen im Hotel Brenner auf Einladung des Freundschaftskreises Koblenz – Petah Tikva
19.00 Uhr Gottesdienst zu Erew Schabbat mit anschließendem Kiddusch

Samstag, 26. August 2017,
10 Uhr Schabbat-Gottesdienst

Sonntag, 27. August 2017
Abreise

Anlässlich des Heimatbesuchs ist in der Rhein-Zeitung am 23.8.2017 ein schöner Artikel mit der Überschrift "Emotionale Reise in die alte Heimat" erschienen.

 

Mitgliederversammlung am 20. März 2017, 18 Uhr

Folgende Tagesordnung stand auf dem Programm: 1. Begrüßung - 2. Tätigkeitsbericht - 3. Kassenbericht und Entlastung der Geschäftsführerin - 4. Revision der Satzung - 5. Ausblick auf 2017 - 6. Verschiedenes. Den Jahresbericht 2016 kann man hier lesen.

Im Anschluss an die Mitgliederversammlung las Christian Hartung, ev. Pfarrer und Schriftsteller, aus seinem im Februar 2017 erschienenen Roman "Hinter der Angst". Darin wird die Geschichte der Ermordung des dänischen Dichterpfarrers Kaj Munk durch die SS 1944 und der polizeilichen Aufklärung erzählt, verbunden mit einer Darstellung des dänischen Widerstands.

 

 

November 2016

Um Gottes Willen – keine Gewalt im Namen Gottes“

Jüdisch-Christliche Gedenkfeier anlässlich des 78. Jahrestages der Reichspogromnacht

Avi Avadiev, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde und jüdischer Vorsitzender der Christlich-Jüdischen

Gesellschaft Koblenz begrüßte die sehr zahlreichen Gäste der Feierstunde im Gemeindesaal der Synagoge

Koblenz.

Für die Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz begrüßte Vorstandsmitglied Prof. Dr. Pater Alban Rüttenauer. Er

zitierte den jüdischen Journalisten Günter Bernd Ginzel: was wäre gewesen, wenn in der Pogromnacht die

christlichen Kirchen Sturm geläutet hätten, um zum Widerstand und Protest aufzurufen. „In Koblenz kann man es

es sich gut vorstellen: die ehemalige Synagoge im Bürresheimer Hof lag und liegt in direkter Nachbarschaft zur

Florinskirche und zur Liebfrauenkirche. Was wäre hier möglich gewesen! Doch es kam leider anders. Heute

erinnern wir uns, um in Gegenwart und Zukunft Solidarität zu zeigen“.

Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, betonte in seinem Grußwort, dass er sich

darüber freue, die Schirmherrschaft über den Bau einer neuen Synagoge in Koblenz übernommen zu haben.

Nach der hebräischen und deutschen biblischen Lesung durch Rabbiner Efraim Yehoud-Desel und

Pastoralreferentin Jutta Lehnert, vertiefte diese den Text. Ihr Fazit : „Mit unseren Worten – vor allem den öffentlich

gesprochenen und geschriebenen - müssen wir vorsichtig umgehen. Jedes Wort, das wir reden, wandelt die Welt

und greift ein in die Psyche der Menschen. Das gilt für das unduldsame oder giftige Wort einer Mutter, das sich in

die Seele eines Kindes einnisten kann genauso wie für die Hasstiraden von politisch Extremen im Internet oder auf

den Straßen.“

Gebete und Segen auf Hebräisch und Deutsch sprach und sang Kantor und Rabbiner Efraim Yehoud-Desel, die

sehr stimmungsvolle und musikalisch ausgezeichnete Umrahmung gestalteten Elke Schäfgen ( Klavier) und Judit

Schlenzig ( Flöte ). Besonders beim letzten, sehr bekannten Stück „Yerushalayim shel zahav – Jerusalem von

Gold“ hörte man beim Refrain viele Stimmen, die mitsangen.

Zum Abschluss der Feier legte Oberbürgermeister Hofmann-Göttig einen Kranz am Mahnmal für die sechs

Millionen ermordeten Juden auf dem jüdischen Friedhof nieder. Rabbiner Yehoud-Desel intonierte die beiden

Gebete „El male rachamim“ ( Gedenken an die Opfer der Shoa ) und „Kaddisch“ ( Totengedenken ).

Y. D                  Lehnert und Y. Desel für I. 1

 Avadiev für I.jpg            Foto Ho Gö für I.jpg

 

Heimatbesuch 2016

Wie in jedem Jahr – und nun schon zum 31. Mal - begann der diesjährige Heimatbesuch mit dem Begrüßungstreffen im Garten des Hotels Brenner. Neben den 16 Gästen waren auch viele Mitglieder und Freunde unserer Gesellschaft gekommen um die Gäste willkommen zu heißen. Unsere Einladung angenommen haben in diesem Jahr : aus Deutschland ( Frankfurt/Berlin/München ) Werner und Christel Appel, die Tochter Miriam Bieberstein mit ihrem Mann, Ruth Homrighausen geb. Appel mit ihrer Tochter Ronit und Mann Michael, Marlene Berg, geb. Appel. Aus U.S.A. Hilda Spanier mit ihrer Tochter Marilyn aus New York sowie Ralph und Jane Salier aus Chicago. Aus Israel kamen Lea Sassoon aus Tel-Aviv, Tami Blättner aus Petah-Tikva, Ronit Rubinstein, geb. Bermann mit ihrem Mann Israel aus Haifa. Vor allem der Besuch der über 90jährigen Hilda Spanier aus New York fand besondere Bewunderung.

Am Montag versammelten sich Heimatbesuch-Gäste, Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und der Jüdischen Kultusgemeinde zu einer gemeinsamen Gedenkfeier am Mahnmal auf dem jüdischen Friedhof. Kantor Joseph Pasternak begrüßte die Überlebenden der Shoa, hieß auch die sie begleitenden Familienmitglieder der nächsten Generation willkommen. „Wir, die Generationen nach der Shoa sollen die Erinnerung weitertragen, da es nicht mehr viele Zeitzeugen gibt“. Und er rief allen Anwesenden den Text auf der Gedenkstele ins Gedächnis: „Den Toten zur Erinnerung, den Lebenden zur Mahnung !“

Für die CJG erinnerte Pater Alban Rüttenauer an den 13. Todestag von Pater Eisenkopf an diesem Tag und sagte weiter : „Gegen ( diesen ) Rassenwahn wollen wir hier ein bewusstes Gegenzeichen setzen, ein Zeichen der Solidarität. Wir bestärken uns damit gegenseitig in dem Vorsatz, so zusammenzuhalten und zusammenzustehen, dass es keiner noch so großen politischen Macht, keiner noch so fanatisierten Bewegung mehr gelingen soll, Menschen, die bisher friedlich zusammengelebt haben, so gegeneinander aufzuhetzen, dass sie sich über Nacht wie Mörder und ihre Opfer gegenüberstehen. Wir bemühen uns, den Faden der Geschichte dort wieder anzuknüpfen, wo ihn in der Vergangenheit eine wahnwitzige Politik gewaltsam abgerissen hatte.“

Mit dem gesungenen „El male rachamim“, dem Gebet für die Opfer der Shoa von Kantor Joseph Pasternak endete die Gedenkfeier.

Im Gemeindesaal wurde dann – wie es schon lange Tradition ist – zu einem Vortrag unseres Gastes Lea Sassoon eingeladen. In diesem Jahr hatte sie Fotos und Informationen zum Thema „Die Wüste“ vorbereitet, Allgemeines zur Entstehung der Wüsten in Israel, Tiere und Pflanzen, die in dieser eigentlich lebensfeindlichen Umgebung existieren können, Einblicke in Oasen und Wadis. ( Sehr einprägsam ihre Erklärung : „Ein Wadi ist wie der Rhein ohne Wasser“ ).

Nach dem Vortrag lud die jüdische Kultusgemeinde alle Gäste zu einem liebevoll zusammengestellten Imbiss ein, der Abend klang aus mit vielen Gesprächen, Wiedersehensfreude und Neu-Kennenlernen.

Am Dienstag machten sich Gäste und Freunde auf den Weg an die Mosel. Herr Schlenzig informierte über die früheren jüdischen Siedlungen in den Orten an der Mosel. Die kleine ehemalige Synagoge in Beilstein ist schwer zu finden, liebevoll restauriert, - wenn man vom Andenkenladen im Untergeschoss absieht - aber doch sehr interessant für alle. Touristischer Höhepunkt war danach eine kleine Rundfahrt mit dem Schiff von Cochem aus.

Am nächsten Tag hatte der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig zu einem gemeinsamen Mittagessen eingeladen, dabei waren auch der Leiter des Kulturamtes, Herr Thomas Preusser und die Kulturdezernentin, Margit Theis-Scholz. Der Oberbürgermeister berichtete von den Fortschritten in der Planung der neuen Synagoge, von weiteren Neuigkeiten aus der Stadt Koblenz und von den Bemühungen der Stadt, sich gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu positionieren.

Der Donnerstag war ohne feste Programmpunkte, die Gäste erholten sich, gingen – wie das Ehepaar Rubinstein – auf Spurensuche nach den Straßen und Plätzen im Leben ihrer Vorfahren oder besuchten Freunde in der Umgebung. Lea Sassoon hielt ihren Vortrag noch einmal in einer Schule, Frau Fölbach aus Vallendar hatte sie dazu eingeladen.

Am Abend trafen sich dann alle Gäste wieder zu einer kleinen privaten Weinprobe in Güls, es wurde viel erzählt und viel gelacht.

Am Freitag Vormittag bestand das Angebot, die neue Stadtbibliothek zu besichtigen und am Nachmittag fand der traditionelle Kaffeenachmittag des Freundeskreises Koblenz-Petah-Tikva statt. Heribert Heinrich vom Förderverein Neue Synagoge berichtete detailliert über den aktuelle Stand zum Bau der neuen Synagoge in der Weißergasse. Besonders freute das Hilda Spanier aus New York, da sie vor rund 92 Jahren in der Weißergasse geboren wurde.

Am frühen Abend besuchten dann alle den Vorabendgottesdienst in der Synagoge, wo der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde die Gäste herzlich begrüßte und betonte, dass sie in Koblenz und in der Gemeinde jederzeit herzlich willkommen seien.

Gedenk klein         Ehemalige Synagoge Beilstein klein  

im Gemeindesaal klein

 

Sommerfahrt 2016 - Bad Kreuznach

Kürzlich haben sich Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz zu ihrer traditionellen „Sommerfahrt“ auf den Weg gemacht. In diesem Jahr war Bad Kreuznach das Ziel.

Nach einer kurzen Fahrt besuchte man als erstes die Synagoge in Bad Kreuznach, wo die Gruppe von einer Mitarbeiterin der Gemeinde und dem Rabbiner herzlich empfangen und umfassend über das Gebäude ( eine ehemalige Militärkirche ) und die jüdische Gemeinde informiert wurden. Auch ein kleiner Imbiss mit Kaffee, Tee und selbstgebackenem Kuchen stand bereit, so konnten alle wohl gestärkt zu einem geführten Stadtrundgang und der Besichtigung der evangelischen Pauluskirche gehen.

Höhepunkt des Nachmittags war ein Besuch und eine Führung durch das Museum für PuppentheaterKultur. In der großen Ausstellungshalle entführt eine aufwändige Dauerausstellung in die fabelhafte Figurentheaterwelt und manch einer fühlte sich beim Anblick der wohlbekannten Figuren in seine Kindheit zurück versetzt.

 

Vortrag im Juni 2016

Der Fremde im Judentum - ein Vortrag von Rabbi Ahrens aus Düsseldorf

Rabbi Jehoschua Ahrens (Düsseldorf) hielt am 6.6.16 auf Einladung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft einen Vortrag über das Thema: „Der Fremde im Judentum - die Haltung gegenüber Nichtjuden in der jüdischen Religionspraxis“. Der Gemeinderaum der Jüdischen Kultusgemeinde war gut gefüllt bei diesem sehr aktuellen Thema. Das Auditorium erfuhr, dass das Integrationspotential von Fremden nicht nur mit den eigenen geschichtlichen Erfahrungen des Fremdseins („Ägypten“) begründet ist, dem Anderen also die Aufnahme und Freiheit zu gewähren ist, die das alte Israel an sich selbst erfahren hat. Die Bezogenheit auf die anderen Völker und ein universalistisches Verständnis ist in vielen biblischen Texten Thema. So lebte im Umkreis der Familien häufig Andersgläubige, die in den Volksverbund sozial und rechtlich integriert waren. An einigen Beispielen aus der antiken und rabbinischen Auslegungsgeschichte bis in die Moderne wurde gezeigt, wie sich die Auslegung einzelner Texte im Umgang mit den Nichtjuden - oft historisch bedingt - veränderte, um den aktuellen Bedingungen, in denen die Juden jeweils lebten, zu entsprechen. Eine angeregte Diskussion beschloss den spannenden Vortragsabend.

Rabbi Ahrens studierte an einem traditionellen Rabbinerseminar und an der Bar Ilan Universität in Israel sowie an der Universität für jüdische Studien in Budpest, wo er seinen Magister erlangte. 2010 - 2015 war er als Gemeinderabbiner in bulgarien, in der Schweiz und in Deutschland tätig. Zur Zeit ist er Mitarbeiter an einem Forschungsprojekt zum Jüdisch-Christlichen Dialog an der Universität Luzern. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Töchtern in Düsseldorf.

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 Rabbi Jehoschua Ahrens und Pfarrer Wolfgang Hüllstrung ( Vorsitzender der CJG Koblenz )

 

Lesung im April 2016

„Ich bin Jüdin, Kennort Berlin, Kenn-Nummer ….“

Mit diesen Worten erfüllte Marie Jalowicz die Vorschrift der Nationalsozialisten für Juden in Deutschland, wenn sie

eine offizielle Person, wie etwa einen Polizisten auf der Strasse, ansprachen.

Eine kurze Episode, die Dr. Hermann Simon in seinem Vortrag mit Lesung von Ausschnitten aus dem Buch

„Untergetaucht“, der Lebensgeschichte seiner Mutter, im Gemeindezentrum der Jüdischen Kultusgemeinde vortrug.

Offen und schonungslos schildert Marie Jalowicz, was es heißt, sich Tag für Tag im nationalsozialistischen Berlin

durchzuschlagen: Sie braucht falsche Papiere, sichere Verstecke und sie braucht Menschen, die ihr

helfen.Vergeblich versucht sie, durch eine Scheinheirat mit einem Chinesen zu entkommen oder über Bulgarien

nach Palästina zu fliehen. Sie findet Unterschlupf im Artistenmilieu und lebt mit einem holländischen Fremdarbeiter

zusammen. Immer wieder retten sie ihr ungewöhnlicher Mut und ihre Schlagfertigkeit – der authentische Bericht

einer außergewöhnlichen jungen Frau, deren unbedingter Lebenswille sich durch nichts brechen ließ.

Der Historiker Dr. Hermann Simon, Gründungsdirektor der Stiftung Neue Synagoge Berlin / Centrum Judaicum,

befragte seine Mutter von Dezember 1997 bis kurz vor ihrem Tod im September 1998 zu ihrer

Überlebensgeschichte. 77 Tonbänder wurden zur Grundlage eines einzigartigen Zeitdokuments. Das Buch

„Untergetaucht – eine junge Frau überlebt in Berlin 1940–1945“ erschien 2014 und wurde inzwischen in mehrere

Sprachen übersetzt.

Eingeladen war Dr. Simon von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz in Zusammenarbeit mit der CJGZ

Recklinghausen und dem Schulreferat des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz.

Foto Presse Vortrag Dr. Simon

von links : G. Koch, Christlich-Jüdische Gesellschaft Recklinghausen, Dr. Hermann Simon, Berlin, Dr. Anja Diesel, Schulreferat des Ev. Kirchenkreises Koblenz, Pfr. Wolfgang Hüllstrung, Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft KoblenzMitgliederversammlung am 16. Februar 2016

 

Mitgliederversammlung am 16. Februar 2016

Bei der Mitgliederversammlung am 16. Februar 2016 im Gemeindesaal bei der Synagoge standen u. a. Vorstandswahlen auf der Tagesordnung. Als 1. Vorsitzender wurde Pfarrer Wolfgang Hüllstrung und als 1. Stellvertreter wurde der Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde, Herr Avadislav Avadiev, gewählt. Als Geschäftsführerin und 2. Stellvertreterin wurde Frau Stefanie Maltha gewählt und als Beisitzer Pater Alban Rüttenauer (PTH Vallendar) sowie Kantor Joseph Pasternak. Hans-Werner Schlenzig schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus. Im Anschluss an die Mitgliederversammlung las Pfarrer i.R. Gernot Jonas Geschichten aus seinen Übersetzungen von Sholem Alejchem. Den Jahresbericht 2015 können Sie hier lesen.

 

 

Verlegung des 100. Stolpersteines in Koblenz

Am Donnerstag, dem 13. November 2014, um 12.30 Uhr wurden im Beisein von Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Goettig auf dem Zentralplatz (Ecke Forum Confluentes) vier Stolpersteine für die Familie Kaufmann (Vater, Mutter und zwei minderjaehrige Soehne) verlegt. Darunter war der 100. Stolperstein in Koblenz. Die Gestaltung sowie die Finanzierung uebernehmen die Hans-Zulliger-Schule und die Diesterweg-Schule.

 

Jüdisch-christliche Feier im Gedenken an die Reichspogromnacht

Für Sonntag, den 09. November 2014, um 15 Uhr lädt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz wie in jedem Jahr zu einer Gedenkfeier vom 9. November 1938 in den Gemeindesaal der Koblenzer Synagoge, Schwerzstr. 14 ein.
Die Feierstunde steht unter dem Thema "Denkstein und Namensgedächtnis - zur Erinnerung an jüdische Soldaten im 1. Weltkrieg".
Die Ansprache halten Helene Thill und Irina Stern aus Koblenz. Musikalisch gestaltet wird die Feier von Musikerinnen und Musikern der Jüdischen Kultusgemeinde.
Die liturgische Leitung hat Kantor Joseph Pasternak.Nach der Feier in der Synagoge legen Vertreter der Stadt Koblenz einen Kranz am Denkstein auf dem jüdischen Friedhof nieder.

Weitere Gedenkveranstaltungen fanden statt in:

Andernach,   Sonntag, 9. November 2014, um 19 Uhr,
Treffen am Historischen Rathaus, Hochstraße, Mahngang zu einigen Stolpersteinen

Koblenz, Citykirche am Jesuitenplatz
Samstag, 8. November 2014, um 18.30 Uhr
Ökumenisches Pogromgedenken

Münstermaifeld, Stiftskirche und anschließend Gang zur Synagoge
Sonntag, 9. November 2014, um 18.30 Uhr
interreligiöse Gedenkfeier

Neuwied, Mahnmal in der Synagogengasse
Sonntag, 9. November 2014, um 11 Uhr
Gedenkfeier der Stadt Neuwied und des Deutsch-Israelischen Freundschaftskreises

Neuwied, Marktkirche
Sonntag, 9. November 2014, um 17 Uhr
Eröffnung einer Ausstellung, die der Dokumentation der Verlegung der Stolpersteine
in Neuwied und Umgebung und dem Schicksal dieser Neuwieder Familien gewidmet ist

Synagoge Saffig
Sonntag, 16. November 2014, um 15 Uhr
Gedenken des Förderkreises der Synagoge Saffig und der Jüdischen Gemeinde Neuwied-Mittelrhein

 

Heimatbesuch vom 7. - 14. September 2014

Auch für dieses Jahr haben wir wieder ehemalige jüdische Koblenzer und Vallendarer zum Heimatbesuch eingeladen.

Den Besuch der Gedenkstunde am Montag mit anschließender Begegnung mit unseren Gästen und dem Vortrag von Lea Sassoon legen wir Ihnen besonders ans Herz. Auch die Stadtrundfahrt mit dem historischen Bus der Kevag am Dienstag ist eine gute Gelegenheit zu Gesprächen. Das Missverständnis ist immer noch nicht ausgeräumt, dass bei diesen Begegnungen nur besondere Teilnehmer eingeladen seien. Alle sind herzlich eingeladen!

Folgendes Programm ist vorgesehen:

Sonntag, 7. September 2014, 17.30 Uhr
Begrüßungsempfang im Hotel Brenner

Montag, 8. September 2014, 17 Uhr
Gedenkstunde auf dem jüdischen Friedhof
Anschließend Dia-Vortrag von Lea Sassoon im Gemeindesaal der Koblenzer Synagoge

Dienstag, 9. September 2014
Stadtrundfahrt mit dem Historischen Bus der Kevag;
nach der Rundfahrt Ausklang mit Kaffee im Hotel Brenner

Mittwoch, 10. September 2014, 12 Uhr
Empfang der Gäste durch den Oberbürgermeister im Weindorf Koblenz

Donnerstag, 11. September 2014
Tag zur freien Verfügung

Freitag, 12. September 2014
10.30 Uhr Zeitzeugengespräche im Bischöflichen Cusanus-Gymnasium
15.00 Uhr Kaffee und Kuchen im Hotel Brenner auf Einladung des Freundschaftskreises Koblenz � Petah Tikva
19.00 Uhr Gottesdienst zu Erew Schabbat mit anschließendem Kiddusch

Samstag, 13. September 2014, 10 Uhr
Schabbat-Gottesdienst

Sonntag, 14. September 2014
Abreisetag

 

Vortrag mit Lichtbildern am Montag, dem 14. Juli 2014, um 19 Uhr im Gemeindesaal der Synagoge, Schwerzstraße 14:

Jerusalem am Rhein - Geschichte der SchUM-Gemeinden Speyer, Worms, Mainz

Referentin: Dr. Ursula Reuter, Salomon Ludwig Steinheim-Institut, Duisburg

Um das Jahr 1000 entstand am Rhein eine neue jüdische Kultur, die der Juden von "Aschkenas". Die Grundlagen dafür wurden in den berühmten SchUM-Gemeinden Speyer, Worms und Mainz gelegt. Bis heute sind in den drei Städten bedeutende jüdische Monumente erhalten: in Speyer der Judenhof mit der Ruine der alten Synagoge und der Mikwe, in Worms die Judengasse mit der 1961 wiedererrichteten Synagoge sowie der "Heilige Sand", der älteste jüdische Friedhof in Europa, und in Mainz der sogenannte Denkmalfriedhof. Im Mittelpunkt des Vortrags stehen Geschichte sowie geistige und materielle Kultur der Kehillot SchUM und ihre Ausstrahlung auf die jüdische Welt vom Mittelalter bis heute.

Der nächste Vortrag der Reihe findet voraussichtlich im November 2014 statt:
Zur Architektur des Synagogenbaus in Deutschland

 

Ausstellung im Juli 2014 zum 70. Jahrestag des Attentats auf Hitler

Anlässlich der 70. Wiederkehr des Jahrestags des Attentats auf Hitler vom 20. Juli 1944 veranstaltet der Förderverein Mahnmal in den Räumen der Sparkasse Koblenz in der Schlossstraße eine Ausstellung, die am 7. Juli 2014 um 18 Uhr eröffnet wird. Sie beleuchtet vor dem Widerstand in Deutschland allgemein insbesondere Wirken und Schicksal von Widerständlern aus dem hiesigen Raum.

Die Ausstellung läuft vom 7. bis 25. Juli 2014 und ist während der Öffnungszeiten der Sparkasse zu besichtigen: werktags von 9 bis 17 Uhr, donnerstags von 9 bis 18 Uhr und samstags von 9.30 bis 14.00 Uhr.

 

Beginn der Vortragsreihe "Vom Tempel zur Synagoge"

Erster Vortrag (mit Lichtbildern) am Montag, den 24. März 2014, um 19 Uhr:

"Der Tempel in Jerusalem - von der Zeit Salomos bis zur Zeit des Herodes"
Referent: Prof. Dr. Wolfgang Zwickel, Universität Mainz
Ort: Gemeindesaal bei der Synagoge
(Ecke Schwerzstraße/Schlachthofstraße)

 

Rhein-Zeitung vom 16.05.2014

rz 16 5 2014

 

Bei der Mitgliederversammlung am 24. März 2014 wurde ein neuer Vorstand der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit e.V. Koblenz gewählt, der sich sich wie folgt zusammensetzt:

Pfarrer Wolfgang Hüllstrung, 1. Vorsitzender (ab 1. Januar 2015)
Avadislav Avadiev, 2. Vorsitzender
Stefanie Maltha, Geschäftsführerin
Kantor Joseph Pasternak, Beisitzer
Pfarrer Hans-Werner Schlenzig, Beisitzer (kommissarischer Vorsitzender bis 31.12.2014)

Erweiterter Vorstand:

Uwe Diederichs-Seidel
Pfarrer Gernot Jonas
Dr. Paul Petzel
Elmar Ries
P. Alban Rüttenauer
Volodymyr Vaysman

Allen Gewählten sagen wir ein herzliches Dankeschön für ihre Bereitschaft zur Mitarbeit und wünschen ihnen Gottes Segen für ihre künftige Arbeit.

Neu im Vorstand bzw. erweiterten Vorstand sind Avi Avadiev und Uwe Diederichs-Seidel.

Auf eigenen Wunsch ausgeschieden ist Dr. Michael Aranowski. Ihm sei herzlich gedankt für seine bisherige Tätigkeit im erweiterten Vorstand.

 

Gründung des Fördervereins Neue Synagoge am 20. März 2014

Die Christlich-Jüdische Gesellschaft ist dem Förderverein mit Gründung beigetreten. Wir würden es sehr begrüßen, wenn auch viele Mitglieder der CJG dem Förderverein beitreten würden, um den Synagogenneubau finanziell zu unterstützen. Der Mindest-Jahresbeitrag beträgt 12,00 �. Weitere Informationen erhalten Sie beim Förderverein Neue Synagoge für Koblenz e.V., c/o Evangelischer Kirchenkreis Koblenz, Mainzer Str. 81, 56075 Koblenz, Telefon (02 61) 91161-29, Fax -66, E-Mail Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

Rhein-Zeitung vom 10.03.2014

rz 10 3 2014

 

Menetekel am Hauptbahnhof und Gedenkschild am Bahnhof Lützel

 

Foto Bahnhof 2

 

Am Hauptbahnhof Koblenz

Die Ausstellung der Deutschen Bahn 2011 im Lützeler Eisenbahnmuseum über die Deportationen der Reichsbahn fand große Beachtung. Die drei Vereine, sowie die Sinti und Roma von Koblenz beschlossen, über die Ausstellung hinaus eine „Markierung“ dieser denkwürdigen Ereignisse für den Koblenzer Hauptbahnhof und den Lützeler Bahnhof zu realisieren. Die Form des zu stiftenden Denkmals sollte einem heutigen künstlerisch-ästhetischen Stand entsprechen, wie er sich in der Erinnerungskunst und dem sie begleitenden Mahnmal-Diskurs der letzten 30 Jahre entwickelt hat.

Zum Namen „Menetekel“: Biblisch sah der babylonische König Belsazzar bei einem gotteslästerlichen Gelage erschreckt eine mysteriöse Hand in Feuerschrift eine unverständliche Folge von Buchstaben an die Wand schreiben: Mene mene tekel uparsin. Der Prophet Daniel deutete sie ihm als göttlichen Gerichtsspruch (Daniel 5. Kapitel).

Menetekel, seitdem als Vokabel für warnende Hinweise aufgefasst, erscheint in Koblenz durch die installierte Laufschrift in ganz unmysteriöser Weise auf einer Wand der Bahnhofshalle. Ob ihr Text heute zum Menetekel wird, das Wachsamkeit für aktuelle Gefahren des Antisemitismus und Verachtung der Sinti und Roma, Fremdenfeindlichkeit
aber auch für eine Pietät gegenüber den Toten wird, entscheiden die Passanten dieses Ortes.

Text des Menetekels am Hauptbahnhof :

Von diesem Bahnhof sowie dem ehemaligen Güterbahnhof Koblenz-Lützel wurden während der Terrorherrschaft des Nationalsozialismus weit über eintausend Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, engagierte Christen, Bürgerliche, katholische und evangelische Geistliche, Zeugen Jehovas, Emigranten, Zwangsarbeiter,
Homosexuelle, Kriegsdienstverweigerer und andere Opfer verschleppt. Fast immer stand am Ende ihrer Reise der Tod.“

 

Am Bahnhof Lützel

Lützel 2Lützelschild

  

Künstlerisches Konzept des Koblenzer Menetekels

oder: Gedenken an die Deportationen der NS-Zeit am Transit-Ort: Bahnhof Koblenz

1. Anlass und zeitgeschichtlich-künstlerischer Kontext

Die Ausstellung der Deutschen Bundesbahn über die Deportationen der Reichsbahn 2011 im Koblenzer Bahnhof fand große Beachtung. Mehrere Vereine, die jüdische Gemeinde wie die Sinti von Koblenz beschlossen, über die Ausstellung hinaus eine „Markierung“ dieses denkwürdigen Ereignisses zu realisieren. Sie werden in diesem Vorhaben unterstützt von zahlreichen Bürgern und Bürgerinnen, Kirchen und allen Fraktionen des Stadtrats.

Die Form des zu stiftenden Gedenkmals sollte einem heutigen künstlerisch-ästhetischen Stand entsprechen, wie er sich in der Erinnerungskunst und dem sie begleitenden Mahnmal-Diskurs der letzten 30 Jahre entwickelt hat.

Mit Blick auf das Gedenken der NS-Zeitbefinden wir uns in einer markanten Übergangssituation: der von einer Zeit der ZeitzeugInnen zu einer Zeit danach. Nach Jan Assman ist diese Zeit charakterisiert durch den Übergang einer informellen kommunikativen Erinnerung zu einer kollektiven. Während erstere die Erinnerung an das Geschehen insgesamt unorganisiert in lebensweltlicher Kommunikation weitergibt, verlangt die Phase danach, dass sich ein Kollektiv bzw. eine Gesellschaft bewusst auf Formen und Rituale verständigt, die die Erinnerung wachhält.

Der Grund für diesen Übergang: die erlebte Hinfälligkeit der ZeitzeugInnen legt dabei den Gedanken an Stein und Metall als Medien der Erinnerung nahe. Schließlich eignet beiden eine „Aura“ fast von Ewigkeit. Zumindest übersteigt beider Halbwertzeit die des Menschen um ein Vielfaches. Als Formen stehen Stelen, Säulen u.ä. wie Tafeln traditionell zur Verfügung. Auf diesen Formen lastet allerdings eine ästhetische wie politisch Hypothek: Sie funktionieren wie ein Passepartout, erinnern in derselben Form an alles Mögliche und werden austauschbar. Unbeabsichtigt leisten sie so einem Gedenken Vorschub, das nivelliert.

So etwa ein Mal von Richard Serra, das "Berlin Junction" heißt und in Berlin in der Tiergartenstrasse 4 vor dem Gebäude steht, von dem aus die Euthanasie als Geheimaktion gesteuert wurde. Zwei geschwungene großdimensionale Cortenstahl-Platten lassen einen „schmalen, bedrohlich wirkenden, schluchtartigen Durchgang entstehen. Obwohl nicht als Mahnmal für diesen Ort und Zweck entworfen, wurde die zuvor auf Ausstellungen präsentierte Skulptur vom Künstler selbst und von den Initiatoren (...) nun so interpretiert und durch eine in den Boden eingelassene Gedenktafel des Künstlers Volker Bartsch dem "T4"-Gedenken gewidmet." (Stefanie Endlich) Das allerdings bringt die Fragwürdigkeit dieser Mahnmalpraxis zum Vorschein. Wenn Skulpturen so multifunktional sind, dass sie praktisch überall hin passen, fragt man sich, ob die Formel selbst, der sie folgen, stimmen kann. Verbindet sie nicht allzu locker die Skulptur mit dem Ort und damit auch das Gedenken mit dem Geschehenen - eben rein additiv und damit so, dass durch schlichte "Subtraktionen" diese Zusammenhänge aufgelöst oder umfunktioniert werden können? Und bieten sich solche Mahnmale nicht geradezu dem Missbrauch an, nämlich je nach politischer Konstellation und Tageslaune umgewidmet zu werden? Das ist nicht nur eine abstrakte Möglichkeit, sondern Realität Das "Mahnmal zum Gedächtnis des Widerstands im Dritten Reich" von Hans Uhlmann, selbst Häftling in dieser Zeit, konnte so mühelos zum Denkmal für die Opfer des 17. Juni umdeklariert werden. Genau besehen wird in solchem Umgang die Verdinglichung von Menschen zu Opfern auf der Ebene symbolischer Repräsentation wiederholt. Sowohl die reale Erniedrigung zu Nummern wie die symbolische Umwidmung zeigen, dass man die Betroffenen für austauschbar hält.

In der überraschend innovativen und künstlerisch schon heute sehr anerkannten Mahnmal-Kunst der letzten Jahrzehnte hat sich ein Verständnis durchgesetzt, das Gedenkstättenforscher J.E.Young als „Antidenkmäler“ apostrophiert hat. Verschränkt war und ist dieser Prozess mit einem Diskurs, der in großer Breite geführt, intensiv Bedingungen, Funktionsweisen, Medien und Formen des kulturellen Erinnerns durchdrungen hat. Mahnmale in diesem Zusammenhang sind skeptisch geworden gegenüber Stele, Säule und Sockeln. Die Aura des Ehernen und Bronzenen kann zu leicht verleiten zu einem Gedenken, das feiertäglich ritualisiert durchgeführt wird, doch lebenspraktisch unverfänglich bleibt. Angezielt wird deshalb ein niedrigschwelliges Gedenken. Erinnern soll unpathetisch in den Alltag des zivilen Lebens integriert sein. „Erinnern ist wie Blumengießen“, meinte Jochen Gerz, um dieses Moment eines unprätentiösen Erinnerns zu benennen. Für die künstlerische Gestaltung bedeutet das, dass sie nicht einfach triviale Muster der Alltagswahrnehmung wiederholt, doch sich in diese Kontexte, Differenz setzend, einbringt. Deshalb wurden Mahnmale entsockelt und kommunikativ gemacht. Nicht auf Stein und Metall als Erinnerungsmedien wird primär gesetzt, sondern darauf, dass lebendige Menschen sich involvieren lassen. Jochen Gerz und seine Frau Esther Shalev-Gerz bringen das pointiert zum Ausdruck, wenn sie bürgerschaftliches Engagement statt Steinen reklamieren. Auf dem Mahnmal gegen Faschismus, Krieg, Gewalt (1986), das als Musterbeispiel sozial-interaktiver Erinnerungskunst gilt, endet ihr Appell an die Bürger um Beteiligung mit der Klarstellung:

 „Denn nichts kann auf Dauer an unserer Stelle sich gegen das Unrecht erheben.“

2. Konzept des Koblenzer „Menetekel“ – oder: Laufschrift am Ort der Deportation

Für das Gedenken auf dem Koblenzer Bahnhof werden aus der obigen Skizze zwei Kriterien abgeleitet, die zur Geltung zu bringen sind:

1. Spezifik: Eine Gedenkmarkierung sollte dem Geschehen, an das zu erinnern ist, in spezifischer Weise nahekommen.

2. Kontextuelle Einbettung: Sie sollte sich durch eine Aufmerksamkeit für den Kontext und die damit gegebenen Rezeptionsweisen der Angesprochenen ausweisen.

Wer sich am Bahnhof aufhält, sucht hier keine Bleibe. Er erwartet Ankommende oder begleitet Abfahrende, kommt selber an oder ist am Abreisen. Der Bahnhof ist Transitort schlechthin. Wie nun an einem so durch und durch „flüchtigen“ Ort dem Gedenken einen Bleibe geben?

Für viele Menschen, Juden und Jüdinnen, Sinti und andere war er der Ort, von dem sie deportiert wurden. Nicht wenige Zuschauer und Zuschauerinnen dieses Geschehens wussten auch damals schon, was heute ein Mahnmal veranlasst: Es war ein Transit in den gewaltsamen Tod. Die Deportation als Moment der Verfolgung und Vernichtung ist deshalb für ein künftiges Gedenken von besonderer Bedeutung, weil an diesem (halb-)öffentlichen Ort die Diskriminierung und Exkommunikation aus der Öffentlichkeit in so klarer Weise für die Bürger und Bürgerinnen der Stadt sichtbar wurde. Historisch belegt ist, dass es auch damals öffentlich wahrgenommen wurde als das, was wir heute Event nennen: ein durchaus spektakuläres Ereignis…

An dieses Geschehen soll mit einer Laufschrift erinnert werden. Sie ist flüchtig wie das Geschehen an diesem Ort bis heute, sie ist transitorisch wie es die Deportation war. Sie „schmiegt“ sich „an“ an die Medien und Wahrnehmungsweisen, die in der Bahnhofshalle zu finden sind. Von diesen hebt sie sich so wenig ab, wie die damaligen Deportationen ihrerseits nicht aus dem Transportsystem ausgenommen waren. Im Gegenteil: Waggons, Lokomotiven Schienen und Weichen, die gesamte professionelle Logistik griff schließlich, um diesen Transit möglichst effektiv zu realisieren. In der Sprache des Ortes und mit seinen Zeichen soll an das Geschehen an diesem Ort erinnert werden.

Den heute Reisenden begegnen hier diverse Werbungsanzeigen und zentral die Anzeige ihrer Abfahrt. Wer danach Ausschau hält, begegnet im ähnlichen Medium der Information, was in der NS-Zeit am selben Ort, im selben Zusammenhang des Reisens und doch so abgründig „anders“ geschah. Dieses „Mahnmal“ hebt darauf ab, dass gerade die situative und mediale Ähnlichkeit die Differenz des Textes zu den anderen wie Werbung und Abfahrtszeiten umso schärfer wahrgenommen wird.

Dem Ort und seinem Transitcharakter entsprechend kann und will der Text nicht lang sei. Denkbar knapp verzichtet er darauf, auch nur den Schmerz der damals Betroffenen wie ihrer Nachfahren anzudeuten. Verzichtet wird auf Aussagen zu den Umständen der Deportation oder einer Bedeutung für uns Heutige.

„Von diesem Bahnhof sowie dem ehemaligen Güterbahnhof Koblenz-Lützel wurden während der Terrorherrschaft des Nationalsozialismus weit über eintausend Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter, engagierte Christen, Bürgerliche, katholische und evangelische Geistliche, Zeugen Jehovas, Emigranten, Zwangsarbeiter,

Homosexuelle, Kriegsdienstverweigerer und andere Opfer verschleppt. Fast immer stand am Ende ihrer Reise der Tod.“

Gehofft wird, dass dennoch, oder gerade wegen der „flüchtigen“, beiläufigen und knappen Gestalt der Botschaft der ein oder die andere die Erinnerung an dieses Geschehen mit auf die eigene Reise nimmt. Eine Halterung unterhalb der Laufschriftanzeige hält Material mit historischen Informationen für Interessierte bereit.

Entsprechend soll am Bahnhof Koblenz-Lützel ein Blechschild über dem Zugang zu den Gleisen angebracht werden, das sich in Material und Form an die in diesem Kontext zu findenden und erwarteten Hinweisschilder anpasst: eine schwarze einfache Schrift auf weißem Grund teilt mit:

„Von diesem Bahnhof, der damals ein reiner Güterbahnhof war, wurden in den Jahren 1942 und 1943 insgesamt 870 jüdische Mitbürgerinnen und

Mitbürger verschleppt. Nur einige wenige überlebten das Grauen der Konzentrations- und Vernichtungslager.“

Zum Namen Menetekel: Biblisch sah der babylonische König Belsazzar bei einem blasphemischen Gelage erschreckt eine mysteriöse Hand in Feuerschrift eine unverständliche Folge von Buchstaben an die Wand schreiben: Mene mene tekel uparsin. Der Prophet Daniel deutete sie ihm als göttlichen Gerichtsspruch. (Daniel 5. Kapitel)

Menetekel, seitdem als Vokabel für warnende Hinweise aufgefasst, erscheint in Koblenz durch die installierte Laufschrift in ganz unmysteriöser Weise auf einer Wand dieses halböffentlichen Raumes. Ob ihr Text heute zum Menetekel wird, das Wachsamkeit für aktuelle Gefahren des Antisemitismus und Verachtung der Sinti, Fremdenfeindlichkeit aber auch für eine Pietät gegenüber den Toten wird, entscheiden die Passanten dieses Ortes.

Dr. Paul Petzel

 

 

Heimatbesuch 2015

Jüdische Gäste und ihre Freunde zu Besuch in Polch, Münstermaifeld und Saffig

Wie jedes Jahr lud die Christlich-Jüdische Gesellschaft Koblenz Überlebende des Holocaust oder

deren Nachfahren zu einem „Heimatbesuch“ ein. Auf dem Programm standen u.a. eine

Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof, ein Vortrag von Lea Sassoon aus Tel Aviv zur Geschichte

des Zionismus, ein Empfang durch den Koblenzer Oberbürgermeister Hoffmann-Göttig.

„Touristischer“ Höhepunkt war sicher der Besuch der ehemaligen Landsynagogen Münstermaifeld,

Saffig und Polch gemeinsam mit Freundinnen und Freunden aus der Christlich-Jüdischen

Gesellschaft und der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz.

In Münstermaifeld begrüßten Manfred Becker vom Förderverein und der Stellvertretende

Stadtbürgermeister Walter Meurer die Gäste aus Israel, Frankfurt, München und Koblenz.

Diese zeigten sich sehr beeindruckt von der Leistung des Fördervereins, das völlig zerstörte

Bauwerk wieder aufgebaut und zu einem „Lernort“ gemacht zu haben. „Obwohl ich in Koble

nz aufgewachsen bin, wußte ich nicht, dass es hier auf dem Land auch Synagogen gab und gibt“

sagte die über 80jährige Ruth Homrighausen, die heute in Freising lebt.

In Polch informierte Stefanie Maltha über die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Synagoge

und berichtete aus ihrer Forschungsarbeit zur Geschichte der ausgewanderten, vertriebenen und

ermordeten jüdischen Familien in Polch.

Begeistert von der Umgebung zeigten sich Ronit und Israel Rubinstein aus der Nähe von Haifa :

„Ihr könnt wirklich froh sein, Ihr wohnt in einer wunderschönen Gegend“, schwärmten sie nach

dem Ausflug.

Besichtigung Landsynagoge Polch klein

Foto : Heimat-Besuch Gäste, Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft und Mitglieder der Jüdischen Kultusgemeinde vor der Ehemaligen Synagoge in Polch.

 

Sommerfahrt 2015

Sommerfahrt klein

Besichtigung der ehemaligen Synagoge in Niederzissen - mit Richard Keuler ( 1. Reihe, 3. von rechts )

Kürzlich haben sich Mitglieder der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz zu ihrer traditionellen „Sommerfahrt“ auf den Weg gemacht. In diesem Jahr wurden drei Ziele angesteuert: die ehemalige Synagoge in Niederzissen, die Insel Nonnenwerth und das Arp-Museum in Rolandseck.
Richard Keuler vom Förderverein Synagoge erläuterte den interessierten Zuhörern die Geschichte des Hauses und der Menschen, die sich bis 1942 dort zum Gottesdienst versammelten. Er berichtete auch von der Renovierung und Herrichtung dieses Denkmals. Nach einer Besichtigung der Ausstellung „ Tagein tagaus“ mit Fundstücken und Objekten aus dem jüdischen Alltag in Niederzissen fuhr man weiter zur Insel Nonnenwerth.
Schwester Theresia begrüßte die Gruppe und informierte über das Franziskanerinnen-Kloster und seine Geschichte, das Gymnasium und die Sehenswürdigkeiten der Gärten, wie z.B. den Baum, der zu Franz Liszts 30. Geburtstag dort gepflanzt wurde.
Zum Abschluß der Reise besuchte man das Arp-Museum. Dr. Paul Petzel erläuterte die Gemälde der aktuellen Ausstellung „Revolution der Bilder. Von Poussin bis Monet“, die sich der französischen Malerei des 17. bis in das 20. Jahrhundert widmet und in rund 50 Gemälde und Skulpturen von Poussin, Chardin, Houdon, Renoir, van Gogh, Cézanne und anderen die revolutionären Entwicklungen in dieser Zeit zeigt.

 

Vortrag im April 2015: Baum des Lebens und Baum der Erkenntnis

2015 Vortrag Alban

Auf Einladung der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz sprach Professor Dr. Alban Rüttenauer, Pallottinerpater aus Vallendar, im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde zum Thema „Bäume“.

Er regte die Vorstellungskraft der knapp 40 Zuhörerinnen und Zuhörer an, sich ins Erleben der Bäume – gerade in dieser Frühlingszeit - zu versetzen, um doch über die besonderen Bäume des Paradieses noch zu ganz anderen Themen vorzustoßen: fehlender Gleichberechtigung der Geschlechter, Fanatismus und einem lebensfeindlichen Forschen. Denn wenn vom Baum der Erkenntnis gegessen wird, können die Früchte des Lebensbaumes verspielt sein. Wenn sich z.B. Wissenschaft isoliert und absolut setzt, gereichen ihre Ergebnisse nicht mehr lebensfreundlich. Nur wenn die Menschen in Bezug zum Anderen ihrer selbst bleiben: der Mann zur Frau, das Forschen zur Demut, die Wahrheitsliebe zur Toleranz, bleiben sie „fruchtbar“. So blieb es an diesem Abend auch nicht nur beim Vortrag. Der begabte Pianist Rüttenauer spielte vor der angeregten Diskussion Mendelssohns "Duetto", op. 38 Nr. 6, As-Dur, Andante con moto, auch als Dialog von Mensch und Natur, Gott und Mensch hörbar.

Prof. Dr. Alban Rüttenauer, Pfr. Wolfgang Hüllstrung

 

 

 Jüdisch-christliche Feier anlässlich der Woche der Brüderlichkeit am Sonntag, dem 15. März 2015

Zum Abschluss der Woche der Brüderlichkeit am Sonntag, dem 15. März 2015, um 15 Uhr laden wir wie in jedem Jahr herzlich ein zu einer jüdisch-christlichen Feier in der Koblenzer Synagoge, Schwerzstraße 14. Die Feier steht unter dem Jahresthema "Im Gehen entsteht der Weg. Impulse christlich-jüdischer Begegnung".

Die bundesweite zentrale Eröffnungsfeier der Woche der Brüderllichkeit fand am Sonntag, den 8.März um 11.30 Uhr in Ludwigshafen statt. Bei dieser Feierstunde wurde dem katholischen Theologen Prof. Dr. Hanspeter Heinz und dem Gesprächskreis "Juden und Christen" beim Zentralkomitee der Katholiken die Buber-Rosenzweig-Medaille 2015 verliehen.

 

Mitgliederversammlung am Dienstag, dem 10. März 2015, um 18 Uhr im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, Schwerzstraße 14

Folgende Tagesordnung war vorgesehen:
1. Begrüßung

2. Tätigkeitsbericht (den Jahresbericht 2014 kann man hier lesen)
3. Kassenbericht und Entlastung der Geschäftsführerin
4. Ausschau und Planung 2015
5. Verschiedenes

Im Anschluss hielt Prof. Dr. Günter Eßer, Universität Bonn, um 19 Uhr einen Vortrag zum Thema: „Das Judentum hat viele Gesichter“ - Versuch einer christlichen Annäherung an die Hauptströmungen des heutigen Judentums.

Was wissen Christinnen und Christen vom Judentum? Wo gibt es überhaupt Kontaktmöglichkeiten? Ob­wohl sich die Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit mit gutem Erfolg darum mühen, die immer noch bei vielen Zeitgenossen unbekannte „Mutterreligion“ des Christentums bekann­ter zu machen und eine Basis für fruchtbaren Austausch zu schaffen, bleibt für viele das Judentum fremd, um nicht zu sagen ein Fremdkörper. Dass dies auch bei vielen Theologiestudierenden der Fall ist, muss erschrecken.

Doch das Judentum ist kein monolithischer Block. Das heutige Judentum lebt, aber es lebt in und aus ver­schiedenen Strömungen. Der Referent möchte interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer mit den aktuellen Hauptströmungen des Judentums bekannt machen, indem er ihre geschichtliche Herkunft und Entwicklung skizziert und die Hauptmerkmale darstellt. Dabei geht es ihm natürlich nicht um eine Wertung oder Beurteilung innerjüdischer Differenzen. Das steht einem Betrachter von außen nicht zu. Aber für ein Verständnis des lebendigen Judentums heute ist es hilfreich, etwas von der Vielschichtigkeit des Judentums in unserer Zeit zu kennen.

 

Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus zur Erinnerung an die 70. Wiederkehr der Befreiung des KZ Auschwitz am 27.1.1945

Am Dienstag, dem 27. Januar 2015, um 17.30 Uhr ist die öffentliche Gedenkstunde der Stadt Koblenz für die Opfer des Nationalsozialismus. Sie beginnt mit einer Station am Mahnmal auf dem Reichenberger Platz. Sie wird um ca. 18.00 Uhr fortgesetzt in der Citykirche am Jesuitenplatz. Dort sprechen Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und der Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Dr. Jürgen Schumacher. Ein interreligiöses Gebet beschließt die Gedenkstunde mit Dechant Thomas Hüsch (römisch-katholisch), Kantor Joseph Pasternak (jüdisch), Superintendent Rolf Stahl (evangelisch) und Pfarrer Ralf Staymann (alt-katholisch).

Veranstaltende: Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz, Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz und Stadt Koblenz.

 

Eröffnung einer Ausstellung in der Citykirche Koblenz, Jesuitenplatz

Die Ausstellung "Es war eine Fahrt durch die Hölle" geht von Montag, 26. Januar 2015 (Eröffnung um 18.30 Uhr), bis Mittwoch, 11. Februar 2015, jeweils von 7.30 - 19.00 Uhr (außerhalb der Gottesdienste).

Im Vordergrund von Ausstellung und Gedenkstunde  am 27. Januar stehen die Opfer des Nationalsozialismus aus Koblenz und Umgebung, die Verfolgung in den Konzentrationslagern von Auschwitz oder anderer Vernichtungslager „im Osten“ erlitten haben. Anlass hierür ist die 70. Wiederkehr der Befreiung des KZ Auschwitz am 27. Januar 1945. Das Motto der Ausstellung ist den Erinnerungen der Koblenzer Jüdin Eva Salier, geb. Hellendag, entnommen. Sie überlebte die „Hölle von Auschwitz“, während ihre Mutter und Großmutter umgebracht wurden.
Dieses Schicksal und das weiterer NS-Opfer des Nationalsozialismus präsentiert der Förderverein Mahnmal Koblenz in einer eigenen Ausstellung. Auf 20 Personentafeln gibt er den Opfern ihren Namen zurück und stellt ihr Schicksal und das ihrer Angehörigen dar. Porträtiert werden jüdische Opfer, Sinti, Zeugen Jehovas, Zwangsarbeiter und eine evangelische Pfarrerstochter.
Eine Führung durch die Ausstellung ist in Absprach mit dem Förderverein Mahnmal Koblenz möglich.

Weitere Informationen >>> www.mahnmalkoblenz.de

 

 

Rhein-Zeitung vom 11.11.2013

rz 11 11 2013

 

Klezmer goes Sinti - Sinti goes Klezmer

Benefizkonzert im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde begeisterte

benefizkonzert2Was passiert, wenn sich "Beseder", das Klezmer-Orchester der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz mit Django Reinhardt und seinen Gitarren-Virtuosen und Schlagzeug, sowie der jüdischen Sängerin Odelia Lazar treffen?

Wenn jiddische Volkslieder, Doyna und Hora auf Sinti-Swing treffen? Ein spannendes Projekt!

Das Ergebnis war am 9. März im bis auf den letzten Platz besetzten Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde in Koblenz zu hören.

Zugunsten der im Koblenzer Hauptbahnhof installierten Laufschrift zum Gedenken an die Deportierten in der Nazizeit haben sich die Künstler zu einem Benefizkonzert der Extraklasse zusammengefunden, unterstützt und organisiert von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz, der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und dem Förderverein Django Reinhardt Koblenz. Der Vorsitzende des Fördervereins Helmut Gräwen machte in seinem Grußwort deutlich : "Was mich als Koblenzer stört, ist die Tatsache, dass die Deutsche Bahn AG, die Rechtsnachfolgerin der Deutschen Reichsbahn, die mit den Deportationen in die Konzentrations- und Vernichtungslager sehr viel Geld verdient hat, nun für das Gedenken an die Opfer der Vernichtung auch noch einen vierstelligen Eurobetrag verlangt."

Paul-Eisenkopf-Preis

eisenkopfklein Zur bundesweiten Woche der Brüderlichkeit im März lobt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit in allen ungeraden Jahren den mit 1000 EUR dotierten Paul-Eisenkopf-Preis aus. Mit dem Preis sollen Personen, Schulklassen oder andere Gruppen ausgezeichnet werden, die sich im Bewusstsein der deutschen Vergangenheit um das Gelingen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft, Nationalität, Kultur und Weltanschauung bemüht haben beziehungsweise bemühen.

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Stolpersteine

steineAuf Bitten des Kulturausschusses der Stadt Koblenz hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft die Recherche, Koordination und Finanzierung des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ übernommen. Dabei werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Nazi-Opfer Messingplaketten verlegt, auf denen Name, Vorname, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person doku­mentiert sind.

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Links

logo cjg 100und weiterführende Informationen

der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit.

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