Aktuelles

Informationen zu länger zurückliegenden Veranstaltungen sind unter dem Menüpunkt BERICHTE zu finden.

 

Christlich-Jüdischer Stammtisch

Seit einiger Zeit treffen wir uns ohne Tagesordnung zum Gespräch, zum Plaudern, Teetrinken. Vielleicht haben auch Sie Interesse, dabei zu sein.

Der nächste Termin, wie immer 17.00 Uhr, im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, Schwerzstr. 14, ist:

Sonntag, 9. Juni 2024.

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir freuen uns auf Sie.

 

Vortrag von Dr. Martin Braun vom 13.05.2024:

„Jüdisch-christliches Erbe im Politikverständnis Hannah Arendts“

Dr. Braun hatte seinen Vortrag gut strukturiert und didaktisch gekonnt angelegt. Das zeigte sich auch an der sehr lebhaften Diskussion, die allein aus Zeitgründen ein Ende fand.

Arendt, so führte Dr. Braun aus, rückt die Politik ins Zentrum ihres Philosophierens. Ihren wegweisenden und hochaktuellen Politikbegriff gewinnt und entfaltet sie gerade auch in der intensiven Auseinandersetzung mit der jüdisch-christlichen Tradition.

Dr. Braun warf wichtige Schlaglichter auf Arendts Denken: zum Beispiel auf die Ableitung der Gleichheit und Verschiedenheit der Menschen (Plural) aus der Schöpfungserzählung in Genesis 1 – nicht nur als Grundvoraussetzung für Kommunikation, sondern auch als Basis für politisches Handeln.
Arendts Betonung des Begriffs „Natalität“ (Gebürtigkeit, Neuanfang) und nicht in erster Linie die der Mortalität (mit der sich Philosophie sonst sehr gerne beschäftigt) eröffnete auch einen ungewohnten Blick auf Wundergeschichten um Jesus, die von Neuanfängen erzählen.

Jede/r, der/die sich mit Arendt beschäftigt hat, hatte sicherlich unterschiedliche Erwartungen an den Vortrag. Den je eigenen Erwartungshorizont mit dem Vortrag des Referenten in Beziehung zu bringen und danach zu einer begründeten eigenen Position zu gelangen war eines der Kernanliegen von Dr. Braun. Hannah Arendt hätte das gefallen.

(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Auf den Spuren von Hans Bernd

Der Chor „Tapestry Chamber Choir“ mit Sängern und Sängerinnen aus den Gegenden von Gloucestershire und Worcestershire in Westengland auf Besuch in Koblenz vom 1. bis 4. April, auf den Spuren von Hans Bernd, einem vertriebenen jüdischen Mitbürger aus Koblenz

In diesen Tagen hört man öfters wiederholen, dass Zeitzeugen der Schoah selten werden, sich einer nach der anderen von uns verabschiedet. Unsere Gesellschaft spürt es daran, dass der so lange jährlich durchgeführte Heimatbesuch sich nicht mehr in der gewohnten Weise aufrecht erhalten lässt. Um so eindrücklicher ist es, mit seiner nachhaltigen Wirkung in Berührung zu kommen. Dazu gab dieser Chor aus England Gelegenheit, der Anfang April zu Besuch kam. Simon Burne, Ehemann der Chorleitern Sandra Burne, ist der Sohn von dem Koblenzer Hans Bernd, der dank eines Kindertransports als junger Mensch der Schoah entkommen konnte. Er folgte im Jahr 2004 der offiziellen Einladung zum Heimatbesuch und sagte seinem Sohn im Anschluss: jetzt fühle er sich endlich wieder so ganz als richtiger Koblenzer. Eine Reihe von Vorfahren liegen auf dem Koblenzer Friedhof begraben.

Der Chor nutzte die Gelegenheit zu Auftritten in Koblenz (St. Castor), Boppard und Köln. Wer selber in ehrenamtlichen Chören mitgewirkt hat oder noch mitwirkt, besitzt eine ungefähre Vorstellung davon, wie lange es braucht, um ein festes Repertoire zu entwickeln. Um so erstaunlicher, wenn dieses so umfangreich ist, dass man ein eigenes Konzert ohne zusätzliche Gäste damit bestreiten kann. Dabei war das Programm so vielfältig mit Formen und Epochen, dass der Chor seinem Namen Tapestry (Wandteppich) Chamber Choir alle Ehre erwiesen hat. Es reichte von Monteverdi bis hin zu den englischsprachigen Klassikern der neueren Zeit wie Stanford, Holst und Williams. Die Moderierung des Konzerts durch die Bürgermeisterin Ulrike Mohrs gab dem Ereignis den ihm gebührenden Stellenwert. Simon Burne nahm die Gelegenheit wahr, in einer Zwischenpause seine bewegende Familiengeschichte auf Deutsch zu erzählen.

Am letzten Abend gab es eine Begegnung mit der jüdischen Kultusgemeinde, bei ebenfalls einem kleinen musikalischen Programm zu Beginn. Da wurden die Stücke allzu christlichen Inhalts herausgenommen, dafür aber durch Klezmer-Musik mit dem Trio der Familie Burne passend ergänzt. Der deutsche Besucher, die deutsche Zuhörerin, die sich vielleicht mit Englisch und Latein bis dahin schwer getan hatten, konnten sich bei den Jiddischen, auch zum Mitsingen geeigneten Texten plötzlich wie zu Hause fühlen.

Die Begegnung wird bei uns noch lange nachhallen, hoffentlich auch bei den inzwischen heimgekehrten Chorsänger:innen aus England.

(Alban Rüttenauer)

 

Abend mit dem hessischen Liedermacher Jürgen Poth

„Jüdische Nachbarn – Rede‘ mer mal Tacheles!“, 10. März 2024

Ein erfreulich großes Auditorium fand sich am Sonntagnachmittag in der Evangelischen Versöhnungskirche in Koblenz-Arenberg ein. Über hundert Gästen bot Jürgen Poth mit Geschichten und Liedern ein anderthalbstündiges Programm, das unter die Haut ging. In der Pause kam so manches Gespräch zustande.

Entlang eines Zeitstrahles bewegte sich Jürgen Poth musikalisch aus der Gegenwart in die Vergangenheit. Schwerpunkte waren verschiedene Facetten jüdischen Lebens, die er in der Anmoderation der Lieder verwob. Aktuelle Ereignisse waren nicht ausgeklammert, sondern luden dazu ein, die Erinnerung einzuordnen und sich der Verantwortung für Gegenwart und Zukunft bewusst zu werden.
Jürgen Poth traf eine emotional ansprechende Auswahl an Liedern, welche die Nachbarschaft in der Region Koblenz in guten wie in furchtbaren Tagen eindrücklich beschrieb. Ein Plakat zur Veranstaltung finden Sie hier >>>

Das Konzert der Christlich-Jüdischen Gesellschaft Koblenz und der Evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf war ein in jeder Hinsicht gelungenes Kooperationsprojekt, das als Ganzes und auch mit einzelnen Beiträgen in Erinnerung bleiben wird. So klingt zum Beispiel die Vertonung von Ilse Webers Text aus dem Jahr 1944 „Ich wandre durch Theresienstadt“ intensiv nach.

(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

 

Mitgliederversammlung vom 19. Februar 2024

Mitgliederversammlung vom 19. Februar 2024 im Gemeindesaal der Jüdischen Kultusgemeinde und anschließende Lesung literarischer Texte

Die diesjährige Mitgliederversammlung erfreute sich eines besonders regen Zuspruchs. Bei den Wahlen für folgende Vorstandspositionen

  • Vorsitzende/r
  • 1. Stellvertreter/in
  • Weiteres Vorstandsmitglied
  • Weiteres Vorstandsmitglied

wurden alle bisherigen Amtsinhaber wiedergewählt.

(Die Wahl der 2. Stellvertreterin / des 2. Stellvertreters, zugleich Geschäftsführer / -führerin steht im Jahr 2024 turnusmäßig nicht an.)
Im Anschluss an die Mitgliederversammlung begab sich Dr. Christoph Münz mit den Anwesenden auf eine literarische Spurensuche. Er spannte, ausgehend von einem Text von Charlotte Delbo, einen Bogen von der Deportation von Menschen unter den Nationalsozialisten über Texte von Hilde Domin, Max Frisch, Yehuda Amichai, Emanuel Hurwitz bis hin zu Hanns Dieter Hüsch (gest. 2005). „Gründe und Abgründe im Gespräch zwischen Christen und Juden“ wurden auf beklemmende und bisweilen auf humorvolle Weise benannt.

(Wilma Rademacher-Braick)

 

Bundesweiter „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ am 27. Januar 2024

Auch in Koblenz und der Umgebung fanden am 27. Januar 2024 bzw. kurz danach Veranstaltungen zur Erinnerung an das Schicksal der Opfer der Nazi-Diktatur statt, zum Beispiel in Andernach, Kobern-Gondorf, Koblenz und Münstermaifeld. Deutlicher als in den Jahren zuvor entstand ein Gegenwartsbezug.

opfer von gestern.
öffnen heute die augen.
rufen zum handeln.

Der Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz, die Stadt Koblenz, die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit e. V. Koblenz und der Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikva gestalteten in Koblenz das Gedenken traditionell gemeinsam.

Schülerinnen und Schüler zweier Koblenzer Schulen zeigten durch ihr Engagement, dass Gedenken an die Gräuel der NS-Zeit nicht nur den Blick der Zeitzeug:innen und deren indessen in die Jahre gekommenen Kinder auf die Gegenwart schärft. Junge Menschen machten deutlich, dass sie im Bewusstsein der Vergangenheit das „Nie wieder!“ gestalten wollen.

Die Ernsthaftigkeit, mit der junge Menschen sich dieser Herausforderung stellen, wurde auch bei einer Gedenkveranstaltung in der Realschule plus Untermosel deutlich. Dort wurde unter anderem ein interaktives Sprechstück aufgeführt.

(Wilma Rademacher-Braick)

 

„Ein neues G‘tteshaus in Koblenz“

Vortrag des Architekten Wolfgang Lorch am Montag, 20. November 2023, im Klangraum des bischöflichen Cusanus-Gymnasiums

Ein neues Gebäude in Planung in und für Koblenz: ein G‘tteshaus, eine Synagoge oder, hebräisch gesagt, ein „bet knesset“ – ein Versammlungshaus. Ein Gebäude soll es sein, das Erinnerungen an vorangegangene Einrichtungen mit einschließt, und doch zugleich den bewussten Willen zeigt, nach dem Bruch mit einer abgerissenen und zerstörten Vergangenheit etwas ganz Neues zu beginnen.

Wolfgang Lorch hat sich als beauftragter Architekt im Laufe unterschiedlicher Projekte tief eingearbeitet in Selbstverständnis und Formensprache jüdischer G‘tteshäuser. Unterstützt von seinem Juniorpartner Thomas Wach stellte er seine Idee für Koblenz vor:
Ein Gebäude im Innern der Stadt wie der Gesellschaft, nach innen zusammenhaltend, identitätstiftend, nach oben transzendenzatmend, nach außen freundlich und einladend: ein Gebäude „offen und sicher“.

Die ersten Schritte sind getan, hinter die es so ohne weiteres kein Zurück mehr gibt. Doch vor dem letzten Ziel liegt noch manche Hürde, dies des Wohlwollens zuständiger Behörden wie der Ermutigung anteilnehmender Mitmenschen bedarf. Versuchen wir mit unserem Wohlwollen, unserer Anteilnahme möglichst Viele mitzunehmen!

gez. Alban Rüttenauer

 

 

Gedenkveranstaltung am 12. November 2023

 

für die Opfer der Pogromnacht 1938 und die Opfer vom und nach dem 7. Oktober 2023

 

Das Programm finden Sie hier.

Gedenkstunde.
Schwarze Anzüge.
Keine schnellen Worte.
Lernfähigkeit und Hörbereitschaft erwachen.
Bleibend?

(Wilma Rademacher-Braick)

 

Gedenkgang durch Koblenz am 9. November 2023

Die Wegstrecke finden Sie hier abgebildet.

85 Jahre nach dem 9. November 1938.
33 Tage nach dem 7. Oktober 2023.
Schweigendes Gehen zu Häusern von jüdischen Menschen.
85 Jahre nach dem 9. November 1938.
Kerzen für die Geschundenen. Blaulicht. Ein Funken Hoffnung.
Vergangenheit! Gegenwart! Zukunft?
85 Jahre nach dem 9. November 1938.
33 Tage nach dem 7. Oktober 2023.

(Wilma Rademacher-Braick)

 

 

 

Nach dem 7. Oktober 2023

Mehr als Worte sagen können, sind wir erschrocken über die gewaltsamen Ereignisse in Israel und denken an die vielen unschuldigen Opfer mit so vielen Kindern darunter. Wir spüren unsere ganze Ohnmacht, aber auch den Wunsch, unsere Solidarität zu zeigen und uns zugleich an die Seite unserer auch um ihre Sicherheit bangenden jüdischen Mitbürger:innen zu stellen.

(Alban Rüttenauer)

 

 

Vortrag „Die Erben der Arisierung“

Der entsetzliche Zusammenhang von Rassendiskriminierung und wirtschaftlichem Profit – Der Vortrag „Die Erben der Arisierung“ von Armin H. Flesch, eine Kooperationsveranstaltung der CJG Koblenz und des Evangelischen Erwachsenen Bildungswerks Süd (Montag 4. Sept.)

Bei strahlendem Abendsonnenschein, der vielleicht manch einen oder eine zu anderweitiger Beschäftigung überredete, hielt der freie Autor und Journalist Armin H. Flesch in der Aula von Haus Wasserburg in Vallendar eine erlesene und interessierte Zuhörerschaft von gut 20 Personen mit einem annähernd dreistündigen Vortrag in Atem.

Bei der allgemeinen Einführung ins Thema wurde in bedrückender Weise die zwingende Logik der dahinterstehenden Strategie deutlich: Die Partei gewann unter den Gewinnern dieses „Diebstahls“ rasch eine abhängige Gefolgschaft, auf lange Sicht wurde die gesamte Kriegsmaschine damit am Laufen gehalten. Der Lohn der Soldaten war bis Kriegsende ausreichend, um eine Familie damit zu ernähren, sehr im Unterschied zur Situation des ersten Weltkriegs: alles wichtige Einzelheiten, die weit über das im gewöhnlichen Geschichtsunterricht Behandelte hinausgehen. Um den Schein der Legalität aufrecht zu erhalten, genügte es, eine gefügige Bank unter Druck zu setzen, die Fortsetzung eines Kredits zu verweigern. Wirklich entsetzlich aber wurde es, wenn die einmal in Gang gesetzte Gewinngier so weit getrieben wurde, die ermordeten KZ-Häftlinge auch ihrer Goldzähne und Haare zu berauben (für Filz und Perücken). Aber auch im Kleineren wurde die Gesamtbevölkerung durch die oft nur zu dankbar angenommene Versteigerung jüdischen Besitzes in das Geschehen mitverstrickt.

Beschämend zeigt sich dann oft die Aufarbeitung in der jungen BRD, wenn die Geschädigten und deren Nachfahren um eine angemessene Entschädigung betrogen werden, während mancher damalige Drahtzieher, neu zu Ehren gekommen, sogar mit dem Bundesverdienstkreuz (wahrscheinlich für zweifelhafte Beraterdienste!) ausgezeichnet wird. Noch immer fällt es manchem heutigen Firmenbesitzer schwer, die Namen der ursprünglichen Firmengründer auf ihrer Homepage zu erwähnen. Doch auch wenn sie sich, nach Nachfragen oder äußerem Druck, dazu entscheiden, wird immer noch das bei der „Übergabe“ geschehene Unrecht verschwiegen. Dabei bräuchte sich heute, wo diese Dinge längst verjährt sind, Niemand etwas dabei zu vergeben. Im Gegenteil, sollte es nicht eine Empfehlung für die Ehrlichkeit und Ernsthaftigkeit eines Unternehmens sein, wenn auch mit der vergangenen Geschichte in ehrlicher und verantwortlicher Weise umgegangen wird?
Sollte die Spirale einer stufenweise Entrechtung, Ausgrenzung und Entwürdigung nicht auch einmal in eine eine solche der gemeinsamen Verantwortung füreinander umgewandelt werden? Da liegt offensichtlich immer noch einiges vor uns!

gez. Alban Rüttenauer

 

Sommerfahrt 2023 nach Köln

Synagoge Koeln webKöln ist eine Reise wert. Die diesjährige Sommerfahrt führte dorthin: „natürlich“ in die Synagoge, Roonstraße, wo wir über die Geschichte der Gemeinde und ihre lebendige Gegenwart informiert wurden.

 

Das markante Gebäude wurde nach der Shoah vom selben Architekten wiedererrichtet, der auch die derzeitige Koblenzer Synagoge entworfen hat: Helmut Goldberg, mit Dr. Heinz Kahn Überlebender von Auschwitz und Buchenwald.

 

Nach einem Imbiss im „Veddel“ ging es zur St. Andreas-Kirche des Dominikanerklosters im Zentrum. Sie ist einer der ganz, ganz wenigen christlichen Orte, an denen der Makkabäer gedacht wird (und das seit im 12. Jh.). Gebeine waren zusammen mit Reliquien der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln gebracht worden.
Die Makkabäer waren Freiheitskämpfer gegen die Besatzungsmacht der Seleukiden im 2. Jh. Vor unserer Zeitrechnung. Nach liberalen Anfängen hatten letztere schließlich alles unter Todesstrafe gestellt, was jüdische Identität mit ausmacht: Beschneidung, Sabbat, Feste.

 

StAndreas innenChS webAls der Tempel wieder von Götzenbildern befreit und gereinigt war, fand sich noch koscheres Öl für einen Tag. Es brannte acht Tage, lange genug, um Öl für die Zukunft vorzubereiten. Channuka erinnert jährlich daran, in St. Andreas tut das eine Menora hinter dem Reliquienschrein. 
Weltweit einzigartig dürften die neoexpressiven farbintensiven Fenster von 2007 sein, die der mittlerweile alt gewordene „Neue Wilde“ Markus Lüpertz entworfen hat, Koblenzern und Koblenzerinnen bekannt von seinem St. Martin im Evangelischen Stift St. Martin.

 

Nach Kaffee und Kuchen oder privatem Dombesuch – mit einem informativen Paper von Elisabeth Weiler in der Hand – ging es, sicher chauffiert, rheinaufwärts nach Hause.

 

(Dr. Paul Petzel; Fotos: Christoph Simonis)

 

Verleihung des Paul-Eisenkopfpreises am 18. Juni 2023

Gedanken und Impressionen

Freude und Aufregung waren dem Preisträger Dr. Michael Aranovski und seiner Ehefrau Anna förmlich ins Gesicht geschrieben, als sie in wenigen ergreifenden Worten ihre Dankbarkeit gegenüber der Versammlung zum Ausdruck brachten, nachdem die Kulturdezernentin der Stadt, Frau Dr. Margit Theis-Scholz, sowie der Vorsitzende der CJG die Urkunde überreicht hatten.  

Der erste Teil eines denkwürdigen Tages (Zum Programm >>> PDF) fand damit in dem denkwürdigen Raum des historischen Rathaussaales von Koblenz seinen Abschluss. 

Der Paul-Eisenkopf-Preis konnte nach langer Unterbrechung wieder vergeben werden und das im zwanzigsten Jahr nach dem zu frühen Tod des Pallottinerpaters Paul Eisenkopf und im dreißigsten nach der Einreise des Ehepaars Aranovski nach Deutschland. Die glänzende Musik des Duos Yoel Cantori und Benoit Gagnon, die die klanglichen Möglichkeiten des Cellos ausschöpfte und für den Preisträger die Erinnerung an einen befreundeten Cellisten beschwor, eine Reihe von Grußworten, die sich wunderbar ergänzten sowie die Laudatio von Herrn Rien van der Vegt, der als Vorstandsmitglied des Dachverbandes DKR auch dessen Grüße übermitteln konnte, kennzeichneten die Veranstaltung am Sonntag Nachmittag. Dank einer ausgeklügelten Organisation wusste Jeder und Jede um den eigenen Platz und kam auch mit Kaffee und Gebäck nicht zu kurz.
Die Laudatio lies die Stationen und Wechselfälle eines belebten Lebens in allen Facetten lebendig werden: Überleben der deutschen Invasion im 2. Weltkrieg mitsamt der Blockade von Leningrad, Demütigungen und Zurücksetzungen durch sowjetischen Antisemitismus, familiäres Glück und Zuflucht in Deutschland als Kontingentflüchtling …
Dem stellte der Preisträger mit seinem Verhalten als Gegengewicht entgegen: das stille und freundliche Auftreten, den selbstlosen ehrenamtlichen Einsatz auf vielen Gebieten, den Brückenschlag für die Jüdische Gemeinde nach außen, viele Veranstaltungen vor allem für Kinder zum Ansporn ihrer kreativen Kräfte (z.B. durch Malen am Rhein, nach den Worten des Laudators für sich allein schon eines Preises würdig).

Ihre Fortsetzung fand das Ereignis noch abends in dem Konzert des Streichtrios, das Verwandte und Freunde des Preisträgers im Gemeindesaal der JKG ausrichteten und die Hörer:innen zu einer wunderbar farbigen musikalischen Weltreise entführte. Neben deutsch-österreichischen (Schubert) und polnischen (Lutoslawski) waren auch amerikanische, ukrainische (Glier) und grusinische Klänge zu hören, teilweise untermischt mit Anklängen an jüdische Volksweisen.

Möge sich das Preisträger-Ehepaar noch lange von der Welle der Sympathie und des Wohlwollens getragen fühlen können und mögen in allen Anteilnehmenden Vorsätze und Hoffnungen des Friedens gestärkt worden sein!

gez. Alban Rüttenauer

 

Harald Orth, sein Buch über Hannelore Hermann, das Cusanus-Gymnasium und die Vorzüge mangelnder Ortskunde

6. März 2023

Ortsunkenntnis kann zuweilen von Vorteil sein oder, sagen wir, für überraschende Zufälle sorgen. Nachdem ich auf der Mainzerstraße geparkt hatte und mich verzweifelt auf die Suche nach der mir bisher nur dem Namen nach bekannten Cusanus-Schule begab, bog ich unter anderen in die Johannes-Müller-Straße ein, die ich mir für den Rückweg gut zu merken versuchte. Wie erstaunt war ich, beim anschließenden Vortrag zu erfahren, genau auf diese Weise einige der Lebensstationen der jüdischen Familie Hermann nachgegangen zu sein. Wie wurden für mich Orte mit einem Mal lebendig, die ich bis eben nur durch Zufall kannte!

Noch manche andere Orte ließ der Vortrag zu neuem Leben erwachen. So erfahren wir von einer Jugendgruppe, die sich im Garten hinter der damaligen Synagoge getroffen hat, und spüren gleich den Wunsch, dass auch diese alte Synagoge im Bürresheimer Hof, wenn der Bau der neuen hoffentlich rasch vonstatten geht, nicht so schnell vergessen werde. Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums ließen mit wechselnden Stimmen das Lebensbild der Hermanns lebendig werden, indem sie Abschnitte aus dem Buch vorlasen, wie es Harald Orth nach vorausgegangenen Arbeiten von Elmar Ries und Helene Thill (ehemalige Vorstandsmitglieder der CJG, wahrscheinlich angeregt durch den Heimatbesuch von Kurt Hermann), ergänzt durch weitere Einsichten ins Stadtarchiv, zusammengestellt hat. Er hat sein Buch mit dem Titel „Wir lachten oft und gern“ (nach einem Briefzitat) so entworfen, dass es parallel zum Schicksal dieser Einzelfamilie auch die schrittweise, aber systematisch vorgehende Vernichtungsstrategie der Nazis beispielhaft beschreibt und nachzeichnet und damit einen unschätzbaren „pädagogischen“ Zweck erfüllt. Durch Nachfragen aus dem Publikum erfahren wir später, wie es den Machthabern u.a. durch ein Heer von Spitzeln gelang, die anfangs nicht als Nazihochburg angelegte Stadt Koblenz unter völlige Kontrolle zu bekommen. Ebenso kommen aber auch die verschiedenen Maßnahmen auf der jüdischen Gegenseite zu Wort, die verschiedenen jüdischen Zusammenschlüsse, oft zionistischer Prägung, mit ihren jeweiligen Treffpunkten im Koblenzer Raum. Deren Ideen und Atmosphäre konnten mit ihren Zukunftshoffnungen in den durch den Klarinettisten Walter Oswald-Wambach eingestreuten, aus der jüdischen Musiktradition geschöpften Stücken gut nachklingen.
Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand und steht aber stellvertretend für so viele Opfer die Hannelore als jüngstes, aber geistig waches und frühreifes Kind der Familie, das so erwartungsvoll ins Leben schaute und das doch zusammen mit ihren Eltern der Deportation zum Opfer fiel, während ihre älteren Geschwister derselben durch rechtzeitige Auswanderung entkommen, dadurch aber auch den Briefwechsel erhalten konnten. In der Deportation verliert sich ihre Spur im völligen Dunkel. Mögen ihre Lebensspuren in Koblenz umso lebendiger bewahrt bleiben!

Alban Rüttenauer

 

Gedenkveranstaltung für die Opfer des Nationalsozialismus am 27.01.2023

2023 01 27 FotoAm 27. Januar und um diesen Tag herum gedachte unsere Gesellschaft mit anderen Koblenzer Vereinen und der Stadtöffentlichkeit der Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz und der Region.

 

Beim Innehalten an der Statio am Mahnmal auf dem Reichenspergerplatz wurden Namen von Opfern verlesen. Schülerinnen und Schüler brachten deren Biografien und als Zeichen der Trauer weiße Rosen am Mahnmal an. Andreas Stickel gab dem Unsagbaren mit der Trompete Raum. Danach zündeten die Anwesenden Lichter für die Ermordeten an.

 

Anschließend fand eine Gedenkfeier mit christlich-jüdischem Gebet in der Koblenzer Citykirche statt. Alle konnten sich in der Kirche auch der Ausstellung "'Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch' - Vor 90 Jahren: Machtübernahme und frühe Opfer der Nazis in Koblenz" stellen.
Studierende der Universität Koblenz hatten für den Kirchenraum eine besondere Installation, "Raum der Namen", entwickelt. Durch die Einbettung von Namen in eine Licht- und Geräuschkulisse wurde erlebbar gemacht, dass sich das Leid der Opfer nicht bildlich fassen lässt.
(Dr. Wilma Rademacher-Braick)

Paul-Eisenkopf-Preis

eisenkopfklein Zur bundesweiten Woche der Brüderlichkeit im März lobt die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit in allen ungeraden Jahren den mit 1000 EUR dotierten Paul-Eisenkopf-Preis aus. Mit dem Preis sollen Personen, Schulklassen oder andere Gruppen ausgezeichnet werden, die sich im Bewusstsein der deutschen Vergangenheit um das Gelingen des Zusammenlebens von Menschen unterschiedlicher Religion, Herkunft, Nationalität, Kultur und Weltanschauung bemüht haben beziehungsweise bemühen.

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Stolpersteine

steineAuf Bitten des Kulturausschusses der Stadt Koblenz hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft die Recherche, Koordination und Finanzierung des Gedenkprojektes „Stolpersteine“ übernommen. Dabei werden vor dem letzten selbst gewählten Wohnort der Nazi-Opfer Messingplaketten verlegt, auf denen Name, Vorname, Jahrgang und Schicksal der betreffenden Person doku­mentiert sind.

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Links

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der Christlich-Jüdischen Zusammenarbeit.

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